daß es die Bäume nicht hören sollten , und schrie hinein : » Minchen Schlarbaum ! Sechzigtausend Thaler ! « Ein Mann in mittleren Jahren war während dieses Gesprächs in der Seitenhalle auf und ab gegangen . Walter hatte ihn bemerkt , ohne auf ihn zu achten . Der Fremde , sichtlich von einem Gedanken bewegt , hatte die Beiden kaum gesehen . Als der Pathe nach jener , wie er meinte , sehr feinen Insinuation rasch fortgeeilt war , hatte sich Walter in die Allee gewandt . Der Sonnenball versank gerade hinter den Brauhausbergen . Walter fasste an seine Brust und aus der wunden Tiefe , machte sich das Wort Luft : » Er war müde über Sklaven zu herrschen ! « Der Fremde war hinter einem Baum hervorgetreten . In seinem festen , aber zuweilen stürmischen Schritt hielt er , wie frappirt , inne . Auf Walters Gesicht schien der letzte volle Sonnenschein , der Fremde stand beschattet ; ein feingeschnittenes , charakteristisches Gesicht war noch zu erkennen . » Ein Hiesiger ? « fragte der Andere rasch . Die Frage war seltsam , es mochte auch ein Beamter sein , der den späten Besucher auf einem nicht erlaubten Wege ertappt zu haben glaubte . Walter antwortete eben so kurz . » Aus der Hauptstadt . « » Ein Angestellter ? « warf der Andere in derselben Art hin . » Ein freier Mann , « sprach Walter jetzt mit fester Stimme . Der Andere sah ihn groß an . Walter glaubte die Worte murmeln zu hören : » Das ist ja wunderbar . « Mehr hörte er nicht , denn Beide gingen an einander vorüber . Sie trafen sich zufällig noch einmal . Der Fremde hatte den Weg verfehlt , indem er einen Ausgang suchte , wo er nicht war . Walter wies ihn zurecht ; es war auch sein Weg . Der Fremde schien durch eine leichte Bewegung zu danken , ohne es für nöthig zu halten , ein Wort zu verlieren . So machte es wieder der Zufall , daß sie neben einander gingen . Der Fremde war wirklich ein Fremder in der Mark , wie sein Accent dem kundigen Ohr verrieth , aber seine Kleidung , obgleich nur ein einfacher blauer Rock , die Sicherheit seiner Bewegungen , das aristokratische Gesicht , verriethen den vornehmen Mann . Er blieb stehen und betrachtete einen Gegenstand , der auch Walters Auge fesselte - die Mühle auf dem Berge . Ihr Dach war vom letzten Abendscheine schwach angeröthet , ein träger Wind trieb die Flügel . Der Begleiter verstand die stumme Frage , die der Andere , über die Schulter blickend , an ihn richtete : » Ja , sie ist es . « Damit schien eine Verständigung eingetreten . » Also Einer doch ! « sagte der Herr im Weitergehen . » Wenn man sie kennte , würde man mehrere wissen , die auch Muth gehabt , « warf Walter hin . » Da man sie aber nicht kennt , so existiren sie nicht für die Geschichte , « entgegnete Jener . » Es existirt manches nicht in der Geschichte , was aber doch lebte . « » Was sich nicht geltend gemacht hat , lebt nicht , « entgegnete der Fremde scharf . » Es hat einmal vegetirt um zu faulen und Dung zu werden für Andere . « Walter entgegnete : » Der Müller von Sanssouei vor seinem König wird aber leben bleiben ; uns lebt er als Symbol , daß ein Rechtsbewusstsein auch damals im Volk war . « Er hatte das uns scharf betont . » Wir aber , « entgegnete der Andere , » sehen in dem Aufheben , das man von der einen Geschichte machte , nur das Bekenntniß , daß der eine Mann nur eine Ausnahme von der Regel war . « » Und wo ist die Regel , « fragte Walter , » nämlich im Deutschen Volke ? Ich setze voraus , daß wir Landsleute sind . « Der Fremde fixirte zum ersten Mal unsern Bekannten ; es war ein scharfer , prüfender Blick , aber ohne Härte . Die Antwort schien ihm nicht zu mißbehagen . » Das macht die Sache nicht besser hier , « sagte er . » Die Müller von Sanssouei haben in Preußen keinen Fortgang gehabt . « » Die Größe des Einen hat sie niedergedrückt . Das vergisst man so leicht im Auslande . « » Man wundert sich nur , warum sie nicht wieder aufgetaucht sind , nachdem sie von der Größe nicht mehr zu leiden hatten . Sie wiederholten vorhin die Worte des großen Königs , als Sie sich allein glaubten , warum machen Sie ein point d ' honneur draus , was Sie sich selbst bekennen , vor Andern zu verbergen ! Wo Sie Ihrer Schwäche sich bewusst sind , warum es nicht auch vor Andern gestehen . Das würde Vertrauen wecken . Wenn Sie sich den andern Deutschen gegenüber immer in Parade aufs hohe Pferd setzen , so verlangen Sie nicht die brüderlichen Neigungen , um die es doch Einigen , den Bessern unter Ihnen wenigstens , zu thun ist . Wir sind Alle schwach , aber wenn wir es uns gegenseitig eingeständen , würden wir auch die Mittel finden , um wieder stark zu werden . Das ist ' s was Sie vom übrigen Deutschland trennt , meine Herren Preußen . Uebrigens bin ich jetzt selbst Einer . « » Jetzt wird sich ' s zeigen ! « rief Walter animirt . » Was ? « » Daß wir eine Schwäche zu bekennen den Muth haben , eine Schuld gegen unsere deutschen Brüder durch die That auszulöschen . Preußen radirt den Baseler Frieden mit seinem Blute aus den Tafeln der Geschichte . « Die rauhe , heftige , fast dominirende Art , mit der der Fremde seine Aussprüche that , erweckten in Walter die Lust es in selber Art ihm wieder zu geben : » Ich hoffe