den letzten Besuch des Kaisers in Berlin und Potsdam zurückzurufen . Um was handelte sich ' s ? Nun , anerkanntermaßen um nichts Kleines und Alltägliches , um Abschluß eines Bündnisses auf Leben und Tod , und wirklich , bei Fackellicht trat man in die Gruft Friedrichs des Großen , um sich , über dem Sarge desselben , eine halbmystische Blutsfreundschaft zuzuschwören . Und was geschah unmittelbar danach ? Ehe drei Tage vorüber waren , wußte man , daß der aus der Gruft Friedrichs des Großen glücklich wieder ans Tageslicht gestiegene Kaiser die fünf anerkanntesten beautés des Hofes in ebenso viele Schönheitskategorien gebracht habe : beauté coquette und beauté triviale , beauté céleste und beauté du diable und endlich fünftens › beauté , qui inspire seul du vrai sentiment ‹ . Wobei wohl jeden die Neugier angewandelt haben mag , das Allerhöchste › vrai sentiment ‹ kennenzulernen . « Siebentes Kapitel Ein neuer Gast All diese Sprünge Bülows hatten die Heiterkeit des Prinzen erregt , der denn auch eben mit einem ihm bequem liegenden Capriccio über beauté céleste und beauté du diable beginnen wollte , als er , vom Korridor her , unter dem halb zurückgeschlagenen Portierenteppich , einen ihm wohlbekannten kleinen Herrn von unverkennbaren Künstlerallüren erscheinen und gleich danach eintreten sah . » Ah , Dussek , das ist brav « , begrüßte ihn der Prinz . » Mieux vaut tard que jamais . Rücken Sie ein . Hier . Und nun bitt ich , alles , was an Süßigkeiten noch da ist , in den Bereich unsres Künstlerfreundes bringen zu wollen . Sie finden noch tutti quanti , lieber Dussek . Keine Einwendungen . Aber was trinken Sie ? Sie haben die Wahl . Asti , Montefiascone , Tokayer . « » Irgendeinen Ungar . « » Herben ? « Dussek lächelte . » Törichte Frage « , korrigierte sich der Prinz und fuhr in gesteigerter guter Laune fort : » Aber nun , Dussek , erzählen Sie . Theaterleute haben , die Tugend selber ausgenommen , allerlei Tugenden , und unter diesen auch die der Mitteilsamkeit . Sie bleiben einem auf die Frage › was Neues ‹ selten eine Antwort schuldig . « » Und auch heute nicht , Königliche Hoheit « , antwortete Dussek , der , nachdem er genippt hatte , eben sein Bärtchen putzte . » Nun , so lassen Sie hören . Was schwimmt obenauf ? « » Die ganze Stadt ist in Aufregung . Versteht sich , wenn ich sage › die ganze Stadt ‹ , so mein ich das Theater . « » Das Theater ist die Stadt . Sie sind also gerechtfertigt . Und nun weiter . « » Königliche Hoheit befehlen . Nun denn , wir sind in unsrem Haupt und Führer empfindlich gekränkt worden und haben denn auch aus eben diesem Grunde nicht viel weniger als eine kleine Theateremeute gehabt . Das also , hieß es , seien die neuen Zeiten , das sei das bürgerliche Regiment , das sei der Respekt vor den preußischen › belles lettres et beaux arts ‹ . Eine › Huldigung der Künste ‹ lasse man sich gefallen , aber eine Huldigung gegen die Künste , die sei so fern wie je . « » Lieber Dussek « , unterbrach der Prinz , » Ihre Reflexionen in Ehren . Aber da Sie gerade von Kunst sprechen , so muß ich Sie bitten , die Kunst der Retardierung nicht übertreiben zu wollen . Wenn es also möglich ist , Tatsachen . Um was handelt es sich ? « » Iffland ist gescheitert . Er wird den Orden , von dem die Rede war , nicht erhalten . « Alles lachte , Sander am herzlichsten , und Nostitz skandierte : » Parturiunt montes , nascetur ridiculus mus . « Aber Dussek war in wirklicher Erregung , und diese wuchs noch unter der Heiterkeit seiner Zuhörer . Am meisten verdroß ihn Sander . » Sie lachen , Sander . Und doch trifft es in diesem Kreise nur Sie und mich . Denn gegen wen anders ist die Spitze gerichtet als gegen das Bürgertum überhaupt . « Der Prinz reichte dem Sprecher über den Tisch hin die Hand . » Recht , lieber Dussek . Ich liebe solch Eintreten . Erzählen Sie . Wie kam es ? « » Vor allem ganz unerwartet . Wie ein Blitz aus heitrem Himmel . Königliche Hoheit wissen , daß seit lange von einer Dekorierung die Rede war , und wir freuten uns , alles Künstlerneides vergessend , als ob wir den Orden mitempfangen und mittragen sollten . In der Tat , alles ließ sich gut an , und die › Weihe der Kraft ‹ , für deren Aufführung der Hof sich interessiert , sollte den Anstoß und zugleich die spezielle Gelegenheit geben . Iffland ist Maçon ( auch das ließ uns hoffen ) , die Loge nahm es energisch in die Hand , und die Königin war gewonnen . Und nun doch gescheitert . Eine kleine Sache , werden Sie sagen : aber nein , meine Herren , es ist eine große Sache . Dergleichen ist immer der Strohhalm , an dem man sieht , woher der Wind weht . Und er weht bei uns nach wie vor von der alten Seite her . Chi va piano , va sano , sagt das Sprichwort . Aber im Lande Preußen heißt es › pianissimo ‹ . « » Gescheitert , sagten Sie , Dussek . Aber gescheitert woran ? « » An dem Einfluß der Hofgeneralität . Ich habe Rüchels Namen nennen hören . Er hat den Gelehrten gespielt und darauf hingewiesen , wie niedrig das Histrionentum immer und ewig in der Welt gestanden habe , mit alleiniger Ausnahme der Neronischen Zeiten . Und die könnten doch kein Vorbild sein . Das half . Denn welcher allerchristlichste König will Nero sein oder auch nur seinen Namen hören . Und so wissen wir denn , daß die Sache vorläufig ad acta verwiesen