in dieser Zwischenzeit war eine emsige Geschäftigkeit der Frauen bemerklich , und als der Tag der Abreise erschien , erstaunte der Graf über die Menge der Schachteln , Kartons und Körbchen , die er mitnehmen sollte , welche die Geschenke für die junge Mutter und den Neugebornen enthielten , die die Freundinnen sendeten . Ich bin doch oft , sagte der Graf lächelnd , mit Frauen gereist und habe es immer unwahr gefunden , wenn sie beschuldigt werden , so unermeßlich viele kleine Bedürfnisse in kleinen Behältern mit sich zu führen , daß sich das Reisen mit ihnen leicht in eine Qual verwandeln könne , und nun soll ich allein reisen , und werde zum ersten Mal so mit Schachteln und Körben umgeben , daß es nur Dübois Genie möglich sein wird , dieß alles so zu ordnen , daß noch ein völlig erwachsener Mensch Raum daneben im Wagen findet . Ist es nicht ungerecht , sagte die Gräfin lächelnd , die kleine Beschwerde nicht ertragen zu wollen ? Hat uns nicht selbst , wie wir das Leben bewußtlos und hülflos betraten , die liebende Sorge zärtlicher Freunde begrüßt ? Liegt nicht etwas Rührendes darin , wenn wir uns vorsorgend um ein neugebornes Wesen beschäftigen , so daß alles bereit ist , dessen es in der Zukunft in seiner Hülflosigkeit bedarf ? Ich wenigstens kann mir nichts Traurigeres denken , als wenn der Mensch schon beim Beginne seines Lebens Liebe und Theilnahme entbehrt . Wohl , sagte der Graf ernsthaft , ich werde dem Neugebornen die Geschenke überbringen und ihm nichts von dem entziehen , was sein aufdämmerndes Leben verschönern soll und ihn doch oft nur quält , indem Mutter und Amme ihn mit Dingen zu putzen streben , die er gar nicht zu würdigen versteht . Dübois hatte während dieser Unterredung Alles geordnet , und der Graf fand zu seiner eigenen Verwunderung für Alles hinreichenden Raum in dem vorgefahrnen Wagen , der ihn bald aus dem Gesichtskreise der Frauen entführte und den Bergen entgegen rollte , die den alten Sitz seiner Ahnen umgaben . V In Hohenthal herrschte die reinste Freude . Mit lautem Entzücken wurde der Graf bei seiner Ankunft von seinem ihm entgegen eilenden Vetter begrüßt , und an der Thüre des Saales empfing ihn der Obrist , der ihm auch hatte entgegen gehen wollen , aber seine vom Alter geschwächten Kräfte waren nicht mehr hinreichend zur eiligen Bewegung . Er streckte dem Grafen die zitternden Arme entgegen , der gleich bei der Begrüßung bemerkte , daß der Greis in dem letzten Jahre , seit er ihn nicht gesehen , sich mit starken Schritten dem Grabe genähert habe , und ein Blick auf den Arzt , der sich im Saale befand und von dem Obristen unbemerkt leise die Schultern zuckte , bestätigte die schnell gemachte Bemerkung . Der Graf sendete der jungen Mutter alle mitgebrachten Geschenke und ließ ihr seine Ankunft melden , weil er durch keine Ueberraschung ihre Gesundheit in Gefahr bringen wollte . Der Arzt übernahm vorsichtig selbst die Anmeldung , und der Graf erneuerte gegen den Obristen seine freudigen Glückwünsche . Der Herr hat mir alles gegeben , sagte der Greis , um was ich in ängstlichen Stunden inbrünstig flehte ; mein Kind ist erhalten und Gott hat ihr einen Sohn geschenkt , an dem sie so viel Freude und Trost erleben möge , wie sie mir selber gewährt hat . Er hatte , indem er diese Worte sagte , die vor Alter zitternden Hände gefaltet und richtete den thränenfeuchten Blick nach oben . Der Graf betrachtete gerührt die hinfällige Gestalt , und Graf Robert , der den Blick verstand , drückte mit trauriger Miene die Hand seines Oheims . Der Arzt kam zurück und meldete , die junge Frau Gräfin sei zum Empfange des Herrn Oheims bereit , und die Männer begaben sich nach den inneren Zimmern . Es war dem Grafen wunderbar zu Muthe , als er das ehemalige Schlafzimmer seiner Gemahlin betrat , und mit annmuthiger Gebehrde und holdseligem Lächeln die liebliche Therese , den neugebornen Sohn in den Armen , ihm entgegentrat . Sie wollte ihn anreden , doch die heilige Rührung der ersten Mutterliebe machte , daß ihr die Stimme versagte . Sie reichte ihm das Kind entgegen und der Graf , von Gefühl überwältigt , neigte sich herab und drückte einen leichten Kuß auf die unschuldige Stirn des dem Leben bewußtlos entgegen schlummerden neuen Bürgers der Erde . Indem seine Lippen das zarte Kind berührten , zuckte das schmerzliche Gefühl durch seine Brust , daß der Himmel ihm das höchste menschliche Glück versagt habe , und er wendete sich ab , um dieß Gefühl nicht bemerken zu lassen . Der Graf Robert wollte seinen Sohn der Mutter aus den Armen nehmen , weil er jede Anstrengung für sie noch für zu angreifend hielt , aber die Frau Professorin trat hervor und vereitelte seine Absicht . Es geht nicht an , sagte sie ziemlich trocken , daß Sie mit dem Kinde so viel herum handthiren . Bloß deßhalb sind die ältesten Kinder so oft nervenschwach , weil die jungen Eltern mit ihnen wie mit einem Spielzeuge umgehen . Ein Kind muß vor allen Dingen Ruhe haben und in den ersten sechs Wochen seines Lebens nichts anderes thun , als Nahrung nehmen und schlafen , dann werden gesunde Menschen daraus . Während dieser Rede hatte sie den Neugebornen zur Ruhe in sein Bettchen gebracht , und nun erst richtete sie ihre tiefste , ehrerbietigste Verbeugung an den Grafen , die dieser höflich erwiederte , ohne indeß sein begonnenes Gespräch mit der Mutter des Grafen Robert abzubrechen , der er sich , indeß die Frau Professorin sprach , hatte vorstellen lassen . Diese schüchterne , sanfte Frau hatte ihr Leben ohne alle Freude verblühen sehen ; ihre Jugend war im Hause ihrer Eltern aus Mangel an Liebe traurig dahingeschwunden , Ihr Vater dachte nur an Handel und Gewinn , und nur sein Stolz verband sie mit dem Grafen , den er