daß dieser eine ebenso reiche Einrichtung enthielt wie die großen Gemächer des Hauptgebäudes . Sogleich , wenn man das Innere des Portals betreten und links an der Loge des Portiers , rechts an der Wohnung des Hauptverwalters des Schlosses und sozusagen Haushofmeisters , Herrn Wandstabler , vorüber war , verwandelte sich der ganze Stil des Hauses . Der Treppenaufgang entsprach vielleicht noch dem Charakter des ursprünglichen Baues . Es waren zwei Aufgänge , die links oder rechts zu demselben Ziele führten . Aber die kostbaren Teppiche , über die man schritt , die Marmorstatuen , die auf dem Absatz der Treppen aufgestellt waren , die Form der das Gitter unterbrechenden Karyatiden , die über den Häuptern große vergoldete Laternen trugen , die Frescomalerei der Decke und die getäfelten Corridore , die man , oben angelangt , rechts und links sich ausbreiten sah , alle diese Verschönerungen gehörten der neuern Zeit an . Ebenso kostbar war die innere Einrichtung . Die alterthümliche Form der großen Zimmer war ganz verschwunden unter den Tapeten , Malereien und Stukkaturen im neuern Geschmack . Große Gemälde bedeckten die Wände , Tische mit Marmorplatten und vergoldeten oder bronzirten Füßen von Bildhauerarbeit , Consolen mit Statuen aller möglichen Auffassungen der Venus und Amor ' s und Psyche ' s , Gemälde , von denen viele ihrer allzusinnlichen Sujets wegen mit grünen Vorhängen bedeckt waren , große Kronenleuchter von Krystall , Teppiche , kostbare Ofenschirme , Das waren die Liebhabereien des alten Herrn , der hier über fünfzehn Jahre allein hauste und diese Pracht sich bei Denen , die er schalten und walten ließ , blindlings bestellte , ohne Rücksicht auf seine Mittel und ohne Rücksicht auf sein eigenes Verständniß . Es war ein wilder Krieger , der gleichsam im Felde gute Beute gemacht hatte und ein Halsgeschmeide fortgab , um , wie jener Kroat in Wallenstein ' s Lager , eine hübsche Mütze dafür zu erhandeln oder der um ein Halsgeschmeide , das gerade so und nicht anders sein sollte , soviel ausgab , als drei , viel werthvollere gekostet hätten . Was er irgend sah , mußte er kaufen . Er glaubte , sein Stand brächte Das mit sich und gerade , weil seine Fürstenschaft neu war , that er Alles , um an Glanz zu ersetzen , was ihr an Alter fehlte . In ' s Gelag hinein bestellte er bei Künstlern , die er bei Hofe hatte rühmen hören , Arbeiten , und wenn sie in seinen Sälen aufgestellt wurden zur Besichtigung der Kunstfreunde und der eleganten Welt , so machte er in dem Falle , daß schöne Damen kamen , selbst die Honneurs und war immer bei der Hand , Denen , die ihm besonders gefielen , Aufmerksamkeiten und kostbare Andenken auf eine , oft nicht feine , aber keineswegs verletzende Art aufzuzwingen . Ohne Bildung und geringen Verstandes , war er im höchsten Grade gutmüthig und gefällig . Dieser tapfre alte Herr brachte seine ganze mit Lorbeern geschmückte Veteranenzeit damit zu , kleine Galanterien zu treiben , von Boudoir zu Boudoir zu fahren , mit seiner Husarenuniform zu kokettiren und so lange des Tages den Heros der Jugendlichkeit und des galanten Ritterthums zu spielen , bis sich Abends wieder der alte Landsknecht in ihm regte und er dem Spiele , dem Glase , ja zuletzt der Bowle verfiel . Fürst Waldemar hatte eine Eigenschaft , die man eine positive Tugend nennen muß . Er war sehr reinlich . Noch jetzt , drei Monate nach seinem Tode , entdeckte man in seinem Palais überall die Spuren dieses einzigen Verschönerungsmittels , das eigentlich unmittelbar aus ihm selber , seiner angeborenen Natur , kam . Das war noch der alte Soldat , der die Sauberkeit und » Propreté « , wie er ' s nannte , über Alles schätzte . Er wußte vielleicht selbst nicht einmal , daß er mit diesem schönen Triebe der Reinlichkeit ein außerordentliches Verjüngungsmittel besaß und dadurch in der That den Damen gefällig erscheinen konnte . Sein halbweißer , nie gefärbter Bart mußte , wie er es nannte , appetitlich sein . Seine Wäsche wurde täglich gewechselt . In dem Seitengemache seines Pavillons hatte er ein Bad eingerichtet , voll Eleganz und Geschmack und nicht blos zum Staat oder Amüsement seiner Freunde , die die hier aufgehängten indiscreten Bilder und umstehenden kleinen Statuetten belachten , sondern zur wirklichen Stärkung seiner einst gewiß sehr schön gewesenen Gestalt . Noch jetzt zeigten sich alle Spuren dieses Cultus der Reinlichkeit . Für ein so großes Haus , dem eine weibliche Herrin seit Jahren fehlte , herrschte eine große Sauberkeit . Der Staub war überall gekehrt . Alles , was an Stoffen und Farben leicht von der Sonne litt , war verhangen , die Zimmerteppiche wurden noch immer gelüftet und nur sehr dünn war jene Sonnenstaublinie , die sich in jedem halbgeschlossenen , von der Sonne beschienenen Zimmer zeigt . Es war , als wenn noch immer des alten Fürsten Geist hier befehlend waltete , als wenn sich noch Alles beeiferte , seinen in diesem Punkte unversöhnlichen Zorn zu vermeiden . Die Dienerschaft des Hauses bestand noch jetzt aus einem Portier , drei Bedienten , einem Koch , einem Kutscher , zwei Reitknechten und dem Kastellan oder Haushofmeister , der , wie schon gesagt , Wandstabler hieß . Das Eigenthümliche aller dieser Menschen war , daß sie , außer dem pariser Koch , sämmtlich dem Militairstande angehört hatten . Es waren ehemalige Soldaten , blessirte , brave , gutempfohlene Unteroffiziere , Sergeanten , Feuerwerker , je nach ihrer Waffengattung . Wandstabler war bei denselben Husaren , deren Uniform der Fürst am liebsten trug , Wachtmeister gewesen und hatte ihm im Felde die treuesten Dienste geleistet , ja sogar mit Aufopferung des eignen Lebens einmal das seine beschützt . Wandstabler war dadurch zum eigentlichen Chef der ganzen Hausverwaltung des Fürsten allmälig avancirt . Keineswegs durch sein großes Rechnungstalent oder seine Ordnungsliebe oder seine nüchterne Aufmerksamkeit im Dienste , sondern lediglich durch die Erinnerung an die alten