ob es nicht zu eröffnen sei . Sie setzte die Spitze des Mineralienhammers in die Klappe , und da das Holz in der gewaltigen Hitze eingetrocknet war , so mochte die Klappe leicht aufspringen . Ungeduldig griff sie nach Papier , Feder und Tintefaß , sie fand alles und wollte die Klappe eben zulehnen , als eine Masse aufgeschichteter Papiere , denen sie die Unterlage genommen , herausfiel . Aufgebracht über die Nachlässigkeit des jungen Menschen , der ihr so viele unnütze Mühe gemacht , griff sie in die Masse und drückte sie hinein , als ihr etwas unnatürlich Kaltes die Finger berührte , sie sah hin und fand , daß jenes Bildnis in Gold gefaßt , das sie in jener Nacht dem beglückten Freunde zurückgelassen , wieder in ihre Hände gefallen sei . Erst glaubte sie einen Diebstahl zu entdecken , aber wie sie die Papiere in wilder Hast durchlas , deren jedes eine Feier jener Nacht , ein Lobpreisen des beglückenden Zufalls und der täuschenden Dunkelheit war , da stand in einem Augenblicke die ganze Wahrheit vor ihr , sie durchdrang das Unselige der Begebenheit und der wilde Geist , der ihre Seele lange von fern umlagert , und immer enger bedrängt hatte , zog als Herrscher ein und stellte sich triumphierend auf die höchste Zinne . Mitten in dem Ekel gegen den Mißbrauch ihres Leibes und ihrer zutraulichen Seele , der ihr Inneres empörte , fühlte sie deutlich , wie sie jede Äußerung des Grafen so falsch gedeutet , wie nun alles seine Reden , sein Betragen , einen verständigen Zusammenhang gewinne , was ihr bisher rätselhaft geschienen ; nur der Abschied am Morgen blieb ihr fremd , aber sie fühlte wohl , daß auch etwas Unbedeutendes hinter dem kleinen Geheimnisse für seine Frau verborgen sein könnte , sie fühlte den Grafen seiner Frau unauflöslich verbunden , auf ewig von sich getrennt . Ihre letzte Liebe erlosch ohne Tränen in der Wut , in der Rache , die jetzt ihre ganze Seele geißelte . Ruhig glaubte sie zu überlegen und sie war außer sich , ihre Augen rollten umher , und suchten nach Waffen , aber alles war da so friedlich von wissenschaftlichen Sammlungen umstellt . Die Sonne strahlte ihre grimmigen Glutpfeile ins Zimmer und machte sie immer geduldloser . So blickte sie umher , und bemerkte mit starrer Freude auf einer der Schubladen voll Mineralien den Totenkopf gemalt , der , wie wir uns erinnern , den Leichtsinnigen gegen eine Menge giftiger Metallkalke warnen sollte . Begierig griff sie danach , und fand sich so reich , als dieser Schatz in ihren Händen , sie eilte damit auf ihr Zimmer . Da stand noch der edle Tränenwein in dem Becher eingeschenkt , wie ihn der Graf am Morgen ungeleert hatte stehen lassen , und sie mischte den edlen Sonnenwein , der zu dem Dienste des Herrn bestimmt war , mit den Schrecken der Unterwelt , welche Habsucht und Neugierde der Menschen töricht ans Licht fördert . An den strengen Vater , der ihr den Becher geschenkt , dachte sie jetzt bis an ihr Ende , seine Natur trat jetzt in ihr ganz hervor , ihr Entschluß war gefaßt , er hätte eben so gehandelt , denn so war der Sinn seiner Gerechtigkeit , in der sie ihre Rache erdachte . Der Schreiber war mit seiner Jagdflinte weit umher geirrt , er war kein eigentlicher Jäger , er hatte erst unter der Anleitung des Grafen seine Flinte laden und abschießen gelernt und begnügte sich damit , kleine Vögel , die zum Auffliegen nicht Lust hatten , zu beschleichen und meist zu verfehlen . An dem Tage geschah es ihm , daß er einer Nachtigall von Baum zu Baum nachfolgte , bis er sie zum Schuß gebracht hatte , da ergriff ihn ein wunderliches Mitleid , er setzte das Gewehr ab , die Nachtigall schlug freudig und er sang : Sing Vöglein , das den Zweig bewacht , Ich leg nicht an zum Schießen , Du singest mir von guter Nacht , Du mußt mein Liebchen grüßen : O könnt ich mich so singen aus , Sie müßt es einmal hören , Sing Nachtigall hier ohne Graus , Ich will dich nicht mehr stören . So weich wie deine Federlein Bin ich von süßen Wehen , Ich gehe in den Wald hinein , Mag doch kein Blut mehr sehen . Ein Tränlein auf das Pulver fällt , Und löschet alles Feuer ; Dir Nachtigall , bin ich gesellt , Und traure in der Feier . Nun dachte er , wie es ihm noch so wunderbar gehen könnte ; die Gegend war so fremd , wohin er sich verirrt hatte , daß ihm viele Märchen seiner Jugend einfielen , von Elfenköniginnen , die sich bei schönen Mondscheinnächten in Jünglinge verliebten und sie zu sich hinaufzogen , das waren aber alles Ritter , kein Schreiber war darunter . Hier fiel ihm Eginhard , Karls des Großen Schreiber ein , wie den des Kaisers Tochter auf den eignen Schultern durch den Schnee getragen . In angenehmen Träumen verlor er sich über den Kreis der Wahrscheinlichkeit , er sah sich an der Seite der Fürstin als Herrscher des Landes , ließ alle seine Liebhabereien mitregieren , sammelte Säle voll alter Marmorinschriften , voll alter Handschriften ; ein kleiner schwarzer Hirtenknabe erweckte ihn , indem er sich zu ihm setzte , mit seinen Ziegen viel zu reden hatte , und zuletzt ein heitres Lied sehr spöttisch sang : Es war ein alter König , Der hat ' ne schöne Magd , Da freut er sich nicht wenig , Weil sie ihm wohl behagt . Er läßt die Ritter laden , Zu seinem Hochzeitfest . » Es wird dir wahrlich schaden ! « Spricht einer seiner Gäst . Da sprechen sie gleich alle : » Wir bleiben dir nicht treu , Wenn du uns aus dem Stalle Die Kön ' gin holst herbei . « Er nimmt vom Haupt die Krone , Er sieht