Regierungsbefehle niemals zu viel amtliche Autorität und zu solcher niemals zu viel Mittel an die Hand geben könne , die bisherige Benennung Vogt aber die wahre Dignität und den großen Umfang ihres Amtes zu wenig ausdrücke , dieses vielmehr in seinem Wert , besonders gegen Fremde , um ein Großes herabsetze . So war auch der Vogt von Vaihingen an der Enz seit einem Jahre Oberamtmann geworden , als er eine Reihe von Protokollen mit dem folgenden begann : » Vayhingen . Actum den 7. Martii 1760 , vor dasigem Oberamt , in Gegenwart der beeden Gerichtsverwandten Mattheus Brechten und Joseph Luipoldten , als Urkunds-Persohnen . Gestern Abends , um ungefähr 5 Uhr , geschähe es , daß von dem Brucken-Thorwart , Christian Freppe , ein unbekannter Kerl , nachdeme ihm jener vorher die Pässe abgefordert , auf dem Pferdt sitzend , vor die Oberamtey geführt , und als er anfänglich von dem Oberamtsscribenten Heermann , und bald darauf auch von mir , dem Oberamtmann selbsten , unter dem Hauß gefragt wurde , wer er seye ? wo er herkomme ? und wohin er wolle ? darauff zur Antwort gab : daß er ein Crämer : von Pforzheim komme : bey dasigem Schwerdtwirth ein krankes Weib liegen habe , und nun , um einen Doktor zu consuliren , nacher Schozach oder Höfen reutten wolle ! da aber Oberamtmann , seiner ganz unverdächtig geschienenen Pässe ohngeachtet , ( deren 2 unter dem großen Stadtsigill von Straßburg , under dem 10. April und 14. Sept . 1759 , der dritte aber von Comburg und unterm 16. Januarii 1760 datirt und ausgefertiget waren ) eine gewieße Alteration an ihm wahrgenommen zu haben glaubte , und ihm deßwegen in faciem befahl , daß er absteigen und mit ihm in die Amtsstube heraufgehen solle , alsogleich das Pferdt umwandte und in vollem Galopp gegen dem Enzweihinger Thor zuritt , unter diesem Thor aber , auf das Rufen gedachten Scribentens , der ihn durch einen nähern Weg coupirt und mit ihm vor das Thor kam , von dem Pferdt abstieg , gegen den Schlosser Mathäus Brechten auf sein Zurufen : daß er ihm den Schmidhammer in Kopf werfe , wann er nicht halten würde ! eines seiner 2 unter dem Rock-Futher versteckt-gehabt-scharffgeladenen Pistöhlen hervorzog , solches , nachdem ihm Brecht hierauf auf den Leib sprang , und von hinten her umfasset , demselbigen an den untern Leib drückete , auch , nach seiner ungezweifelten Absicht , auf ihn abgefeuert haben würde , wo er nicht den Hahnen zu spannen vergessen , und durch Hülffe des bald darauff dazu gesprungenen Mezgersjungen , Schemels , und dessen Meisters , Leonhardt Arlets , überwältiget worden wäre . Nach diesem Vorgang wurde er in die Oberamtey geführet , stellte sich daselbst ganz betrunken , beklagte sich über das harte Tractament der Leuthe , die ihn beygefangen , und ließ weiter keine verständliche Antwortt von sich kommen , als daß er sagte , er sei ein kaiserlicher Deserteur , heiße Johannes Klein , die Pässe und das Pferdt gehören einem Mann , der ihm letzteres geliehen , etliche Stund vorausgegangen und heute früh bey Heilbronn Seiner erwartten werde ; Weil man nun über alles dieses nichts als : Kugeln , Pulver , Schwefelhölzlen , Feuerstahl , Stein , Zundel , ein Fingerlanges Wax-Kerzlen und ein hebräisches Wörterbuch bey ihm gefunden ; So wurde selbiger die Nacht über in dem Blockhaus auf das schärf feste geschlossen und angefesselt , anheute aber vorgeführet , und ihm oberamtlich zu erkennen gegeben , Daß er , allen Umständen nach , ein Räuber , Mörder , und einer der größesten Spitzbuben seye , der den Händen der Obrigkeit nimmer entgehen , und weiter nichts übrig haben werde , dann daß er , durch eine wahre Er- und Bekanntnuß seiner begangenen grosen Missethaten , seine Seele noch zu erretten suche , hisce praemissis aber befraget : Q. 1. Wie er heiße , woher und wie alt er seye ? - R. Er sehe nun schon , daß er in die Hände der Obrigkeit gefallen , wolle , durch Verläugnung seiner Persohn und begangenen Missethaten , seine Verschuldung vor Gott und der weltlichen Obrigkeit nicht noch gröser machen , seine Sünden unsrem Herrgott demüthiglich abbitten , den Landesfürsten um eine gnädige Strafe anflehen , und hiemit frei bekennen , daß er der sogenannte Sonnenwirthle seye , eigentlich aber Friedrich Sehwahn heiße , von Eberspach , Göppinger Amts , gebürtig , 31 Jahre alt und von Profession ein Mezger seye , auch nicht nur an dem sogenannten Fischerhanne zu Eberspach einen Mord begangen , sondern auch sich sonsten hie und da auff vielerlei Arth schwehrlich versündiget habe ; welches er alles gewissenhaft bekennen und darunter weder Seiner selbsten , noch derjenigen im Geringsten verschonen wolle , welche an seinen Verbrechen Theil gehabt , und zum Theil in Garlsruhe und Stein , Durlachischer Herrschaft , wirklich in Verhaft genommen seyen , und das um so mehr , als ihm sein so sündliches als elendes Lehen ( bei dem er unterdessen wenig gute Tage gehabt , auch von Hunger , Kälte , und seinen sich dabei gemachten Strapazen entsetzlich viel erlitten ) schon lange entlaidet , wie er dann aus diesem Grund nicht nur an den Durlachischen Beamten zu Stain , erst vor 8 Wochen , mit aigner Hand , unter dem Namen Gillch , ein weitläufiges Schreiben , so ihm auch vermuthlich richtig werde belüfert worden seyn , des Inhalts habe ergehen lassen , daß wann man ihm Gnade versprechen und erteilen wolle , er ihme , dem Herrn Beamten , auf etlichen Jahrmärkten eine damals in der Nähe geweßte Partie von sechzig Mann , so lauter Juden geweßt , und dann wiederum eine andere Partie Spitzbuben von eben so gros- oder noch gröserer Anzahl , welche sich dieß-und jenseits dem Rhein , bei Gannßheim , Moßhardt und Oberacherach , in den Wäldern auffhalten , und ihre besondere Hüttinen darinn haben , ohne allen Anstand in die Hände lüffern ,