war der leuchtende Gruß ihrer Augen ; - und die Marschallin konnte nicht hindern , daß ein flüchtiges Wort die unveränderte Gesinnung verrieth , welches Franziska , noch von leisen Hoffnungen genährt , anhören durfte . Aus dem Empfange , der Reginald von der ganzen Familie zu Theil ward , stieg eine unbeschreiblich zürnende , befürchtende Stimmung für die Marschallin auf ; und nach einer kurzen Ueberlegung mit dem Marquis de Souvré , der sie begleitet hatte , ließ sie den Vater Franziska ' s zu sich einladen . » Graf d ' Aubaine , « hob sie sogleich an - » ich habe Ihnen eine Entschuldigung zu machen , indem ich fürchten muß , daß Sie , bei der großen , unbedachtsamen Schwäche des Grafen und der verstorbenen Gräfin Crecy , für den jungen , unberufenen Menschen , den Sie Chevalier Ste . Roche nannten , mich beargwöhnen könnten , ich mache mich derselben theilhaft , indem ich seine Anwesenheit hier gut heiße . - Dem ist indessen nicht so . Ich habe diesen jungen Menschen , der gar keine Anrechte hat , sich in unsern Zirkel zu drängen , nicht allein stets so behandelt , wie es mir zukam , sondern auch jetzt darauf gedrungen , daß er sich hier nicht abermals in Ihr Haus eindränge und ihm der Befehl entgegen geschickt werde , direct nach Paris zu gehen . Der junge Mensch giebt indessen vor , diesen Befehl nicht erhalten zu haben , was ich genöthigt bin zu glauben , da es mein Enkel bestätigt ; so ist seine Anwesenheit zu erklären , und hoffentlich rechnen Sie mir diese unpassende Gesellschaft nicht ferner zu . « » Ich bin nicht wenig erstaunt , meine Gnädigste , « erwiederte Graf d ' Aubaine mit wirklicher Unruhe , » eine solche Erklärung über einen jungen Mann zu hören , den ich , wegen der Vorzüge , die man ihm in Ihrer Familie gestattete , allerdings durch seine Geburt für dazu berechtigt hielt . Ich kann nicht läugnen , daß ich es nicht ganz zu entschuldigen weiß , daß Graf Crecy mir darüber nicht früher einen Wink gab ; da ich ohne Zweifel seine Verhältnisse zu uns alsdann vorsichtiger gestellt haben würde . Doch sagen Sie mir , Frau Marschallin , wer ist dieser junge Mann ? « » Das mag Gott wissen , « sprach die Marschallin entschlossen ; - » irgend ein Findling , ein Sprosse unerlaubter Verbindung , über die meine Schwiegertochter oder mein Sohn Grund zu schweigen hatten . Sie wissen , daß Beide voll überspannter Ansichten waren . - Anstatt aus einer so dunkeln Kreatur einen Kammerdiener meines Enkels zu bilden , zogen sie es vor , einen Spielkameraden daraus zu machen , ihn endlich erziehen zu lassen , als habe er Ansprüche , und die Unschicklichkeit hinzu zu fügen , ihn zu den Gesellschaftskreisen ihres Sohnes zu erheben . « » Ich gestehe , « sagte Graf d ' Aubaine , aus mehr als einem Grunde gekränkt - » daß ich dies eben so wenig , wie Euer Gnaden billigen kann . Der junge Mensch selbst wird diese Ueberhebung zu büßen haben ! Er ist jetzt in dem Alter , wo seine Berechtigungen geprüft werden , und es ihn dann sehr überraschen wird , sie in Nichts zerfallen zu sehen . « » Mag er denn die Strafe seines Uebermuthes tragen , « erwiederte die Marschallin kalt , » wenn wir nur unsere Gesellschaft gegen solche Befleckungen rein erhalten ! Ich würde ihm befehlen , augenblicklich nach Paris abzureisen , wenn ich nicht dadurch gezwungen würde , von meinem bis jetzt gegen ihn befolgten Systeme , ihn überhaupt nie zu bemerken , abzugehen ; denn bis jetzt habe ich seine usurpirte Gegenwart noch durch keinen Blick , oder gar durch Worte anerkannt . - Da der Aufenthalt meines Enkels überdies nur zwei Tage dauern kann , weil die Zeit der großen Präsentation in Versailles damit herangerückt ist , so denke ich , beachten wir , wenn Sie bis dahin diesen Mißgriff zu lenken übernehmen , seine Gegenwart nicht ; und in Paris , bei der Stellung , die der junge Graf dort einnehmen wird , müssen sich ihre Wege von selbst trennen , und wir werden diesem Menschen nicht mehr begegnen . « » Wie , « rief der Graf d ' Aubaine , » nur so kurze Zeit wird die Anwesenheit des Grafen Crecy dauern ? Wissen Sie wohl , meine Gnädigste , « fügte er lächelnd hinzu - » daß wir bis dahin noch Viel zu thun haben ? « » So scheint es , mein lieber Graf , « erwiederte die Marschallin geschmeichelt ; - » und da ich Sie nicht mißverstehen kann und als Repräsentantin des Werbenden billig zuerst reden muß , so wollen wir uns , wenn es Ihnen beliebt , zur Gräfin d ' Aubaine begeben - ich will dort meinen Vortrag halten . « Er bot ihr den Arm , und Beide begaben sich , völlig eines Sinnes , zu dieser so wichtigen , so entscheidenden Zusammenkunft , die das Lebensglück zweier Menschen bestimmen sollte , ohne daß man ihrer Ueberzeugung nachgefragt hätte . Dem Grafen d ' Aubaine kam in der That nach dem , was er so eben vernommen , kein Zweifel über die Stellung ein , die er allein noch für passend halten konnte ; denn indem wir ihm das Zeugniß des besten Menschen und Vaters geben müssen , konnte er doch unmöglich seiner Zeit so entwachsen sein , um durch persönliches Verdienst den Standesunterschied für ausgleichbar halten zu können . Er fühlte mit Unwillen den Mißgriff , diesen jungen Mann ohne voran gegangene Sicherheit so nahe gezogen zu haben und dachte mit väterlicher Liebe daran , Franziska die Last der Beschämung zu erleichtern , die es ihr , wie er voraussetzte , machen mußte , wenn sie erfuhr , wie unberechtigt der Gegenstand war , dem sie Einfluß auf ihr Gefühl zugestanden hatte