In das rote , überpuderte Gesicht der Prinzessin schlich sich ein weicher , gerührter Ausdruck . » Das war hübsch ausgedrückt , Trinette , « sagte sie leise mit einer wunderlichen Bewegtheit in der Stimme . Gleich darauf aber meinte sie kühler und ein wenig ironisch : » Es versteht sich von selbst , daß die Liebeleien der jungen Mädchen von Stand immer unschuldig sind . Warum sollte deine Nichte allein eine Ausnahme gemacht haben ? « » Ich kenne meine Nichte , « versicherte Trinette , » so gut , wie ich meine teure Hoheit zu kennen mich unterfange . « Da brach die Hoheit in ein unmotiviertes , helles Gelächter aus . » Du kennst mich , Trmette ? Sehr gut ! Sehr gut ! Du kennst mich wirklich durch und durch ? ... Nun , lassen wir das ! – Es ist nur eine Fatalität zu bedenken : deine Nichte war damals im Haus des Oberforstmeisters von Leuchtenberg zu Besuch . Soviel ich weiß , schickte Frau von Leuchtenberg die junge Kosegarten mit Protest nach Hause zurück , weil die Kammerjungfer oder der Bursche , oder – que sais je – weil irgend jemand von den Leuten das Fräulein einmal im Stall bei den Pferden des Grafen getroffen haben soll . Mon Dieu , bei den Pferden ... « Die Prinzessin kicherte . Auch Trinette lachte ärgerlich . » Graf Kessenbrock hatte ja damals seinen Rennstall längst aufgegeben . Dies alles stimmt nicht im mindesten . Es war die Zeit , wo der Graf bereits unter Kuratel gestellt wurde , « beteuerte sie lebhaft . Die Prinzessin legte ihre beiden Hände zusammen , senkte den Kopf auf die Brust und blickte ihre alte Hofdame von unten herauf lustig spöttisch an . Sie sah beinahe klug aus in diesem Augenblick , die Prinzessin Karoline . » Tres bien , halten wir das fest ! Der Rennstall des Grafen Kessenbrock war bereits aufgelöst . – Aber die Tatsache bleibt bestehen : Frau von Leuchtenberg hat das junge Mädchen ihren Verwandten zurückgeschickt , und Frau von Leuchtenberg ist seit kurzem Oberhofmeisterin bei meiner jungen Schwägerin . Das ist sehr , sehr schade ! « » Hoheit sind doch wohl in der Lage , sich Ihre Hofdame nach eigenem Willen aussuchen zu dürfen , « bemerkte Trinette scharf und überredend . » Ach , « klagte die Prinzessin , » ich wäre wohl in der Lage , aber man redet mir doch sehr viel dringender zu , die Gräfin Audorf zu engagieren ... « » Eine entsetzliche , verfettete Person die Audorf ... Unmöglich ! « rief Trinette empört . » Hoheit brauchen Jugend , Frische , Munterkeit in Ihrer Umgebung ! « » Man gönnt es mir nicht , Trinette , man gönnt es mir nicht ! O , meine Trinette , jene Wiener Tage ! – Ich muß mich gegen die Dame mit meinem Bruder , dem Herzog , verbünden ! Er mag die Fetten auch nicht . Und dann wünscht er den Kosegartens auf diese Weise gefällig zu sein . « » Und in anderer Weise ... ? « warf Trinette lauernd ein . » Ist leider wenig Neigung vorhanden , meine Beste ! « » O , « rief Trinette , und ihr lederfarbenes Gesicht brachte es fertig , vor Erregung zu erröten , » das dürfen Hoheit mir nicht sagen ! Soll dieses Gut , das sechshundert Jahre in der Familie war , unter den Hammer kommen ? Soll eine alte Familie , die ihrem Fürstenhause so treu ergeben ist , außer Landes gehen ? « Die Prinzessin wehte sich mit dem Fächer , auf dem ein spanisches Stiergefecht abgebildet war , Kühlung zu . » Der Eßsaal in Nassenstein ist neu hergerichtet , Weiß mit Gold . Nett , sehr nett ! Tiefe Ebbe in der herzoglichen Kasse . Und meine Schwägerin hat neuerdings die Anschauung , es hindere den Verkehr mit adligen Familien des Landes , wenn sie ihnen Geld borge ; sie könne dann nicht mehr mit ihnen an dem gleichen Tisch essen . Ich muß gestehen , diese moderne Sensibilität ist mir fremd . Ich könnte ruhig weiter mit meiner Schwägerin am selben Tisch essen , wenn sie mir aus meinen pekuniären Verlegenheiten geholfen hätte . Das sind übertriebene Anschauungen – gar nicht nett , gar nicht nett ! « Die Prinzessin erhob sich aus dem niedrigen Lehnstuhl , um sich wieder ihren Gastgebern zuzuwenden . Trotz ihrer natürlichen Güte verstand sie es , in fürstlicher Weise ein Gespräch , das ihr unbequem wurde , zur rechten Zeit abzuschneiden . In diesem Augenblick geschah etwas ganz Unerwartetes . Durch das geöffnete schmiedeeiserne Tor brauste fauchend und stampfend ein rotlackiertes Automobil , lenkte in elegantem Bogen um den Kiesplatz und hielt vor der Rampe . » Mon Dieu , lieber Kosegarten , « rief die Prinzessin freudig erregt , was bekommen Sie für mondänen Besuch ! « » Das kann nur ein Käufer für Rauschenrode sein ! « entfuhr es Frau Marie , die sich bisher fast unhöflich still verhalten hatte . Eine gewisse Spannung ergriff die ganze Gesellschaft . Kosegarten näherte sich der Freitreppe , die durch wenige Stufen die Verbindung zwischen ihm und diesem rätselhaften Besuch darstellte . In dem Automobil erhob sich ein Herr , den eine Schutzbrille , Lederkappe und Gummimantel gänzlich verhüllten . Seine und des Chauffeurs Kleider und überhaupt die ganze Maschine waren von so dicken Staublagen bedeckt , daß man sah , die Fahrt mußte weit gewesen sein . Der Herr öffnete mit schnellem Griffe die Tür , sprang im Augenblick , als das Automobil hielt , mit geschicktem Satz hinaus , eilte die wenigen Stufen hinan , legte Kosegarten beide Hände auf die Schultern und sagte mit einer Stimme , die allen plötzlich erschütternd bekannt war : » Papa , ich darf doch wiederkommen ? « Obwohl Kosegarten darauf vorbereitet war , seinen Sohn am heutigen Tage noch wiederzusehen , überwältigte ihn doch dessen plötzliches