unter den Umständen : er habe den Hemdenschwanz hinten aus den Hosen gezogen und niederhängen lassen , und der habe hell genug durch die Nacht geschienen , um der Bauerschaft als Laterne zu nützen . So sei der Küster von Bosseborn vorangeschwanket ; ihm nach der Vorsteher , dem nach der Gemeinderat und dem wieder die torkelnde gemeine Bauernschar , im Gänsemarsche alles – einer hinter dem andern – ein ewig memorabler Zug bis ins Dorf hinein . Die Geschichte ist gut ; wenn ihr nur so wäre ! Aber die Sache hat einen ganz andern und viel ernsthaftern Angang . » Wann kompt im Sommer Sanctus Veit , So endert sich beid Tag und Zeit . Dem schlaff geht zu , dem Wachen ab , Wie sich das alter neigt zum Grab , Und wer dan hat der pfenning viel , Der mach sich auff zu diesem ziel , Und wander hin wol nach Sanct Veit , Ihr kan man werden leichtlich queidt . – « singt bei Hans Letzner ein » rechter erfahrener Landtkündiger « ; und von der großen Prozession nach Corvey auf Sankt-Vitus-Tag stammt die Laternenfrage her , sowie jede Schlacht , die an dem Tage darum geschlagen wurde ; vorzüglich aber die des Jahres Siebenzig , welche eine der hartnäckigsten und blutigsten war infolge der Indulgenz , die Seine Heiligkeit Papst Clemens der Neunte kurz vor seinem seligen Abscheiden auf den Tag für dasmal gelegt hatte . Nun war es aber ein alt Herkommen , daß die jüngste Pfarrei den feierlichen Zug eröffne , – das Ältere und Würdigere folgte , der Reihe nach ; und also – sollten die von Bosseborn voran » mit der Laterne « und wollten ' s natürlich den Ovenhäusern zuschieben , die ihnen folgten : hinc illae lacrymae ! Denen von Ovenhausen gingen nach die von Fürstenau , diesen die Boedexer , diesen die Amelunxer , diesen die von Wehrden und Jakobsberge . Dann zogen Ottbergen und Bruchhausen , nachher kam das Dorf Stahle , nachher die von Albaxen , Brenkhausen , Lüchtringen und Godelheim . Zuletzt aber kam dicht vor den Reliquien des Heiligen die Stadt Höxter mit ihrer Stadtmusik , zusammen mit den Corveyern . Noch hinter dem heiligen Veit zog das Kapitel auf , sowie der Braunschweigische Gesandte mit einem kleinen Abtsstab in der mit einem Velum bedeckten Hand ( auch nach der Reformation und als Protestant ! ) ; er wurde geleitet vom Corveyer Marschall . Den Beschluß machte das Venerabile unter einem Baldachin , den die Höxternschen Nobiles trugen , – und Jordan Hunger , der Küster von Sankt Nikolaus , war im Jahre 1670 Küster zu Bosseborn gewesen und hatte die Bosseborner Laterne , das heißt die Kirchenfahne seines Dorfes , tragen sollen ......... » Wie mancher kompt gar weis ' und klug , Im heimgehn er einen Narren trug . Mancher kompt daher ganz Sinnreich , Und geht weg ganz bös und grimmich . Ihr viel da kamen frisch und gesundt , Da gehn sie heim in Todt verwundt , Oder sonst gefallen , geschlagen – « singt der erfahrene » Landtkündiger « weiter , und so war es . Sie schlugen sich jedesmal wacker um die Bosseborner Laterne ; und wenn Bosseborn und Ovenhausen zwischen sich den Streit begannen , so war kein Dorf , das zurücke bleiben wollte , sondern sie fielen alle drein und aufeinander . Ohne das gab es kein Sankt-Vitus-Fest zu Corvey , und weder das Kapitel noch der Braunschweigische Gesandte konnten das geringste dagegen tun , außer daß sie es abermals fertigbrachten , daß auch das nächste Mal Bosseborn wieder die » Bosseborner Laterne « trug . – Doch während wir also hier das Krumme grade machten und der Wahrheit zu ihrem Rechte verhalfen , tobt der Mutwillen viehisch fort in Höxter , wird der zerschlagene Meister Jordan Hunger von seinem heulenden Weib und vergnügten Freunde nach seinem Bette geschleift und – – zieht eine andere Prozession langsam heran . Letzterer wenden wir uns jetzt zu und treffen sie auf dem Wege , den vorhin der Bruder Henricus zur Abtei beschritten hatte . Der Bruder Henricus maß diesen Weg jetzt zurück , er befand sich mit an der Spitze dieses Zuges , der von Corvey kam . Er war ein Kriegsmann gewesen in seiner Jugend , und sein Prior , Herr Nicolaus von Zitzwitz , hielt sich an ihm und ließ ihn nicht von seiner Seite . Dicht hinter ihm hielten sich der Subprior Florentius von dem Felde und der Propst Ferdinandus von Metternich . Den guten Vater Adelhard , den Cellarius , hatte man seiner Unbehülflichkeit halben in diesen gefährlichen Nöten zu Hause gelassen , um dort Ordnung zu halten . Die Abtei zog heldenhaft nach der Stadt , um sich selber Nachricht über die Vorfälle dort zu holen , da » impie et nefarie « , ruchloser- und leichtfertigerweise , niemand gekommen war , um ihr dieselbe zu bringen . Aber Corvey konnte nicht anders ; Corvey mußte auf den Plan ! Die Abtei , eben in ihren » Rechten « durch den fremdländischen Helfer , den größesten der französischen Feldherren , gegenüber der rebellischen Bürgerschaft von Huxar und dem Braunschweigischen Schutzherrn gekräftigt , mußte alles dransetzen , daß ihr die soeben nach langem Streite endlich einmal wieder fester gepackte Obergewalt nicht von neuem aus den Händen gleite . Es galt Höxter gegen jeglichen Feind oder Aufrührer festzuhalten , und so zog das Stift in Waffen gegen die Munizipalstadt . Unter Umständen verstand es Herr Christoph Bernhard von Galen , merkwürdig böse Gesichter zu schneiden , und Corvey wußte das und kannte das . Die Lärmglocke , die Bruder Heinrich von Herstelle gezogen hatte , war gehört worden . Die Klostermannschaft war in die Rüstung gefahren , die Herren Benediktiner hatten sich taliter qualiter selber gewaffnet , und die waffenfähige Mannschaft des nächst- , aber am andern Ufer der Weser gelegenen Dorfes Lüchtringen war in Kähnen über den Fluß gekommen , um der Abtei