der tiefen Quelle herauf , es ist das Blut all derer , die auf dem Markt gehen , und Wasser ist etwas anderes als es war ; Wasser wäscht manche Seele rein , daß kein Engel mag lichter sein . Es wurde Mittag , es wurde Abend , ein Tag der Schöpfung . Und wie es Abend geworden war , sank ein Nebel herab , da stieg Daniel von der Brunnenschale , setzte sorglich die Gänse hin und ging heim . Er trat auf den Vorplatz und auf die Schwelle der Hofkammer , da bot sich ihm ein wunderlicher Anblick . Das Gänsemännchen saß bei Agnes und dem kleinen Gottfried und spielte mit ihnen . Es hatte aus buntem Papier Silhouetten geschnitten und sie mit umgebogenen Rändern auf den Tisch gestellt . Dort schob es sie gegeneinander und ließ sie so lustige Sachen reden , daß Agnes , die nie in ihrem Leben ordentlich gelacht hatte , auf einmal zu dem Kind wurde , das sie ja noch war , und von Herzen lachen mußte . Der kleine Gottfried konnte nur lallen und in die Händchen patschen , und wenn er auf dem Tisch , wo er hockte , eine ungeschickte Bewegung machte , schob ihn das Gänsemännchen sacht und mit kundiger Hand wieder zurecht . Als Daniel in die Türe trat , erhob sich das Gänsemännchen und begab sich an seine Seite . Er grüßte ihn und sagte zutraulich : » Schon wieder zurück von der Reise ? Wir haben uns die Zeit ganz artig vertrieben . « Im Zimmer war aber nun derselbe Nebel , der sich über den Brunnen gesenkt hatte , als Daniel herabgestiegen war . Da fühlten die Kinder , Agnes und Gottfried , eine schreckliche Bangigkeit und Furcht ; der Knabe begann zu weinen , und Agnes schlang die Arme um ihn und weinte gleichfalls . Daniel ging zu ihnen hin und sagte : » Weint doch nicht , ich bin ja bei euch , ihr braucht nicht mehr zu weinen . « Er setzte sich auf denselben Platz , auf dem das Gänsemännchen gesessen , schaute sich die papierenen Figürchen an und fuhr lächelnd in demselben Spiel fort , welches das Gänsemännchen angefangen . Der Knabe beruhigte sich , und Agnes wurde auch wieder froh . » Gute Nacht , « rief das Gänsemännchen , » jetzt bin ich wieder ich , und du bist du . « Es winkte freundlich und verschwand . 6 Noch am nämlichen Abend kamen sechs von Daniels Schülern , die gehört hatten , daß er von seiner Stelle an der Anstalt entlassen worden war . Es war kein bloßes Gerücht . Andreas Döderlein hatte diese Maßregeln getroffen . Auch seines Organistenamtes war Daniel entsetzt worden . Der stadtkundige Skandal , zu dem er Anlaß gegeben , hatte die kirchliche Behörde gegen ihn aufgebracht . Die sechs Schüler traten in die Kammer , wo er bei seinen Kindern saß , und einer , den sie zum Wortführer ernannt hatten , sagte , daß sie beschlossen hätten , nicht von ihm zu lassen , und er möge sie nicht abweisen . Es waren kluge und lebhafte junge Leute ; in ihren Augen war ein Enthusiasmus , der noch nicht durch Feigheit und Dünkel getrübt war . » Ich bleibe nicht in der Stadt , « sagte Daniel zu ihnen , » ich will nach Eschenbach , in meine Heimat ziehen . « Die Schüler blickten einander an . Hierauf sagte der Sprecher : » Wir wollen mit Ihnen gehen . « Und alle nickten . Daniel erhob sich und reichte jedem einzelnen die Hand . Zwei Tage nachher , Daniels Hausstand war schon in voller Auflösung , kam Benda , um sich zu verabschieden . Ihn rief die Arbeit , rief seine große Pflicht . Zuerst hatte es Benda kaum zu fassen vermocht , daß Daniel noch sollte wirken können , daß da noch ein ganzes Leben sein sollte und nicht Trümmer einer Existenz , Ruinen eines Herzens . Und doch war dem so . Es war etwas Befreites an Daniel , den Gewöhnlichsten entging es nicht . Obgleich noch wortkarger als ehedem , hatte sein Auge einen neuen Glanz , ernst und heiter zugleich ; seine Stimmung war milder , sein Gesicht voll Ruhe . Die Freunde gaben einander die Hand . Benda ging langsam hinaus , langsam die Stiege hinunter , langsam durch die Gassen . Er fühlte sich so gering ; er fühlte sich so sonderbar gering . 7 Und Daniel zog nach Eschenbach , in das elterliche Häuschen . Seine Schüler mieteten sich bei einigen Bürgern ein . Den Leuten im Ort galt er als ein Original , und sie lächelten , wenn von ihm die Rede war oder wenn sie ihn versunken , nach seiner Art , durch die Gassen wandeln sahen . Doch es war kein böses Lächeln ; der anfängliche Spott darin verschwand bald und machte einer ungewissen Empfindung des Stolzes Platz . Er gewann eine heimliche Macht über die Menschen , die mit ihm in Berührung kamen , und viele fragten ihn in schwierigen Lebensumständen um Rat . Insbesondere seine Schüler beteten ihn an . Er hatte die Gabe , sie zu spannen und hinzureißen . Die Mittel , deren er sich dabei bediente , waren die einfachsten . Die selbstleuchtende Persönlichkeit , der Einklang zwischen Wort und Tun , der Menschenernst , der Menschenblick , die Hingebung an eine Sache und das große Gefühl von ihr , das waren seine Mittel . Er wurde ein berühmter Lehrer , mit jedem Jahr mehrte sich die Zahl derjenigen , die seiner Unterweisung teilhaftig werden wollten . Aber er nahm nur wenige an , die besten nur , und die Sicherheit , mit der er wählte und sonderte , war untrüglich . Keine Lockung konnte ihn bewegen , den abgeschiedenen Ort , auf dem er zu leben gewillt , zu verlassen . Er hatte meist ein freundliches Wesen , war auch nicht zerstreut