Bauernbursche es entgelten , wenn man von den Kanzeln des Landes unsere heilige Kirche schmähen darf ? Soll es ihm hingehen , dem unreifen jungen Manne , dem lutherischen Candidaten , daß er sich auflehnte gegen das Gesetz seines Landes , gegen den Willen seines Königs , der unsere Gewissensfreiheit und unsere freie Religionsübung so gut wie die der Andersglaubenden zu schützen hat ? Wollen Sie es dulden , daß dieser freche anmaßende Mensch Ihren Entschließungen , Ihrem freien Willen auf der Kanzel Ihrer eigenen Kirche entgegentritt ? daß er Ihre Leute zur Beurtheilung Ihrer Handlungen aufreizt , daß er sie zu Ihren Richtern macht ? - Ich für meinen Theil habe gleich gethan , was meines Amtes war . Ich habe noch an demselben Tage dem Fürstbischof einen Bericht der Vorgänge eingesandt . Ich habe ihn aufgefordert , bei der Regierung Beschwerde über den Angriff zu führen , der durch den Candidaten gegen unsere freie Religionsübung vollführt ist , und es müßte keine Gerechtigkeit im Lande mehr zu finden sein , wenn uns unser Recht , und dem Gotthard nicht das seinige werden sollte . Es war selten , daß der Caplan sich also lebhaft äußerte , und dem Freiherrn fiel es daher auf . Er hatte in dem ruhigen Laufe der Zeiten es fast vergessen , daß sein alter Lebensgenosse noch etwas Anderes als nur sein Hausgeistlicher , daß er ein Mitglied jenes großen Clerus , jenes wundervollen Organismus sei , dessen Mitglieder , aus allen Schichten des Volkes hervorgehend , über die ganze Welt zerstreut , in sich vereinigt , und losgelöst von allen Banden der Familie , in Einem der Ihrigen gipfeln , der sich die höchste irdische und geistliche Machtvollkommenheit zuerkennt , von welcher ein Theil auch dem geringsten Angehörigen dieses Bundes übertragen wird , so daß ein jeder zur Befestigung und Stärkung des großen Ganzen mitwirkt , während er sich von demselben getragen , gehoben und beschützt weiß . Aber es war dem Freiherrn nicht willkommen , daß der Caplan ihn in diesem Augenblicke an seinen Zusammenhang mit seiner Kirche mahnte , daß er für seinen Theil Maßregeln getroffen und selbstständige Schritte gethan hatte . Er sah dies als einen Uebergriff in seine Rechte an und er war eben jetzt noch weniger als sonst gewillt , seinen Rechten etwas zu vergeben . Ohne daher auf die Anmahnungen des Caplans weiter einzugehen , sprach er kalt und ernst : Ehe wir daran denken dürfen , die Freiheit unseres Cultus zu vertreten , scheint es mir nothwendig , daß den Verbrechern ihre Strafe , daß Justiz geübt werde , wo gegen das Gesetz gefrevelt ward . - Was hat der Justitiarius gethan ? Der Caplan , der sich zurückgewiesen sah und dies für sich und mehr noch für die heilige Sache , der er diente , schwer empfand , ließ den Freiherrn seine Antwort eine kleine Zeit erwarten . Dann sagte er : Bei dem wüsten Angriffe , den man auf unsere unglücklichen Glaubensgenossen richtete , bei der Plötzlichkeit und Wildheit , mit der Alle zugleich über die Beklagenswerthen herfielen , war es nicht zu sagen , wer die That verübt . Jeder konnte , Niemand wollte der Mörder sein , und noch hatte der Justitiarius nichts entschieden , als Steinert von seinem Ausfluge zurückkam . Mit Einem Blicke übersah er , was geschehen war , mit Einem Satze war er vom Pferde , und rasch den Stephan aus Neudorf bei der Brust fassend , rief er : Wer ' s gethan hat , das weiß in diesem Augenblicke Gott allein , aber sein Theil Schuld wird dieser hier an all dem Unheil haben , denn ich habe sie oft genug von ihm gehört , die Redensarten gegen den Kirchenbau und gegen die Fremden und die Franzosen . Er wird auch jetzt wieder der Anführer gewesen sein ! Führt diesen hier vor allen Dingen weg , und dann wollen wir weiter sehen ; das Uebrige wird sich finden ! Und was dann ? fragte der Freiherr , dessen Miene sich belebte , da er hörte , daß eine entschlossene Hand über die Aufrührischen gekommen war . Steinert selbst übergab dann Stephan den beiden Amtsboten ; in dem Bestreben , sich zu rechtfertigen , zieh der Verhaftete Andere der Schuld , und auch diese hat man festgenommen ; es sitzen ihrer acht . Murrend und drohend gingen die Männer , weinend und schreiend gingen die Weiber aus einander . Steinert eilte nach Neudorf in die Pfarre . Ich war nicht im Stande , meine Reise an dem Nachmittage fortzusetzen , und hätte ich es vermocht , so wäre es doch nicht zulässig gewesen . Ich mußte bleiben , um die Stelle zu weihen , wo die Erschlagene ruhen sollte , und um sie zu bestatten , und in Beidem habe ich keine Störungen erlitten . Ich habe ihr Grab in der Nähe des zertrümmerten Standbildes graben lassen , damit die Leute es auf ihrem täglichen Wege vor den Augen haben . Der Caplan schwieg , der Freiherr hatte sich niedergelassen und den Kopf auf die Hand gestützt . Er schauderte zusammen , aber er sagte nicht , was ihn bewegte , bis er sich plötzlich mit dem Ausrufe : Gleich morgen muß ich hin , gleich morgen ! von seinem Sessel erhob . Um Ihre Rückkehr zu bitten , hatten sowohl Steinert als der Justitiarius mir auch aufgetragen ! meldete der Caplan , indem er gleichfalls aufstand . Und weshalb das ? fragte der Freiherr . Um zu begnadigen , wo jene nur Gerechtigkeit zu üben hätten ! Der Freiherr blieb vor ihm stehen . Und Sie würden mir rathen , dem Gesetze vorzugreifen ? Sie würden der Meinung sein , daß ich durch schwache Nachgiebigkeit ähnlichen Freveln Thür und Thor öffne ? Ich würde die höchste Strenge für den bewußten Urheber des Frevels fordern und Gnade üben .... Der Freiherr fuhr auf . Strenge fordern , wo ich nicht zu richten habe , und freveln lassen