Augen hatte – ein bißchen eitel ist eben ein jedes Mädchen . » Bitte , nun höre nächstens auf , dich zu putzen « , sagte Hanna ärgerlich . » Du willst mich um jeden Preis ausstechen , und das gelingt dir so schon leicht genug . Laß mich auch einmal hin . « Sie trat vor den Spiegel . » Weiß Gott , Gretchen , du bist einen ganzen Kopf größer « , rief sie verwundert . » Ach , die armen Leutnants – Gretel , Gretel . « » Komm einmal her , Kleine « , sagte ich . » Du warst schon öfter mit jungen Herren zusammen ; wie tief ist denn ein Knicks , den man so einem Leutnant machen muß ? « » Sieh mich an « , lachte Hanna . » Den vor dem Obersten so tief , den vor dem Hauptmann so , vor dem Adjutanten so , und die Leutnants – nun , die sieht man schon gar nicht mehr . Laß uns einmal üben « ; und nun knicksten wir Oberst- und Leutnants-Knickse , so daß wir schließlich herzhaft lachen mußten . Auf einmal hörte ich Musik . » Hanna , sie kommen ! « Im Nu standen wir draußen auf dem Balkon . Von der Chaussee her war eine große Staubwolke sichtbar , aus welcher hin und wieder das Blitzen der Gewehre leuchtete ; die Klänge der Musik hallten deutlich herüber . » Nun rasch , Gretchen , komm hinunter , von der Terrasse können wir sie am besten sehen . « Dort standen schon der Baron nebst seiner Frau , und am Fuße der Treppe einige Diener . Frau v. Bendeleben schickte uns wieder hinauf . » Es ist noch früh genug , wenn ihr euch zum Diner zeigt , ich bleibe auch nicht hier . Es geniert die Herren , von Damen empfangen zu werden , und ist überhaupt nicht passend . « So gingen wir denn . Eine Viertelstunde verfloß unter Plaudern und Mutmaßungen über die fremden Gäste . Dann trat ein Diener ein und rief uns zur Frau Baronin in den kleinen Salon . Eben wollten wir , nachdem wir noch einmal vor dem Spiegel gestanden hatten , hinuntergehen , da kam das Stubenmädchen mir entgegen . » Fräulein Gretchen , ein Brief für Sie « , rief sie von weitem und hielt ein ziemlich großes Schreiben empor . Ganz glücklich griff ich mit beiden Händen danach , und da ich wußte , daß ich unten keine Zeit zum Lesen finden würde , bat ich Hanna , allein zu gehen und ihrer Mutter zu sagen , weshalb ich zurückbliebe , und daß ich mich sehr beeilen würde . Ich setzte mich an das Fenster und las . Mein Vater schrieb mir , daß er augenblicklich in München sei , daß er aber wahrscheinlich noch nach Italien gehen werde , und daß ich daher noch ein ganzes Weilchen ohne ihn bleiben müsse . Im ganzen fühle er sich recht kräftig , obgleich er manchmal bis in die Nacht hinein arbeite . Seinen bequemen Lehnstuhl zu Hause vermisse er sehr . Der Brief schloß mit einer Versicherung , daß er sich freuen werde , wenn ich ihm schreiben könne , ich sei heiter und vergnügt , und mit vielen Grüßen an Bendelebens , an Pastor Renner und dessen Mutter und an Kathrin . Enttäuscht ließ ich das Blatt sinken , da waren alle meine schönen Träume wieder so weit in die Ferne gerückt . Ich hatte gehofft , schon im Spätherbst meinen Vater empfangen zu können , und nun sollten noch Monate vergehen – er mußte doch gar keine Sehnsucht nach mir haben . Ich begriff das nicht . Und den Pastor sollte ich grüßen ? Nimmermehr ! Ich war nie wieder zu seiner Mutter gegangen , hatte , wenn er einen Besuch auf dem Schlosse machte , stets gewußt , ihm auszuweichen . Nur ein einziges Mal war er mir entgegengetreten , als ich der jungen Frau des Schloßgärtners das schwerkranke Kind pflegen half . Die arme Frau wachte die ganzen Nächte , da hatte ich sie öfters am Tage abgelöst , damit sie ein Stündchen schlafen könne . Nun war er plötzlich in das Krankenzimmer getreten , hatte mich freundlich gegrüßt , ohne scheinbar verwundert zu sein , mich dort zu treffen , und sich dann über das kleine Bettchen gebeugt und die Hand auf das heiße Köpfchen des Kindes gelegt . Ich war verlegen geworden , und mir fiel ein , wie dieser Mann , der jetzt so liebreich schmeichelnde Worte zu dem kleinen Kerl sprach , mir damals einen so harten Verweis in ironischem Tone erteilt hatte . Das Blut war mir wieder in das Gesicht gestiegen , und als die Mutter des Kindes gleich darauf eintrat , erhob ich mich und sagte : » Jetzt , Anne Marie , kannst du wohl deinen Posten wieder übernehmen , es ist gleich vier Uhr , die Stunde , wo wir immer unseren Spazierritt machen , und der Baron wartet . « Da richtete er sich rasch hoch auf , kein ironischer Zug lag um den Mund wie sonst , er sah ganz traurig aus , als er sagte : » Warum verwischen Sie mit so rauher Hand das schöne Bild wieder , das ich soeben sah ? « Ich blickte ihn einen Moment groß an , ich wußte nicht , was ich hierauf erwidern sollte . Dann ging ich , ohne mich von ihm zu verabschieden – ich war ganz verwirrt gewesen von den einfachen Worten , und hatte ihn dann nur noch mehr zu meiden gesucht . Nein , wie gesagt , die Grüße bestelle ich nimmermehr . Zur Kathrin wollte ich einmal wieder gehen , wenn ich Zeit hätte , in den nächsten Tagen , und damit fiel mir ein , daß ich schon viel zu lange meinen Brief gelesen habe und nun rasch hinunter müsse . Als ich die Hand auf das