und zuletzt noch zwei Paar Pistolen aus den Wohnungen einiger Officiere , die man mit Hülfe des Adreßkalenders in der unmittelbarsten Nähe ausgekundschaftet hatte . Die Waffen wurden vertheilt , und jedem Schützen sein Posten auf der Barricade angewiesen ; jeder Schütze hatte einen Mann als Lader bei sich ; in der Küche des Erdgeschosses eines der nächsten Häuser wurden unter Aufsicht eines alten einäugigen Mannes , der schon die Befreiungskriege mitgemacht und sich zu diesem Posten erboten hatte , Kugeln gegossen ; Straßenjungen , die lustigen Sturmvögel des Barricadenkampfes , sollten die Kugeln den Kämpfern zutragen . Die Viertelstunde , die Oldenburg als die längste Zeit , in welcher man fertig werden müsse , bestimmt hatte , war verlaufen ; und schon der nächste Moment bewies , wie richtig er gerechnet . Die Büchsen waren kaum geladen und die Männer eben an ihre Posten getreten , als ein Bataillon Infanterie die Straße heranmarschirt kam . An seiner Spitze ritt ein Major . Er ließ in einiger Entfernung von der Barricade seine Truppe Halt machen und ritt bis auf wenige Schritte heran . Es war ein alter grauhaariger Mann mit einem gutmüthigen Gesicht , dem offenbar bei Erfüllung seiner blutigen Pflicht nicht sonderlich wohl war . Seine Stimme klang hohl und zitterte ein wenig , als er jetzt , so laut er vermochte , rief : Ihr da ! ich muß hier mit meinen Leuten durch , und wenn Ihr das Ding , das Ihr da gebaut habt , nicht gutwillig wegräumt , so muß ich von der Schußwaffe Gebrauch machen . Das sollte mir Eurethalben leid thun ! Oldenburg trat auf die Barricade . Im Namen der Männer hier , sagte er , seinen Hut höflich gegen den Major lüftend ; erkläre ich Ihnen , daß wir entschlossen sind , Einer für Alle und Alle für Einen zu stehen und die Barricade zu halten , so lange es uns möglich ist . Oldenburgs Erscheinung und seine Rede imponirten dem alten Krieger sichtlich . Sie sind der Anführer von den Leuten ? Ich habe die Ehre . Sie scheinen ein verständiger Mann . Da müssen Sie doch einsehen , daß das Ding da nicht lange halten kann und daß Ihr mit Euren paar Schüssen nicht weit kommen werdet . Reißt das Ding herunter und die Sache ist gut . Es thut mir leid , Ihnen diesen Gefallen nicht thun zu können und meine erste Entscheidung wiederholen zu müssen . Nun denn , rief der alte Mann mehr verdrießlich als zornig , so soll Euch Alle der Teufel holen ! Mit diesen Worten warf er sein Pferd herum und galoppirte zu seiner Truppe zurück . Oldenburg war froh , daß die Unterredung zu Ende war . Sein schneller Blick hatte ihm gezeigt , daß das gütige Zureden des Majors seinen Einfluß auf die Menge nicht verfehlt hatte und daß mehr als Einer unentschlossen und zaghaft dreinschaute . Er wandte sich um und rief : Ist Einer unter Ihnen , der es süßer findet , für das Vaterland und die Freiheit leben zu bleiben , als zu sterben , der möge es jetzt sagen ! Noch ist es Zeit . Die Männer standen regungslos und lautlos . Wohl mochte manches Herz stärker gegen die Rippen pochen ; aber Jeder fühlte , daß der Würfel geworfen und daß jetzt umzukehren , schimpflicher Verrath sei . Da schlugen drüben die Trommeln den Sturmmarsch und ihr eherner Klang schmetterte die letzten Bedenken weg . Jeder Mann an seinen Posten ! rief Oldenburg mit einer Stimme , die hell wie Trompetenton das Rasseln der Trommeln übertönte ; kein Schuß fällt , kein Stein wird geschleudert , bevor ich das Zeichen gebe . Oldenburg blieb auf der Barricade stehen und sah die Colonne im Sturmschritt heranrücken . In der Mitte die Tambours und der Major , der mit seiner Grabstimme commandirte : Bataillon halt ! Legt an ! Feuer ! Die Salve krachte , die Kugeln hagelten in die Barricade und gegen die Wände der Häuser . Gewehr rechts , Marsch , Marsch ! Hurrah ! schrieen die Soldaten , indem sie sich mit gefälltem Bajonnet gegen die Barricade stürzten . Hurrah ! schrie Oldenburg , indem er noch immer auf der Barricade stehend , den Hut schwenkte . Und die Büchsen der Barricadenvertheidiger krachten und die Steine prasselten von den Dächern auf die Köpfe der unglücklichen Soldaten hinab , und als der Rauch und Staub sich verzog , sah man die Compagnie , die in kriegerischer Ordnung heranmarschirt gekommen war , in wilder Verwirrung sich zurückziehen , vorauf ein reiterloses Pferd und zwischendurch kleine Truppen von drei , vier Mann , welche Todte oder Verwundete eiligst aus dem Bereiche der Barricade trugen . Von den Männern des Volkes war nur einer , und selbst der durch keine feindliche Kugel verwundet . Der alte Carabiner war bei dem ersten Schusse gesprungen , und ein Stück davon hatte den Nebenmann des Schützen leicht am Kopf gestreift . Dieser Unfall trug indessen nur zur Erhöhung der guten Laune bei . Man schrie Hurrah , man gratulirte einander , man lachte , man scherzte , man war in der besten Stimmung . Oldenburg theilte die Siegesfreude nicht . Von der Nothwendigkeit des Kampfes war er ebenso überzeugt , wie ihm ein glücklicher Ausgang desselben problematisch war . Er hatte die Februartage in Paris mit durchlebt und durchfochten , und der Unterschied der beiden Revolutionen konnte ihm nicht entgehen . Dort hatte er ein Volk gesehen , das mit dem vollen Bewußtsein der Unhaltbarkeit der Regierung , gegen welche es sich auflehnte und mit dem vollen Verständniß der Situation in den Kampf zog - hier fand er die größte Unklarheit über die endlichen Ziele , und zum Theil die naiveste Unkenntniß in Betreff der gegenwärtigen Lage . Aber , sagte er sich , ist es doch nicht immer die freie , geistgeborene That , deren der Genius der Menschheit zu seinen Zwecken bedarf . Wirkt er doch auch in dem dunklen