sie schweigend noch an , Und wirft sie von dem Throne Auf ' n ersten besten Mann . Und ruft : » Wer sie gefangen , Der soll mein König sein , Ich hab nicht mehr Verlangen , Zu herrschen ledig allein . Es mag ein jeder werden , Was ich gewesen bin , Dieweil ich nun auf Erden , Erst lustig worden bin . « Auf den die Kron gefallen , Dem schlug sie ein das Hirn , Das war der eine von allen , Der mit der frechen Stirn . Ja wem die Kronen fallen , Dem fällt ein schweres Los , Doch vielen sie gefallen , So wird er sie bald los . Der Schreiber wußte nicht , warum ihn das einfache Lied so ängstigte , es war ihm so ein eigner Doppelsinn darin , der ihn in seiner Träumerei störte , er konnte sich selbst als einen Herrscher nicht mehr denken , er hörte es nicht ganz aus , sondern stand auf , der kleine Hirtenbube rief ihm ein sizilianisches Sprichwort nach : » Zum Hängen kommst du immer noch früh genug . « Es dunkelte schon etwas , und da er den Weg nicht genau wußte , so ängstigte er sich sehr ab , ehe er in die Nähe des Schlosses kam , und trat außer Atem und mit klopfendem Herzen in das Zimmer der Fürstin , die ihn gleich bei seinem Eintritte in das Gartenhaus zu sich geklingelt hatte . Wie er so eintrat , fielen die Sonnenstrahlen hell auf sie , sie sah sehr ernst aus und zeigte ihm schweigend jenes Bild , das ihn verraten . Erschrocken stürzt er ihr zu Füßen , und umfaßt ihre Kniee , sie hebt ihn auf , und spricht : » Ich hatte dir viel Gutes getan , dir und den Deinen , du hast mich betrogen , du hast meine Gunst nicht ritterlich gewonnen , sondern wie ein Dieb , aber die Liebe verzeiht der Liebe alles , du hast mich dir unterworfen , der du mein Untertan warst ; schwöre mir neue Treue , denn jene alte hast du gebrochen , schwöre mir bei diesem Becher , den ich mit dir treulich teilen will , ewige Treue im Tode . « - Er schwört ihr ohne Besinnung bei Seele und Seligkeit , sie leert die Hälfte des Bechers und gibt ihm den Rest , er leert ihn , ohne zu ahnden , ohne zu schmecken , welches Verderben er enthalte . Als er ihn geleert hat , glaubt er mit einer Umarmung seines Glückes sich versichern zu dürfen , die Fürstin stößt ihn zurück ; ehe er noch seine Verwunderung zu äußern vermag , bedrängen ihn innerlich heftige Schmerzen , und werfen ihn nieder . » Jetzt komme in meine Arme Verräter « , ruft die Fürstin , die ihren Zorn nicht länger zurückhalten kann ; » wendest du dich von mir , willst mich kriechend im Staube verehren , wie die Schlange ; hast du wieder genossen , was dich verdirbt , wie du meiner Schönheit Freude genossen hast in jener Nacht , die dich am Tage verdirbt ; keinen Tag siehst du mehr , dies sind die letzten Strahlen , die mir deine häßliche Gestalt zeigen , und mein Abscheu gegen dich hat keine Grenzen . « Der Schreiber ruft bange um Hülfe , aber erst als er mit raschem Schmerze dem Ausgange des Lebens nahet , tritt jemand zu ihnen ein , eben der schöne Fremde , den die Fürstin von sich gewiesen hatte , alle Leute des Schlosses waren mit der kranken Gräfin beschäftigt . » Wer Sie auch sind « , sagte die Fürstin zu ihm , » dieses Unglück ist nicht abzuwenden , hören Sie aufmerksam zu , damit Sie den Nachbleibenden , die uns verlassen haben , alles berichten können . « Ängstlich steht der Fremde bei den Leidenden , und kann zu keinem Entschlusse kommen , ob er sie verlassen solle , um Hülfe zu suchen , er hört die Erzählung der Fürstin und seufzt : » Ach so ist mein Traum doch eingetroffen , so war zu spät die Warnung ! « Wir werden diesen Fremden später näher kennen lernen , ihm verdanken wir die meisten Nachrichten von dieser Geschichte . Die Gräfin hatte inzwischen unglaublich gelitten , der Leibarzt der Herzogin gab wenig Hoffnung bei diesem unerklärlichen Zustande , jedermann wünschte und fürchtete die Ankunft des Grafen , die Herzogin sah von Zeit zu Zeit nach der Landstraße , und betete mit Ungeduld , daß er doch endlich zurückkäme , endlich sieht sie Staub , es kommt ein Reiter , aber auch eine Kutsche , und sie bedauert die Fremden , die zu solchem Jammer ankommen . Fröhlich jagt der Graf neben dem Wagen her , der den Minister mit seinen Begleitern in ungeduldiger heitrer Erwartung zum Schlosse führt ; der Minister hatte seine Reise so beschleunigt , daß er selbst seinem Briefe zuvorgeeilt war . Auf dem Wege , der in der Nähe des Gartenhauses vorbei führt , hört der Graf das Jammergeschrei der beiden Sterbenden , er springt vom Pferde , der Minister aus dem Wagen , der Fremde ruft aus dem Fenster ihm entgegen , er möchte eilen , ein großes Unglück sei geschehen . Ehe er ins Haus getreten , flehet ihn einer seiner herbeigeeilten Bedienten an , er möchte zu seiner sterbenden Frau eilen ; das Blut läuft ihm in schrecklicher Verwirrung durcheinander , aber der Gedanke an seine Frau führt ihn unbewußt nach dem Schlosse , während er dem Minister winkt , nach dem Gartenhause zu gehen . Der Minister eilt die Treppe hinauf , von dem Fremden geführt , er weiß nicht , was seiner wartet ; als er ins Zimmer tritt , findet er die Fürstin , seine verehrte Freundin und Beherrscherin , sehr entstellt auf dem Sopha liegen , ihr zu Füßen den Schreiber , der sich in letzter Todesverzweiflung noch an sie angeschlossen .