Überraschung hatte mich so außer Fassung gebracht , daß ich an keinen Widerstand dachte . » Tut Eure Pflicht ! « befahl Pfyffer . Die beiden Schweizer nahmen mich in die Mitte und ich folgte ihnen wehrlos , einen Blick grimmigen Vorwurfs auf Boccard werfend . Ich konnte mir nichts anders denken , als daß Pfyffer einen königlichen Befehl erhalten habe , mich wegen meines Zweikampfes mit Guiche in Haft zu nehmen . Zu meinem Erstaunen wurde ich nur wenige Schritte weit nach der mir wohlbekannten Kammer Boccards geführt . Der eine Schweizer zog einen Schlüssel hervor und versuchte zu öffnen , aber vergeblich . Es schien ihm in der Eile ein unrechter übergeben worden zu sein und er sandte seinen Kameraden zurück , um von Boccard , der bei Pfyffer geblieben war , den rechten zu fordern . In dieser kurzen Frist vernahm ich lauschend die rauhe , scheltende Stimme des Hauptmanns : » Euer freches Stücklein kann mich meine Stelle kosten ! In dieser Teufelsnacht wird uns hoffentlich keiner zur Rede stellen , doch wie bringen wir morgen den Ketzer aus dem Louvre fort ? Die Heiligen mögen mir ' s verzeihn , daß ich einem Hugenotten das Leben rette – aber einen Landsmann und Bürger von Bern dürfen wir von diesen verfluchten Franzosen auch nicht abschlachten lassen , – da habt Ihr wiederum recht , Boccard ... « Jetzt ging die Türe auf , ich stand in dem dunkeln Gelaß , der Schlüssel wurde hinter mir gedreht und ein schwerer Riegel vorgeschoben . Ich durchmaß das mir von manchem Besuche her wohlbekannte Gemach , in quälenden Gedanken auf und nieder schreitend , während sich das mit Eisenstäben vergitterte , hochgelegene Fenster allmählich erhellte , denn der Mond ging auf . Der einzige wahrscheinliche Grund meiner Verhaftung , ich mochte die Sache wenden wie ich wollte , war und blieb der Zweikampf . Unerklärlich waren mir freilich Pfyffers unmutige letzte Worte ; aber ich konnte dieselben mißhört haben , oder der tapfere Hauptmann war etwas bezecht . Noch unbegreiflicher , ja haarsträubend , erschien mir das Benehmen Boccards , dem ich nie und nimmer einen so schmählichen Verrat zugetraut hätte . Je länger ich die Sache übersann , in desto beunruhigendere Zweifel und unlösbarere Widersprüche verstrickte ich mich . Sollte wirklich ein blutiger Plan gegen die Hugenotten bestehn ? War das denkbar ? Konnte der König , wenn er nicht von Sinnen war , in die Vernichtung einer Partei willigen , deren Untergang ihn zum willenlosen Sklaven seiner ehrgeizigen Vettern von Lothringen machen mußte ? Oder war ein neuer Anschlag auf die Person des Admirals geschmiedet , und wollte man einen seiner treuen Diener von ihm entfernen ? Aber ich erschien mir zu unbedeutend , als daß man zuerst an mich gedacht hätte . Der König hatte heftig gezürnt über die Verwundung des Admirals . Konnte ein Mensch , ohne dem Wahnsinne verfallen zu sein , von warmer Neigung zu stumpfer Gleichgültigkeit oder wildem Hasse in der Frist weniger Stunden übergehn ? Während ich so meinen Kopf zerarbeitete , schrie mein Herz , daß mein Weib mich zu dieser Stunde er warte , die Minuten zahle , und ich hier gefangen sei , ohne ihr Nachricht geben zu können . Noch immer schritt ich auf und nieder , als die Turmuhr des Louvre schlug ; ich zählte zwölf Schläge . Es war Mitternacht . Da kam mir der Gedanke , einen Stuhl an das hohe Fenster zu rücken , in die Nische zu steigen , es zu öffnen und , an die Eisenstäbe mich anklammernd , in die Nacht auszuschauen . Das Fenster blickte auf die Seine . Alles war still . Schon wollte ich wieder ins Gemach herunterspringen , als ich meinen Blick noch über mich richtete und vor Entsetzen erstarrte . Rechts von mir , auf einem Balkon des ersten Stockwerks , so nahe , daß ich sie fast mit der Hand erreichen konnte , erblickte ich , vom Mondlicht taghell erleuchtet drei über das Geländer vorgebeugte , lautlos lauschende Gestalten . Mir zunächst der König mit einem Antlitz , dessen nicht unedle Züge die Angst , die Wut , der Wahnsinn zu einem Höllenausdruck verzerrten . Kein Fiebertraum kann schrecklicher sein als diese Wirklichkeit . Jetzt da ich das längst Vergangene niederschreibe , sehe ich den Unseligen wieder mit den Augen des Geistes – und ich schaudere . Neben ihm lehnte sein Bruder , der Herzog von Anjou , mit dem schlaffen , weibisch grausamen Gesichtchen und schlotterte vor Furcht . Hinter ihnen , bleich und regungslos , die Gefaßteste von allen , stand Katharina die Mediceerin mit halbgeschlossenen Augen und fast gleichgültiger Miene . Jetzt machte der König , wie von Gewissensangst gepeinigt , eine krampfhafte Gebärde , als wollte er einen gegebenen Befehl zurücknehmen , und in demselben Augenblicke knallte ein Büchsenschuß , mir schien im Hofe des Louvre . » Endlich ! « flüsterte die Königin erleichtert und die drei Nachtgestalten verschwanden von der Zinne . Eine nahe Glocke begann Sturm zu läuten , eine zweite , eine dritte heulte mit ; greller Fackelschein glomm auf wie eine Feuersbrunst , Schüsse knatterten und meine gespannte Einbildungskraft glaubte Sterbeseufzer zu vernehmen . Der Admiral lag ermordet , daran konnte ich nicht mehr zweifeln . Aber was bedeuteten die Sturmglocken , die erst vereinzelt , dann immer häufiger fallenden Schüsse , die Mordrufe , die jetzt von fern an mein lauschendes Ohr drangen ? Geschah das Unerhörte ? Wurden alle Hugenotten in Paris gemeuchelt ? Und Gasparde , meine mir vom Admiral anvertraute Gasparde , war mit dem wehrlosen Alten diesen Schrecken preisgegeben ! Das Haar stand mir zu Berge , das Blut gerann mir in den Adern . Ich rüttelte an der Türe aus allen Kräften , die eisernen Schlösser und das schwere Eichenholz wichen nicht . Ich suchte tastend nach einer Waffe , nach einem Werkzeuge um sie zu sprengen und fand keines . Ich schlug mit den Fäusten , stieß mit