ja bereits , daß ich aus Berlin stamme . « » Um so mehr ! Es gehört ein sehr – beschaulicher Charakter dazu , einen solchen Aufenthalt für die Lebenszeit zu wählen , denn Ihre Stellung hier ist doch wohl eine dauernde ? « Das Lächeln in dem Antlitz Raimars erlosch , und die alte Düsterheit legte sich wieder darüber , als er mit aufquellender Bitterkeit fragte : » Glauben Sie , daß man freiwillig in die Verbannung geht ? Doch ich fürchte , gnädiges Fräulein , da kommen wir wieder auf den Streitpunkt , der uns schon einmal entzweit hat . Ich denke , wir lassen ihn ruhen . « Er brach ab , zum großen Mißvergnügen Ediths , für die das Gespräch jetzt wieder etwas von dem seltsamen Reiz gewann , der sie damals im Walde so gefesselt hatte , wenn sie es sich auch nicht eingestand . Der Mann war ihr jetzt , wo sie seinen Namen und seine Lebensstellung kannte , fast noch rätselhafter als früher . Da erschien Marlow , der sich in den Gartensaal zu der Gesellschaft begeben wollte , auf der Terrasse . Er stutzte beim Anblick des Herrn , der dort im Gespräch mit seiner Tochter stand , und kam dann langsam näher . Ernst Raimar hatte sich umgewandt . Er wußte doch zweifellos , daß er den Onkel der Frau von Maiendorf diesmal in Gernsbach treffen werde , trotzdem schien ihm dies Zusammentreffen peinlich zu sein . Marlow streifte ihn mit einem langen , erstaunten Blick und schien seiner Sache nicht ganz sicher zu sein , denn es lag eine Frage in seiner Anrede : » Wenn ich nicht irre – Herr Notar Raimar ? « Dieser verneigte sich zustimmend . Der Bankier schien einen Augenblick zu zögern , dann reichte er ihm die Hand . » Ich wußte bereits durch Ihren Bruder , daß Sie sich in Heilsberg niedergelassen haben . Wir haben uns lange nicht gesehen , Sie kommen ja nie nach Berlin . « In dem Antlitz Raimars stieg eine jähe Glut auf , die ebenso schnell wieder verschwand , und sein Auge suchte den Boden , als er antwortete : » Mein Amt läßt mir wenig Zeit übrig , ich muß mir das Reisen größtenteils versagen . « » Du kennst Herrn Raimar , Papa ? « fragte Edith , aufs höchste erstaunt . » Jawohl , mein Kind , aber unsere Bekanntschaft liegt ziemlich weit zurück . – Sie haben einen sehr begabten Bruder , Herr Raimar , er wird Ihnen noch Freude machen mit seinem Talent . Der junge Mann ist ja oft ein Gast unseres Hauses , « und damit ging der Bankier gänzlich auf Max über und sprach so ausführlich über ihn und sein Talent , wie er es noch nie gethan hatte . Edith hörte mit steigendem Befremden zu . Sie fühlte deutlich , daß ihr Vater , der sonst wenig Notiz von dem jungen Maler nahm , mit diesem Lob über irgend etwas anderes hinwegkommen wollte , und sie bemerkte auch die eigentümliche Unsicherheit Raimars . Wo war die überlegene Haltung geblieben , mit der er ihr noch vor wenigen Minuten gegenüberstand ? Er schien förmlich aufzuatmen , als jetzt die kleine Lisbeth gelaufen kam , um die Säumigen zu holen . Drinnen am Theetisch entspann sich eine sehr lebhafte und anregende Unterhaltung , bei der Major Hartmut die Hauptrolle spielte . Max machte zwar , seinem Programm getreu , einige krampfhafte Versuche , » sich in den Vordergrund zu stellen « , aber der Major drängte ihn völlig in den Hintergrund . Hartmut hatte stets in großen Garnisonen gestanden und auch sonst viel gesehen und erlebt . Er wußte sehr lebendig und anschaulich zu schildern , und obgleich er sich vorzugsweise an Frau von Maiendorf wandte , fesselte er doch die ganze Gesellschaft mit seinen Erzählungen . Auch Marlow hörte mit Interesse zu und fand offenbar Vergnügen an der neuen Bekanntschaft . Als man endlich aufstand , schlug Wilma einen Spaziergang durch den Park vor . Sie trat aber vorher noch mit den Herren in das Gewächshaus , um ihnen eine besonders schöne Orchidee zu zeigen , von der eben die Rede gewesen war , während Marlow und seine Tochter , die das Prachtexemplar schon kannten , langsam vorausgingen . » Der Besuch wird uns nicht weiter stören , « sagte der Bankier , der in sehr behaglicher Stimmung war . » Sie wollen ja schon um sechs Uhr abfahren , und bis dahin kann Ronald kaum hier sein . – Ein gescheiter , interessanter Mann , dieser Major Hartmut ! Da hat man sich auf die Heilsberger Kleinstädterei gefaßt gemacht und verlebt nun ein paar recht angenehme Nachmittagstunden . « » Papa – was ist es mit diesem Raimar ? « fragte Edith , ohne die Worte zu beachten , ganz unvermittelt . » Wen meinst du ? Den älteren Bruder , den Notar ? « » Ja , es liegt irgend etwas zwischen dir und ihm , ich sah es . Woher kennst du ihn ? Er hat früher in Berlin gelebt ? « » Allerdings , bis vor etwa zehn Jahren , aber ich hätte ihn kaum wieder erkannt . Was ist aus dem Manne geworden , der damals nur so sprühte von Leben und Heiterkeit ! Freilich solch eine Katastrophe – doch davon weißt du nichts , du warst ja damals noch ein Kind , und es kann dich auch nicht interessieren . « » Doch , es interessiert mich , « sagte die junge Dame rasch . » Du sprichst von einer Katastrophe ? Du hast mir doch damals , als der junge Raimar bei uns eingeführt wurde , nicht die leiseste Andeutung gemacht . « » Nein , denn ich wollte eine alte , längst abgethane Geschichte nicht wieder auferwecken und dem jungen Manne seine Stellung in der Gesellschaft nicht unnötig erschweren . Die Sache ist in unseren Kreisen noch nicht vergessen , und