sich schlecht zusammen . Alle Schuld lähmt . « » Nicht immer . « » Nein , nicht immer . Aber doch meist . Und allemal da , wo das Gesetz schon über ihr ist . « 10. Kapitel Zehntes Kapitel Die Verhaftung Hradschecks erfolgte zehn Tage vor Weihnachten . Jetzt war Mitte Januar , aber die Küstriner Untersuchung rückte nicht von der Stelle , weshalb es in Tschechin und den Nachbardörfern hieß : » Hradscheck werde mit nächstem wieder entlassen werden , weil nichts gegen ihn vorliege . « Ja , man begann auf das Gericht und den Gerichtsdirektor zu schelten , wobei sich ' s selbstverständlich traf , daß alle die , die vorher am leidenschaftlichsten von einer Hinrichtung geträumt hatten , jetzt in Tadeln und Schmähen mit gutem Beispiel vorangingen . Vowinkel hatte viel zu dulden ; kein Zweifel . Am ausgiebigsten in Schmähungen aber war man gegen die Zeugen , und der Angriffe gegen diese wären noch viel mehr gewesen , wenn man nicht gleichzeitig über sie gelacht hätte . Der dumme Ladenjunge , der Ede , so versicherte man sich gegenseitig , könne doch nicht für voll angesehen werden und die Male mit ihren Sommersprossen und ihrem nicht ausgetrunkenen Kaffee womöglich noch weniger . Daß man bei den Hradschecks oft einen wunderbaren Kaffee kriege , das wisse jeder , und wenn alle die , die das durchgetrichterte Zichorienzeug stehnließen , auf Mord und Totschlag hin verklagt und eingezogen werden sollten , so säße bald das halbe Bruch hinter Schloß und Riegel . » Aber Jakob und der alte Mewissen ? « hieß es dann wohl . Indes auch von diesen beiden wollte die plötzlich zugunsten Hradschecks umgestimmte Majorität nichts wissen . Der dußlige Jakob , von dem jetzt so viel gemacht werde , ja , was hab er denn eigentlich beigebracht ? Doch nichts weiter als das ewige » He wihr so ' n beten still . « Aber du lieber Himmel , wer habe denn Lust , um Klock fünf und bei steifem Südost einen langen Schnack zu machen ? Und nun gar der alte Mewissen , der , solang er lebe , den Himmel für einen Dudelsack angesehen habe ? Wahrhaftig , der könne viel sagen , eh man ' s zu glauben brauche . » Mit einem karierten Tuch über dem Kopf . Und wenn ' s kein kariertes Tuch gewesen , dann sei ' s eine Pferdedecke gewesen . « Oh , du himmlische Güte ! Mit einer Pferdedecke ! Die Hradscheck mit einer Pferdedecke ! Gibt es Pferdedecken ohne Flöhe ? Nein . Und nun gar diese schnippsche Prise , die sich ewig mit ihrem türkischen Shawl herumziert und noch ötepotöter is als die Reitweinsche Gräfin ! So ging das Gerede , das sich , an und für sich schon günstig genug für Hradscheck , in Folge kleiner Vorkommnisse mit jedem neuen Tage günstiger gestaltete . Darunter war eins von besondrer Wirkung . Und zwar das folgende . Heiligabend war ein Brief Hradschecks bei Eccelius eingetroffen , worin es hieß : » es ging ' ihm gut , weshalb er sich auch freuen würde , wenn seine Frau zum Fest herüberkommen und eine Viertelstunde mit ihm plaudern wolle ; Vowinkel hab es eigens gestattet , versteht sich , in Gegenwart von Zeugen « . So die briefliche Mitteilung , auf welche Frau Hradscheck , als sie durch Eccelius davon gehört , diesem letzteren sofort geantwortet hatte : » Sie werde diese Reise nicht machen , weil sie nicht wisse , wie sie sich ihrem Manne gegenüber zu benehmen habe . Wenn er schuldig sei , so sei sie für immer von ihm geschieden , einmal um ihrer selbst , aber mehr noch um ihrer Familie willen . Sie wolle daher lieber zum Abendmahl gehn und ihre Sache vor Gott tragen und bei der Gelegenheit den Himmel inständigst bitten , ihres Mannes Unschuld recht bald an den Tag zu bringen . « So was hörten die Tschechiner gern , die sämtlich höchst unfromm waren , aber nach Art der meisten Unfrommen einen ungeheuren Respekt vor jedem hatten , der » lieber zum Abendmahl gehn und seine Sache vor Gott tragen « als nach Küstrin hin reisen wollte . Kurzum , alles stand gut , und es hätte sich von einer totalen » Rückeroberung « des dem Inhaftierten anfangs durchaus abgeneigten Dorfes sprechen lassen , wenn nicht ein Unerschütterlicher gewesen wäre , der , sobald Hradschecks Unschuld behauptet wurde , regelmäßig versicherte : » Hradscheck ? Den kenn ich . Der muß ans Messer . « Dieser Unerschütterliche war niemand Geringeres als Gensdarm Geelhaar , eine sehr wichtige Person im Dorf , auf deren Autorität hin die Mehrheit sofort geschworen hätte , wenn ihr nicht seine bittre Feindschaft gegen Hradscheck und die kleinliche Veranlassung dazu bekannt gewesen wäre . Geelhaar , guter Gensdarm , aber noch besserer Saufaus , war , um Kognaks und Rums willen , durch viele Jahre hin ein Intimus bei Hradscheck gewesen , bis dieser eines Tages , des ewigen Gratis-Einschenkens müde , mit mehr Übermut als Klugheit gesagt hatte : » Hören Sie , Geelhaar , Rum ist gut . Aber Rum kann einen auch rumbringen . « Auf welche Provokation hin ( Hradscheck liebte dergleichen Witze ) der sich nun plötzlich aufs hohe Pferd setzende Geelhaar mit hochrotem Gesicht geantwortet hatte : » Gewiß , Herr Hradscheck . Was kann einen nich alles rumbringen ? Den einen dies , den andern das . Und mit Ihnen , mein lieber Herr , is auch noch nicht aller Tage Abend . « Von der aus diesem Zwiegespräch entstandenen Feindschaft wußte das ganze Dorf , und so kam es , daß man nicht viel darauf gab und im wesentlichen bloß lachte , wenn Geelhaar zum hundertsten Male versicherte : » Der ? Der muß ans Messer . « » Der muß ans Messer « , sagte Geelhaar , aber in Tschechin hieß es mit jedem Tage mehr : »