hochaufschwellenden , vielverhöhnten Rothaar – es hob sich in wuchtiger Pracht , wie mit goldfunkelndem Tau überhaucht , von den blauglänzenden Wänden des Zimmers . » Ich danke dir , Juliane , daß du deine Vorliebe für ein bescheidenes Auftreten so taktvoll unterdrückst und in meinem Hause erscheinst , wie es deine Stellung nun einmal verlangt , « sagte er freundlich , wenn auch ohne Betroffenheit im Ton . Sie hob die dunkelblonden Wimpern – das waren keine blassen Veilchenaugen à la Lavallière – ein Paar großer , dunkelgrauer Augensterne voll Klugheit , aber auch voll finsteren Ernstes sahen ihn fest an . » Denken Sie nicht zu gut von mir ! « versetzte sie gelassen – noch brachte sie das » Du « , das ihm so geläufig war , nicht über ihre Lippen . » Nicht aus Bescheidenheit bin ich in Rudisdorf einfach an den Altar getreten – nennen Sie es Stolz , Hochmut , wie Sie wollen ... Ich weiß recht gut , daß verschiedene Frauen in der Rudisdorfer Marmorgalerie den Hermelin um Schultern und Schleppe tragen – ich habe auch ein Anrecht daran und werde es zu behaupten wissen ... Gerade deshalb mochte ich diese geschenkte Pracht hier , « sie strich mit der Hand über die steife Robe , » nicht an mir leiden und durch mein Vaterhaus schleifen , von welchem uns augenblicklich kein Stein gehört . Ich meinte , das Geräusch müsse alle die Trachenberger aufwecken , die unter dem Altar in der Gruft schlafen – und ihnen ist gerade jetzt der Schlaf zu gönnen ... Hier repräsentiere ich Ihren Namen und dazu gehört das Geschenk . « Er biß sich auf die Lippen . Etwas wie eine unliebsame , zornige Ueberraschung lag in dem Blicke , der bald an dem zarten , ruhig sprechenden Munde hing , bald sich in die unerschrockenen Augen bohrte , die nicht zurückwichen . » Nun , die Trachenberger dürften getrost aufwachen , « sagte er sarkastisch . » Ihr weltbekannter Familienstolz lebt ja fort und weiß sehr energisch aufzutreten , und das hätte sie über die leeren Truhen – die du soeben betontest – sicher getröstet . « Sie schwieg und trat langsam und majestätisch über die Schwelle der Thür , die er mit einer fast ironisch tiefen Verbeugung öffnete ... Wie er so an ihrer Seite dahinschritt , war er ein vollkommen anderer , als der frivole Weltmann , der die in Rudisdorf mit einer so graziösen Leichtigkeit , als gehe es zur Tafel , an den Altar geführt – er war ein anderer , als der kühne Bändiger der wildjagenden Rosse , der bei der Begegnung im Walde , strahlend vor Triumph , der bleichen , dahinfließenden Fürstin nachgesehen hatte – in diesem Augenblicke kämpfte er denselben Kampf , den seine junge Frau eben durchgemacht ; er bereute tief und sichtlich den Schritt , den er im Vertrauen auf die Beteuerungen der Gräfin Trachenberg gewagt – sie hatte ihm ja fälschlicherweise eine Frau versprochen , » die er um den Finger wickeln könnte « ... Noch war es Zeit , noch hatte seine Kirche das ewig bindende Wort nicht gesprochen , das jede Scheidung verneint – das Rauschen der langen , schweren Schleppe verstummte plötzlich ; die junge Dame zögerte , den Fuß weiterzusetzen ; sie hob die Hand , die auf seinem Arme lag – notgedrungen hielt er den Schritt an und wandte befremdet das so nachdenklich gewordene Gesicht nach ihr ; ein einziges Hinstreifen seiner Augen über ihr tieferblaßtes Antlitz mochte ihn belehren , was in ihr vorging – mit einem ausdrucksvoll spöttischen Lächeln empfing er die niedergleitende Hand , legte sie wieder auf den Arm , wo er sie augenblicklich festhielt , und schritt weiter durch das Spalier , das die festlich geschmückten Schloßleute vor der gewaltigen , erzenen Kirchenthür bildeten ... Nun denn – er war trotzalledem entschlossen , und sie ging mit ihm ; aber nicht wie ein in sein Schicksal ergebenes Opferlamm – die stolze Prinzessin Großmutter in der Ahnengalerie hätte sicher nichts auszusetzen gewußt an den majestätischen Gebärden der Enkelin , an dem verschlossenen ruhigen Gesicht , das nicht im entferntesten auf das beschleunigte Klopfen eines erregten Herzens schließen ließ . Mit welchem Glanz wurde hier der Betrug in Szene gesetzt ! Ein Silberreichtum , wie ihn Liane selbst in Rudisdorf , in den versunkenen Zeiten der Pracht nie gesehen , umringte und bedeckte den Altar , Hunderte von Flammen auf mattblinkenden Armen emportragend , und die Orangerie , die der alte kranke Mann zur Begrüßung der einziehenden neuen Herrin verweigert hatte , hier dunkelte und duftete sie zu Ehren der heiligen Handlung – ein wahrer Wald breitästiger , mit Blüten bedeckter Bäume . Durchzuckt von den bleichen Lichtflammen und dem goldenglühenden Strahl der hereinfallenden Abendsonne , wogten erstickende Weihrauchwolken in dem säulengetragenen Raume ; wie durch einen Nebel sah Liane die Köpfe vieler Anwesenden aus den Betstühlen auftauchen , sah seitwärts die rotseidene Steppdecke leuchte , auf welcher die blassen Hände des Hofmarschalls gefaltet lagen , und das prächtige Meßgewand des Priesters von den Stufen des Altars herabflimmern . Hoch und gebietend stand er droben – sie erschrak , als sie vor ihn hintrat – von dem Gesicht dieses Mannes ging es aus wie ein Feuerstrom ; ein seltsam glimmender , tief befremdeter Blick tauchte in ihre großaufgeschlagenen Augen ; erst auf ihr scheues Zurückweichen hin wandte er sich zögernd gen Himmel , und nun tönte eine prachtvolle , erschütternde Stimme über ihrem Haupte hin und sprach von der Liebe und Hingebung für immer und ewig – welch ein Frevel ! ... Die schlichten Worte des Geistlichen in Rudisdorf hatten sie ruhig gelassen – erst diese glühende Beredsamkeit warf ein blendendes Licht auf den Hohn und die schwarze Lüge , unter welcher dieser Bund geschlossen wurde ; sie machte jedes Wort zu einer Dolchspitze , zu einem Spottpfeil . – Die junge Frau zitterte vor diesem Priester , dessen zündende Augen nicht von ihr wichen ,