Sie für nötig achten , zu unterwerfen . Wenn hier der Tod ist und dort das Leben sein kann , so muß ich für mein Kind das Leben suchen , so schwer es zu erreichen sein mag . « Die Tochter hatte ihren Arm um die Mutter geschlungen und drückte ihr braunes Köpfchen , wie um es zu verbergen , gegen deren Nacken ; nur ich mochte es gesehen haben , daß ein paar große Tränen ihr wie widerwillig aus den Augen sprangen . Aber ich mußte ihr dankbar sein , sie hatte mir die schwere Eröffnung abgenommen , und meine Kranke hatte ich gefaßt gefunden . Ich will es kurz machen , Hans – die furchtbare Operation ging einige Tage später nach sorgfältigster Vorbereitung , unter Zuziehung meines Assistenten und eines besonders geschickten jüngeren Arztes aus einer Nachbarstadt , nach den Gesetzen unserer Wissenschaft vorüber . Hilda das hatte ich ausbedungen – durfte nicht zugegen sein ; aber in allem , was sie außerdem zu leisten hatte , war sie , wenn auch totenblaß , das feste zuverlässige Mädchen , worauf ich gerechnet hatte . Und so blieb es ; unter ihrer zugleich liebevollen und strengen Pflege ging die Heilung wider Erwarten und – trotz des furchtbaren Vergleiches – ich kann dennoch sagen : zu meiner Freude , rasch vonstatten , so daß mir bald die Aussicht auf Genesung sicher wurde und , bei dem rechtzeitigen Eingreifen , auch die Furcht vor einem Rückfall immer mehr zurücktrat . Von der Wärterin erfuhr ich freilich , daß Fräulein Hilda zwar noch ihre Schlafkammer oben im Hause habe , aber gegen die Nacht , wenn das Befinden der Mutter ihr das geringste Bedenken errege , von dem Stuhl an deren Bett nicht fortzubringen sei : die unruhigen Augen nach der Kranken , verbringe sie dort die Nacht in halbem Schlummer , und erst bei Anbruch des Morgens schleiche sie fröstelnd für ein Stündchen nach der eigenen Kammer . Ich sah wohl , daß das Mädchen bleicher wurde , je mehr die Mutter sich erholte ; und so eines Tages , als sie mich wieder aus dem Krankenzimmer geleitet hatte , faßte ich ihre Hand , und während ihre schönen verwachten Augen zu mir aufsahen , sprach ich und war selbst nicht ohne tiefere Bewegung : » Von heut an , Fräulein Hilda , sollen Sie ruhig in Ihrem Bette schlafen ; ich stehe Ihnen dafür , Ihre Mutter ist gerettet . « Wie durch ein Wunder erhellte sich bei diesen Worten ihr junges Antlitz ; in Wahrheit , sie war plötzlich wunderschön geworden . » Gerettet ? « frug sie noch halb im Zagen ; » o Gott , gerettet ! « – Dann noch ein paar tiefe Atemzüge , und ein entzückendes Lachen , als ob ' s die Brust nicht bergen könne , brach aus ihren Lippen . » Gerettet ! « wiederholte sie noch einmal . » O Doktor , mir ist , als trüg ich plötzlich einen Rosenkranz ! Aber Sie « – und ihre Augen sahen mich wie heftig flehend an – , » gleich einer Trauerkunde haben Sie die Himmelsbotschaft mir – verkündet ! Und Sie haben mir das Leben – oh , verstehen Sie es doch ! das Leben meiner Mutter haben Sie gerettet ! « Ich glaube fast , sie wollte mir zu Füßen sinken , aber ich faßte ihre Hand . » Lassen Sie das , Hilda ! « sagte ich ; » es hat wohl jeder sein eigenes Geschick , und was an Freude einmal hinzukommt , nimmt dessen Farbe an ! « » Ja , ja , ich weiß « , erwiderte sie , plötzlich still werdend , » Sie haben Ihre Frau so sehr geliebt und haben sie verloren ! « » Es war die Krankheit Ihrer Mutter « , fügte ich hinzu ; » ich vermochte sie nicht zu retten « – – nur zu töten ! hätte ich fast hinzugesetzt , denn mich überkam ein fast unabweisbarer Drang , diesem jungen Wesen meine Seele preiszugeben , ihr alles , was mich zu Boden drückte , bloßzulegen , so wie ich es heute vor dir getan habe . – Aber ich bezwang mich ; sie hätte darunter zusammenbrechen müssen . Die Augen voll Tränen , mir beide Hände hingegeben , stand sie vor mir . » Es tut mir so leid , daß Sie nicht froh sein können « , stammelte sie endlich . Ich schüttelte den Kopf . » Ich danke Ihnen , Hilda ! « sagte ich ; dann ging ich fort . Ich habe sie seitdem nicht wiedergesehen . – – Am Abend saß ich bei den Freunden Lenthes , und wie so oft , wandte sich das Gespräch darauf , wie meinem unverhehlbar trüben Zustand wiederaufzuhelfen sei . » Täusche dich nicht , Franz « , sagte der Freund , » als ob die Begier nach Leben in dir erloschen wäre ; du mußt trotz alledem wieder heiraten und dein Haus aufs neue bauen ! « » Ich bin zu alt geworden , Wilm « , erwiderte ich abwehrend . – » Ei was ! Du hast nur deine Jugend mit Kirchhofsrasen zugedeckt ; wenn du ein Weib hast , tragt ihr sie miteinander wieder ab ! « » Am Ende « , sagte ich wie scherzend , » habt ihr meine Künftige schon hinter einem Vorhang ? Wer sollte mich denn heiraten ? « Frau Käthe sah mich halb schelmisch , halb zaghaft an . » Hilda Roden ? « frug sie leise . » Oder hab ich fehlgeraten ? « Es durchfuhr mich doch . » Was wissen Sie von Hilda Roden ? « rief ich . » Oh « , erwiderte sie schon mutiger , » ich weiß von ihr ; Sie würden keinen Korb bekommen , und sie ist gut , die Hilda ! « Und Lenthe nickte dazu . » Überhör nicht , was die weise Frau dir rät