das Thier schließlich zwingen will , bäumt es und stürzt mit mir , so daß ich von Glück sagen kann , unverletzt davongekommen zu sein . Der alte Florian , der hinter mir ritt , und der den Kopf immer voll Aberglauben und Spukgeschichten hat , behauptet steif und fest , Almansor habe irgend etwas Entsetzliches gesehen , und prophezeit mir alles mögliche Unheil . Nun , ich muß gestehen , glückverkündend war das Omen gerade nicht . “ Er sagte das lachend und spöttisch , aber der Graf , der die Erzählung seines Sohnes mit angehört hatte , runzelte leicht die Stirn . „ An der ganzen Sache wird wohl nur Dein wildes Reiten schuld sein . Du solltest Deine Gesundheit besser in Acht nehmen , Du weißt doch , wie sehr Du sie zu schonen hast . “ Sein Auge glitt dabei flüchtig über die matten Züge des Sohnes , aber in dem Blick lag keine Spur von jener angstvollen Zärtlichkeit , mit der er noch vor kurzem die Blässe eines anderen Gesichtes geprüft , und auch der Ton hatte mehr von Vorwurf als von Besorgniß . „ Noch eins ! “ fuhr er rascher fort , „ ich wollte Dir bei Gelegenheit des heutigen Festes den Pater Benedict zuführen . Du erinnerst Dich doch noch seiner ? “ „ Pater Benedict ? Nein ! “ sagte Ottfried gleichgültig . „ Du mußt Dich doch des Knaben Bruno entsinnen , “ nahm jetzt der Prälat das Wort . „ Er kam , so viel ich weiß , öfter in Euer Haus , als er noch das Seminar in der Residenz besuchte . “ Ottfried sah aus , als halte er es für eine starke Zumuthung , seinen Kopf mit dergleichen Nichtigkeiten anzustrengen , indessen die Worte des Oheims schienen doch eine Erinnerung in ihm wachzurufen . „ Ah so , der junge Mensch , den Papa erziehen und ausbilden ließ ! Richtig , der scheue störrische Bube , der nie zum Reden oder Spielen zu bringen war ! Papa überhäufte ihn mit Wohlthaten , aber er zeigte sich nie besonders dankbar dafür , er mußte immer erst halb gezwungen werden , in ’ s Palais zu kommen . Ein unerträglicher Bursche ! “ Der leise Hohn schwebte wieder um die Lippen des Prälaten , als er schweigend den Bruder ansah , über dessen Stirn aufs neue der schnell verschwindende rothe Schein lief . „ Ich habe nie begreifen können , wie Papa mir einen solchen Spielgefährten zumuthen konnte ! “ fuhr der junge Graf fort , den Kopf hochmüthig zurückwerfend . „ Er war ja wohl der Sohn irgend eines Bedienten , von einem unserer Güter . “ Rhaneck hatte stumm die Lippen zusammengepreßt , bei den letzten Worten aber zuckte er zornig auf . „ Was Pater Benedict gewesen ist , kommt für Dich jetzt nicht mehr in Betracht . Gegenwärtig ist er Priester , gehört er demselben Stande an , wie Dein Oheim , und Du wirst auch ihm die Achtung und Ehrfurcht zollen , die diesem Stande gebührt ; ich verlange das ganz entschieden von Dir . “ [ 54 ] Die Zurechtweisung , obwohl mit gedämpfter Stimme gesprochen , klang schneidend scharf , aber freilich die Rhanecks waren streng katholisch , waren es von jeher gewesen , und der Prälat sorgte schon dafür , daß diese Sitte erhalten blieb . Ein Priester nahm dem sonst so ahnenstolzen Geschlecht gegenüber allerdings eine unantastbare Stellung ein , und auch Ottfried war in unbedingter Ehrfurcht vor dem Priestergewande und vor den äußeren Ceremonien der Religion erzogen , so wenig er auch sonst davon in sich tragen mochte . Die heftige Parteinahme des Vaters befremdete ihn deshalb nicht besonders , auch schien dieser seine Erregung bereits zu bereuen , denn seine Stimme war um vieles milder geworden , als er nach einer augenblicklichen Pause hinzusetzte : „ Benedict hat den Erwartungen , die ich bei seiner Ausbildung hegte , in jeder Hinsicht entsprochen . Ich wünsche , daß Du für die Zeit unseres Hierseins ihn zu Deinem Beichtiger erwählst und möglichst bei ihm die Messe hörst , und ich will hoffen , daß sich dadurch ein freundlicheres Verhältniß zwischen Euch anbahnt , als es in Eurer Kinderzeit der Fall war . “ Ottfried schwieg , die äußeren Formen der Ehrerbietung und Rücksicht wurden im Rhaneck ’ schen Hause streng aufrecht erhalten , aber die Formen waren hier eben auch alles , sie mußten das Herz ersetzen , das nun einmal in allen Beziehungen dieser Familie zu einander zu fehlen schien . Der junge Graf widersprach mit keiner Sylbe dem so bestimmt kundgegebenen Wunsche des Vaters , wenn sein Gesicht auch deutlich verrieth , wie mißfällig ihm derselbe war . Der Prälat hatte inzwischen durch einen Wink den jungen Priester an seine Seite gerufen und Rhaneck führte ihn seinem Sohne zu , aber zu dem „ freundlicheren Verhältniß “ , das sich zwischen den Beiden anbahnen sollte , zeigte sich wenig Aussicht . Ottfried , der so eben empfangenen Zurechtweisung eingedenk , zwang sich zur Artigkeit , Benedict blieb kalt und gemessen , es war , als fühlten die jungen Männer instinctmäßig , daß eine weite Kluft zwischen ihnen lag , die wohl nie ausgefüllt werden konnte . Da gab sich von neuem eine allgemeine Bewegung im Saale kund , ein allgemeines Flüstern und sich Umwenden , alle Blicke waren plötzlich nach der Thür gerichtet , durch die jetzt endlich der längst erwartete neue Gutsherr von Dobra eintrat und , seine Schwester am Arme , sich dem Wirthe näherte , der in der Nähe des Einganges stand . Der Baron war in der That in einiger Verlegenheit dem Mann gegenüber , der sich so stolz von der ganzen Nachbarschaft abgesondert , und dem gegenüber er gleichwohl , durch höheren Einfluß gedrängt , den ersten Schritt zur Annäherung gethan . Er zog sich indessen noch ziemlich gut aus der Sache , die Bewillkommnung war , wenn auch etwas gezwungen ,