. » Da jagt er hin , « sagte Witold , halb grollend und halb schon wieder voll Bewunderung über seinen Pflegesohn . » Sehen Sie nur , wie der Junge zu Pferde sitzt , wie aus Erz gegossen ! Und es ist doch wahrhaftig keine Kleinigkeit , den Normann zu bändigen . « » Waldemar hat eine eigene Vorliebe , stets nur junge , wilde Pferde zu reiten , « meinte der Doktor ängstlich . » Ich begreife nicht , weshalb er sich gerade den Normann zum Liebling ausersehen hat . Es ist das unbändigste und widerspenstigste Tier im ganzen Stalle . « » Ebendeshalb ! « lachte der Gutsherr . » Sie wissen ja , er muß etwas zu bezwingen und zu bändigen haben , sonst macht ihm die Sache keinen Spaß . Aber nun kommen Sie , Doktor ! Wir wollen Ihre Mission überlegen ; Sie müssen die Sache diplomatisch anfangen . « Damit ergriff er den Doktor beim Arme und zog ihn zum Sofa . Der arme Fabian folgte geduldig . Er hatte sich in alles ergeben und sagte nur halblaut mit kläglichem Ausdrucke : » Ich ein Diplomat , Herr Witold ? daß Gott erbarm ! « – Die Baratowskische Familie hatte von jeher nur wenig Anteil an dem Badeleben von C. genommen , und seit der letzten Zeit zog sie sich noch mehr als sonst davon zurück . Waldemar fand sie bei seinen jetzt so häufigen Besuchen stets unter sich . Graf Morynski war schon nach wenigen Tagen wieder abgereist ; es war allerdings seine Absicht gewesen , seine Tochter sogleich mit sich zu nehmen , aber die Fürstin fand , daß ein längerer Aufenthalt an der See für Wandas Gesundheit ganz unbedingt notwendig sei und wußte ihren Bruder zu bestimmen , daß er in die verlängerte Trennung willigte . Er hatte sich dem Wunsche der Schwester gefügt und war vorläufig allein nach Rakowicz zurückgekehrt , wo geschäftliche Angelegenheiten seine Gegenwart erforderten . Der junge Nordeck hatte trotz der Mittagshitze den Ritt in stürmischer Eile zurückgelegt und trat jetzt in das Zimmer der Fürstin , die er an ihrem Schreibtische fand . Wäre Leo so glühend erhitzt bei ihr eingetreten , sie hätte sicher ein Wort der Sorge oder der Ermahnung für ihn gehabt , Waldemars Aussehen blieb , wenn auch nicht unbemerkt , doch gänzlich unerwähnt . Es war eigentümlich , daß auch jetzt , wo Mutter und Sohn sich doch so häufig sahen , nicht die geringste Vertraulichkeit zwischen ihnen Wurzel fassen wollte . Die Fürstin behandelte Waldemar stets mit der äußersten Rücksicht , und er bemühte sich , sein schroffes Wesen ihr gegenüber zu mäßigen , aber es lag auch nicht die leiseste Spur von Herzlichkeit in diesem beiderseitigen Bemühen , ein gutes Einvernehmen aufrecht zu erhalten . Sie konnten nun einmal nicht über die unsichtbare Kluft hinweg , die zwischen ihnen lag , wenn eine fremde Macht sie auch für den Augenblick überbrückt hatte . Die gegenseitige Begrüßung war genau so kühl , wie beim ersten Wiedersehen , nur daß Waldemars Augen jetzt unruhig fragend im Zimmer umherschweiften . » Du suchst Leo und Wanda ? « fragte die Fürstin . » Sie sind bereits unten am Strande und wollen dich dort erwarten . Ihr habt ja wohl eine Segelfahrt miteinander verabredet ? « » Jawohl ! Ich werde sie sogleich aufsuchen . « Waldemar machte eine hastige Bewegung nach der Thür , aber die Mutter legte ihre Hand auf seinen Arm . » Zuerst möchte ich dich für einige Minuten in Anspruch nehmen . Ich habe etwas Wichtiges mit dir zu besprechen . « » Kann das nicht später geschehen ? « fragte Waldemar ungeduldig . » Ich möchte doch vorher – « » Es liegt mir daran , dich allein zu sprechen , « unterbrach ihn die Fürstin . » Du kommst noch immer zeitig genug zu der Fahrt . Ihr werdet sie wohl um eine Viertelstunde verschieben können . « Der junge Nordeck sah bei dieser Zumutung äußerst unzufrieden aus und folgte nur mit offenbarem Widerstreben der Einladung zum Niedersitzen . Von Aufmerksamkeit schien bei ihm vorläufig keine Rede zu sein , denn sein Blick schweifte fortwährend durch das Fenster , in dessen Nähe er saß , und das nach dem Strande hinausging . » Unser Aufenthalt in C. naht sich seinem Ende , « begann die Fürstin . » Wir werden wohl bald an die Abreise denken müssen . « Waldemar machte eine Bewegung , die fast Schrecken verriet . » Schon jetzt ? Der September verspricht ja schön zu werden ; weshalb willst du ihn nicht hier verleben ? « » Das kann ich Wandas wegen nicht . Ich kann meinem Bruder nicht eine noch längere Trennung von seinem Lieblinge zumuten . Er hat schon ungern und nur auf meinen besonderen Wunsch in ihr Hierbleiben gewilligt , dafür habe ich ihm aber auch versprochen , sie selbst nach Rakowicz zu bringen . « » Rakowicz liegt ja wohl nicht weit von Wilicza ? « fragte Waldemar rasch . » Nur eine Stunde entfernt , etwa halb so weit , wie Altenhof von hier . « Der junge Mann schwieg , er sah wieder angelegentlich durch das Fenster . Der Strand schien ihn heute außerordentlich zu interessieren . » Da wir gerade von Wilicza sprechen , « warf die Fürstin leicht hin , » du wirst doch jetzt , nach erreichter Mündigkeit , deine Güter selbst antreten ? Wann gedenkst du dorthin zu gehen ? « » Es war für nächstes Frühjahr bestimmt , « sagte Waldemar zerstreut und immer mit seinen Beobachtungen beschäftigt . » Ich wollte den Winter über noch bei dem Onkel bleiben . Das wird sich aber jetzt wohl ändern , da ich beabsichtige , auf die Universität zu gehen . « Die Mutter neigte zustimmend das Haupt . » Das ist ein Entschluß , dem ich nur meinen vollen Beifall geben kann . Ich habe dir nie verhehlt , daß ich