rauschen in dem Sand Und malen sich an ihrem Rand Mit schattenreichen Myrten ; Die Wiesen liegen hart dabei Und klingen ganz vom Lustgeschrei Der Schaf und ihrer Hirten . « , und von dem lustig-lebendigen Rade her fiel eine Männerstimme in das Loblied des Sommers ein : der neue Herr der Mühle , Meister Albrecht Bodenhagen , sang mit , und er hatte allen Grund dazu ; denn es war eine schmucke Frau aus der Jungfer Papenberg geworden , er – Herr der Mühle an der Innerste oberhalb Sarstedt , und die Innerste war ein nahrhaftes Wasser : wer je Übles von ihr gesprochen hatte , der mochte die Verantwortung auf seine eigene Kappe nehmen . Ja , wenn nur drüben jenseits der Innerste im Weidengebüsch die Augen der Nixe nicht gewesen wären ! Der Müller Albrecht Bodenhagen hörte Paul Gerhardts Sommerlied durch das Geklapper seiner Mühle , durch das Rauschen seines Baches , und sein Herz klopfte auch immer lebendiger . Er hielt es nicht länger aus : » Die unverdroßne Bienenschar Fleugt hin und her , sucht hier und dar Sich edle Honigspeise ! « jauchzte er und kam auch in den Garten gesprungen . Die alte Frau am Fenster legte die Hand über die Augen zum Schutze gegen das Licht und schüttelte ob der lustigen Jagd , die jetzt um die Büsche anhob , den Kopf . » Drei Schritte vom Leibe ! « rief die junge Frau , mit beiden Händen abwehrend . » Wie eine Schleiereule sieht Er aus , ganz Groß-Förste hat seinen Spaß daran , wenn man solch ein weißgepudert Geschöpf im Kirchturm aushebt und die Jungen es im Dorfe herumtragen ! Rühr mich nicht an ! ich werfe dir unsern ganzen Garten an den Kopf , wenn du mir nahe kommst , du staubig Müllergespenst ! « Eine Handvoll Petersilie bekam er sofort ins Gesicht und nicht in die Suppe ; aber er griff doch zu und lachte : » Weshalb hat Sie einen Müller genommen , Jungfer Papenberg ? Einen Schornsteinfeger hättest du dir wohl lieber gefallen lassen , Lieschen ? « » Ich will nicht ! ich will nicht ! Mein Topf kocht über , und mein Brei brennt an , und über den Tisch schneidest du mir ein Gesicht ! « Sie brachte einen Johannisbeerbusch zwischen sich und ihren Verfolger . » Und ich fange dich doch , mein Schatz ! « rief der junge Meister . » Jawohl – ei freilich : mein Schatz ! Das hast du auch gelernt im Felde – Lieschen , mein Engel , meine Hertenstrompet , Meine Pauke , Standarte und meine Musket , – dazu hat dich der Colignon von der Landstraße mitgenommen . Nein , nein , ich will jetzt nicht ! Drei Stunden hat man nachher an sich zu fegen und zu bürsten . Mutter ! Hülfe , Mutter Bodenhagen ! « Das alte Weiblein beugte sich weiter vor aus dem grünumsponnenen Fenster , und über das verrunzelte Gesicht glitt doch ein vergnügliches Lächeln . In den Liebesstreit der jungen Leute mischte die Greisin sich aber doch nicht ein ; sie nickte nur mit dem Kopfe und murmelte : » Sind das schon fünfundvierzig Jahre her , seit mir mein Christian da durch dieselbigen Wege nachjagte ? « In der Rosenlaube , dicht am Zaun und Bach , fing der junge Meister in der Mühle seine Müllerin – » Geh aus , mein Herz , und suche Freud In dieser lieben Sommerzeit An deines Gottes Gaben ! Schau an der schönen Gärten Zier Und siehe , wie sie mir und dir Sich ausgeschmücket haben ! « Sie wußten in der Laube nichts von der blutigen Schlacht bei Liegnitz , die der König Friedrich und der Feldmarschall Laudon an diesem Morgen einander geliefert hatten , und sie wußten auch nichts von den zwei Augen drüben am andern Ufer der Innerste im Weidendickicht ! – Es waren oben im Harze in den letzten Tagen starke Gewitter niedergegangen , und infolge davon war der kleine Fluß nach seiner Gewohnheit wieder einmal eine gute Strecke in den Busch und das Röhricht übergetreten . Und inmitten des Busches , mit dem linken Arm sich um einen knorrigen Weidenstumpen klammernd , der vorgesetzte rechte Fuß vom Wasser überspült , stand ein junges Weib , vorgebeugt durch das Gezweig nach der Mühle lugend . Nicht häßlich , aber seltsam verwildert war die Erscheinung anzusehen . Rotes , brennend rotes Haar , hastig geflochten , war um eine fast männlich breite Stirn gewunden , und eine der Flechten hatte sich gar gelöst und hing über die vorgeneigte Wange . Schlank , fast hager , und gebräunt von Sonne , Wind und Wetter , in einem grauen Rock und grünem Jäckchen stand das Weib oder Mädchen da , und wunderlich , wunderlich ließ der Fuß im Wasser ! Wie sie so da stand , hätte sie daraus hervorgestiegen sein können ; es paßte alles zueinander in Gestalt und in Farbe : die Weiden und das Kleid der Lauscherin , das rote Haar und das gelbrote , trübe Wasser der Innerste , und vor allen Dingen zu allem die hellen , großen , grünblauen , kühlen Augen . Wer die Nixe der Innerste hätte malen wollen , der hätte diese Kreatur in sein Bild setzen müssen ! Und sie regte sich nicht , diese Erscheinung ! Der Wind rührte leise an die Weidenzweige über ihr , an die hohen Schilfdolden und die Blätter des Erlengebüsches um sie ; aber nur ein einzig Mal auf einen kürzesten Moment wehte er ihr die gelöste Flechte ganz über das Gesicht . Zu ihren Füßen – um ihren Fuß ! – regte sich und glitt leise die Flut der Mühle zu , und die Blasen – die Luftblasen vom Atem der Wassergeister stiegen auch wieder empor zur Oberfläche und zerplatzten im Lichte . Manche sagen , die Wassergeister sitzen drunten in der Tiefe gleich riesengroßen Fröschen mit glühenden Augen und atmen still und