, wie Herr Ellbach meine Bilder beurteilt , und ob er sie überhaupt beurteilt . « » Künstlereifersucht ! « sagte der Bürgermeister mit überlegenem Lächeln . » Einer gönnt dem anderen seinen Ruhm nicht , und doch wirken sie beide auf verschiedenen Gebieten . Aber es ist wahr , auch ich habe mit Befremden das Schweigen des » Tagesboten « bemerkt . Ich fürchte , man hat Siegbert absichtlich ignoriert , und man würde ihn vielleicht sogar angreifen , wenn nicht – « er brach ab , denn die sehr natürliche Folgerung , daß es nur gastronomische Rücksichten waren , die seinen Pflegesohn vor den Angriffen des » Tagesboten « schützten , erschien ihm doch zu unpoetisch , wenn sie auch die richtige war . » Dergleichen Eifersüchteleien und Feindschaften dürfen aber in unserem Wiesenheim nicht Platz greifen , « begann er wieder . » Nach unserer Rückkehr werde ich eine Versöhnung anbahnen – mit einer Ananasbowle , die pflegt unseren Dichter immer sehr freundlich und versöhnlich zu stimmen , ich habe das schon einigemal erprobt . Und was dich betrifft , Siegbert , so bitte ich mir aus , daß du keine Hartnäckigkeit zeigst . Ich wollte , du hättest nur etwas von dem Selbstgefühl und dem Künstlerstolz dieses jungen Mannes . Er erklärt jede seiner Arbeiten von vornherein für ein Meisterwerk . « » Ja wohl , und er glaubt sogar daran , « sagte Siegbert mit aufquellender Bitterkeit . » Ich habe das nie vermocht . « Fränzchen warf ihm einen sehr unholden Blick zu und war im Begriff , sich energisch auf die Seite der Poesie zu schlagen , als ihr Vater sich plötzlich erhob . Er sah drüben auf der anderen Seite der Anlagen den Professor Bertolt » erscheinen und bekam auf einmal Lust , gerade dort einen Spaziergang zu machen . Er überließ daher seine Familie sich selbst und dem » Tagesboten « und wandte sich nach jener Richtung . Elftes Kapitel . Der Herr Bürgermeister hatte eine Zeitlang geschwankt , ob er die neuliche Grobheit des Professors übelnehmen oder die Originalität des berühmten Künstlers bewundern solle , und sich endlich für letzteres entschieden . Eine Bekanntschaft von diesem Rufe und dieser Stellung wollte er unter keiner Bedingung fahren lassen . So näherte er sich denn mit dem festen Entschluß , dem » Original « nichts übel zu nehmen , und begann die Unterhaltung mit der Bemerkung , daß das Wetter sehr schön sei , und mit der Frage , wie der Herr Professor geschlafen habe . Dieser war heute in ziemlich gnädiger Stimmung , vielleicht rührte es ihn auch , daß man seine ungemeine Grobheit mit so ausgesuchter Höflichkeit vergalt . Er ließ die Tatsache des schönen Wetters gelten und erklärte , daß sein Schlaf vortrefflich gewesen sei . Daraufhin wagte es Eggert , sich ihm anzuschließen , und die beiden promenierten dem Anscheine nach ganz friedfertig miteinander . » Morgen früh geht Siegbert mit mir auf die Egidienwand « , kündigte der Professor seinem Begleiter an . » Ich habe es bereits mit ihm verabredet . Wir brechen in aller Frühe auf und denken gegen Abend zurück zu sein . « Der Bürgermeister zog die Augenbrauen in die Höhe , eine derartige Eigenmächtigkeit pflegte er seinem Pflegesohne nie zu gestatten , und wenn er auch dem Professor die alleinige Schuld beimaß , so fühlte er sich doch verpflichtet , seine Autorität geltend zu machen . » Siegbert hat mir nichts davon mitgeteilt « , entgegnete er . » Ich fürchte wirklich – « » Haben Sie vielleicht etwas dagegen einzuwenden ? « unterbrach ihn Bertold mit so grimmiger Miene , daß er augenblicklich den Rückzug antrat . Wie alle kleinen Tyrannen , fügte er sich geduldig einer größeren Tyrannei gegenüber , und in diesem Punkte hatte er in dem Professor seinen Meister gefunden . » Durchaus nicht « , versicherte er eiligst . » Ich meinte nur – ich wünsche Ihnen viel Vergnügen zu dieser Partie . « » Danke ! « brummte der Professor etwas besänftigt . » Aber noch eine Frage ! Sie kennen natürlich die sämtlichen Studien und Skizzen Siegberts ? « » Natürlich , Herr Professor ! Sie wissen ja , welch hohes Interesse ich für die Kunst habe , und nun vollends , wo es sich um die Werke meines Sohnes handelt . Ich prüfe Tag für Tag seine Skizzenmappe mit der größten Aufmerksamkeit , und ich darf wohl behaupten , daß in den letzten vier Jahren nichts ohne meinen Rat und ohne mein Urteil entstanden ist , vom kleinsten Blättchen an bis zu den großen Bildern , die daheim in meinem Hause hängen . « » Da hängen sie wohl noch allesamt ? « bemerkte der Professor trocken . » Ein Käufer hat sich wohl noch zu keinem einzigen gefunden ? « Eggert warf sich in die Brust , mit dem ganzen Stolze des reichen Mannes . » Allerdings nicht , aber ich lege auch keinen Wert darauf . Ich kann mir immerhin gestatten , die Werke meines Sohnes im eignen Besitz zu behalten . Mein Sohn hat es nicht nötig , um des Geldes willen zu malen ! Er hat von jeher den Eingebungen seiner Muse folgen dürfen , ohne an den schnöden Erwerb zu denken . « » Das ist gerade das Unglück des Jungen gewesen ! « fiel Bertold mit vollem Nachdruck ein . » Wenn er sich tüchtig mit der Not des Lebens hätte herumschlagen müssen , wäre er nicht ein solcher Träumer geworden ! « Der Bürgermeister sah ihn mit offenem Munde an . » Wie ? Sie wollen doch nicht etwa behaupten , daß es ein Glück ist , wenn man sich um das tägliche Brot mühen muß , diese Misere des Lebens ? « » Unsinn ! « sagte der Professor in seiner derben Weise . » Die sogenannte Misere hat noch keinem geschadet , der jung und kraftvoll ist . Fast alle unsere großen Künstler find durch