außer diesem Mann und seinem Weibe und einem mir unbekannten Chirurgus war während meines langen Lagers niemand zu mir gekommen . – Von wannen ich den Schuß in meine Brust erhalten , darüber hat mich niemand befragt , und ich habe niemandem Kunde gegeben ; des Herzogs Gerichte gegen Herrn Gerhardus ' Sohn und Katharinens Bruder anzurufen , konnte nimmer mir zu Sinne kommen . Er mochte sich dessen auch wohl getrösten ; noch glaubhafter jedoch , daß er allen diesen Dingen trotzete . Nur einmal war mein guter Dieterich da gewesen ; er hatte mir in des Junkers Auftrage zwei Rollen Ungarischer Dukaten überbracht als Lohn für Katharinens Bild , und ich hatte das Gold genommen , in Gedanken , es sei ein Theil von deren Erbe , von dem sie als mein Weib wohl später nicht zu viel empfahen würde . Zu einem traulichen Gespräch mit Dieterich , nach dem mich sehr verlangete , hatte es mir nicht gerathen wollen , maßen das gelbe Fuchsgesicht meines Wirthes allaugenblicks in meine Kammer schaute ; doch wurde so viel mir kund , daß der Junker nicht nach Kiel gereiset und Katharina seither von niemandem weder in Hof noch Garten war gesehen worden ; kaum konnte ich noch den Alten bitten , daß er dem Fräulein , wenn sich ' s treffen möchte , meine Grüße sage , und daß ich bald nach Holland zu reisen , aber bälder noch zurückzukommen dächte , was alles in Treuen auszurichten er mir dann gelobete . Überfiel mich aber danach die allergrößeste Ungeduld , so daß ich , gegen den Willen des Chirurgus und bevor im Walde drüben noch die letzten Blätter von den Bäumen fielen , meine Reise ins Werk setzete ; langete auch schon nach kurzer Frist wohlbehalten in der Holländischen Hauptstadt an , allwo ich von meinen Freunden gar liebreich empfangen wurde , und mochte es auch ferner vor ein glücklich Zeichen wohl erkennen , daß zwo Bilder , so ich dort zurückgelassen , durch die hülfsbereite Vermittelung meines theueren Meisters van der Helst beide zu ansehnlichen Preisen verkaufet waren . Ja , es war dessen noch nicht genug : ein mir schon früher wohl gewogener Kaufherr ließ mir sagen , er habe nur auf mich gewartet , daß ich für sein nach dem Haag verheirathetes Töchterlein sein Bildniß malen möge ; und wurde mir auch sofort ein reicher Lohn dafür versprochen . Da dachte ich , wenn ich solches noch vollendete , daß dann genug des helfenden Metalles in meinen Händen wäre , um auch ohne andere Mittel Katharinen in ein wohl bestellet Heimwesen einzuführen . Machte mich also , da mein freundlicher Gönner desselbigen Sinnes war , mit allem Eifer an die Arbeit , so daß ich bald den Tag meiner Abreise gar fröhlich nah und näher rücken sahe , unachtend , mit was vor üblen Anständen ich drüben noch zu kämpfen hätte . Aber des Menschen Augen sehen das Dunkel nicht , das vor ihm ist . – Als nun das Bild vollendet war und reichlich Lob und Gold um dessen willen mir zu Theil geworden , da konnte ich nicht fort . Ich hatte in der Arbeit meiner Schwäche nicht geachtet , die schlecht geheilte Wunde warf mich wiederum danieder . Eben wurden zum Weihnachtsfeste auf allen Straßenplätzen die Waffelbuden aufgeschlagen , da begann mein Siechthum und hielt mich länger als das erste Mal gefesselt . Zwar der besten Arzteskunst und liebreicher Freundespflege war kein Mangel , aber in Ängsten sahe ich Tag um Tag vergehen , und keine Kunde konnte von ihr , keine zu ihr kommen . Endlich nach harter Winterzeit , da der Zuidersee wieder seine grünen Wellen schlug , geleiteten die Freunde mich zum Hafen ; aber statt des frohen Muthes nahm ich itzt schwere Herzensorge mit an Bord . Doch ging die Reise rasch und gut von Statten . Von Hamburg aus fuhr ich mit der Königlichen Post ; dann , wie vor nun fast einem Jahre hiebevor , wanderte ich zu Fuße durch den Wald , an dem noch kaum die ersten Spitzen grüneten . Zwar probten schon die Finken und die Ammern ihren Lenzgesang ; doch was kümmerten sie mich heute ! – Ich ging aber nicht nach Herrn Gerhardus ' Herrengut ; sondern , so stark mein Herz auch klopfete , ich bog seitwärts ab und schritt am Waldesrand entlang dem Dorfe zu . Da stund ich bald in Hans Ottsens Krug und ihm gar selber gegenüber . Der Alte sah mich seltsam an , meinete aber dann , ich lasse ja recht munter . » Nur « , fügte er bei , » mit den Schießbüchsen müsset Ihr nicht wieder spielen ; die machen ärgere Flecken als so ein Malerpinsel . « Ich ließ ihn gern bei solcher Meinung , so , wie ich wohl merkete , hier allgemein verbreitet war , und that vors erste eine Frage nach dem alten Dieterich . Da mußte ich vernehmen , daß er noch vor dem ersten Winterschnee , wie es so starken Leuten wohl passiret , eines plötzlichen , wenn auch gelinden Todes verfahren sei . » Der freuet sich « , sagte Hans Ottsen , » daß er zu seinem alten Herrn da droben kommen ; und ist für ihn auch besser so . « » Amen ! « sagte ich ; » mein herzlieber alter Dieterich ! « Indeß aber mein Herz nur , und immer banger , nach einer Kundschaft von Katharinen seufzete , nahm meine furchtsame Zunge einen Umweg , und ich sprach beklommen : » Was machet denn Euer Nachbar , der von der Risch ? « » Oho « , lachte der Alte ; » der hat ein Weib genommen , und eine , die ihn schon zu Richte setzen wird . « Nur im ersten Augenblick erschrak ich , denn ich sagte mir sogleich , daß er nicht so von Katharinen reden würde ; und da er dann den Namen nannte , so