als sie mit Gerdt allein im Zimmer war , sah sie nach und sagte , während sie sich verfärbte : » Sieh und lies ! « Und er nahm nun selber das Buch und las und lachte vor sich hin , wie wenn er sich ihrer Niederlage freue . Denn seine hämische Natur kannte nichts Liebres als den Ärger andrer Leute , seine Frau nicht ausgenommen . Zwischen dieser aber und Greten unterblieb jedes Wort , und als der Fasching kam , den die Stadt diesmal ausnahmsweise prächtig mit Aufzügen und allerlei Mummenschanz feierte , schien der Zwischenfall vergessen . Und auch um Ostern , als sich alles zu dem herkömmlichen großen Kirchgang rüstete , hütete sich Trud wohl , nach dem Buche zu fragen . Wußte sie doch , daß es Gret unter dem Weißzeug ihrer Truhe versteckt hatte . Denn sie mocht es nicht sehen . 11. Kapitel . Der Herr Kurfürst kommt Elftes Kapitel Der Herr Kurfürst kommt Und nun war Hochsommerzeit ( der längste Tag schon um vier Wochen vorüber ) , und die Bürger , wenn sie spätabends aus dem Rathauskeller heimgingen , versicherten einander , was übrigens niemand bestritt , » daß die Tage schon wieder kürzer würden « . Da kam an einem Mittewochen plötzlich die Nachricht in die Stadt , daß der allergnädigste Herr Kurfürst einzutreffen und einen Tag und eine Nacht auf seiner Burg Tangermünde zuzubringen gedenke . Das gab ein großes Aufsehen und noch mehr der Unruhe , weilen der Herr Kurfürst in eben jenen Tagen nicht bloß von seinem lutherischen Glauben zum reformierten übergetreten , sondern auch in Folge dieses Übertritts die Veranlassung zu großer Mißstimmung und der Gegenstand allerheftigster Angriffe von seiten der tangermündischen Hitzköpfe geworden war . Und nun kam er selbst , und während viele der nur zu begründeten Sorge lebten , um ihrer ungebührlichen und lästerlichen Rede willen zur Rechenschaft gezogen zu werden , waren andere , ihres Glaubens und Gewissens halber , in tiefer und ernster Bedrängnis . Unter ihnen Gigas . Und diese Bedrängnis wuchs noch , als ihm am Nachmittage vorerwähnten Mittewochens durch einen Herrn vom Hofe vermeldet wurde , daß Seine Kurfürstliche Durchlaucht um die siebente Morgenstunde zu Sankt Stephan vorzusprechen und daselbst eine Frühpredigt zu hören gedächten . Wie dem hohen Herrn begegnen ? Dem Abtrünnigen , der vielleicht alles in Stadt und Land zu Abfall und Untreue heranzwingen wollte ! Und so mutig Gigas war , es kam ihm doch ein Bangen und eine Schwachheit an . Aber er betete sich durch , und als der andre Morgen da war , stieg er , ohne Menschenfurcht , die kleine Kanzeltreppe hinauf und predigte über das Wort des Heilands : » Gebet dem Kaiser , was des Kaisers , und Gott , was Gottes ist . « Und siehe da , die holzgeschnitzte Taube des Heiligen Geistes hatte nicht vergeblich über ihm geschwebt , und der Herr Kurfürst , nachdem er entblößten Hauptes und » mit absonderer Aufmerksamkeit « der Predigt gefolget war , hatte nach Schluß derselben ihm danken und ihn zu weiterer Besprechung auf seine Burg entbieten lassen . Und hier nun , wie die Chronisten melden , war Seine Kurfürstliche Durchlaucht dem festen und glaubenstreuen Manne nicht nur um einen Schritt oder zwei zu freundlicher Begrüßung entgegengegangen , sondern hatte demselben auch unter freiem Himmel , und in Gegenwart vieler Herren vom Adel , an Eides Statt zugesichert : » daß er seine von Gott ihm anbefohlenen Untertanen bei dem Worte Lutheri Augsburgischer Konfession belassen , eines jeden Person auch in der Freiheit seines Glaubens und Gewissens schützen wolle , in eben jener Freiheit , um derentwillen er für seine Person das Bekenntnis der beständig hadernden Lutherischen abgetan und den reformierten Glauben angenommen habe « . Und als diese zu größerem Teile trostreiche Rede , über deren schmerzlichen Ausklang Gigas klug hinwegzuhören verstand , an Burgemeister und Rat überbracht worden war , waren Peter Guntz und die Ratmannen , dazu die Geistlichen und Rectores aller fünf Kirchen , auf der Burg erschienen , um , nach abgestattetem Dank und wiederholter Versicherung unverbrüchlicher Treue , den Herrn Kurfürsten um die Gunst anzugehen , ihm ein festlich Mahl herrichten zu dürfen . Aber in der Halle seiner eigenen Burg , dieweilen ihre Rathaushalle zu klein sei , um die reiche Zahl der Gäste zu fassen . Und alles war angenommen worden und hatte die Stadt um so mehr erfreut und beglückt , als bei gnädiger Entlassung der Sprecher , unter denen sich auch Gerdt in vorderster Reihe befunden , seitens Seiner Kurfürstlichen Durchlaucht der Hoffnung Ausdruck gegeben worden war , die sittigen und ehrbaren Frauen der Stadt auf seiner Burg mit erscheinen und an dem Festmahle teilnehmen zu sehn . Und nun war dieses Mahl , unter freundlichem Bei stand aller Dienerschaften des hohen Herrn , in kürzester Frist hergerichtet worden , und um die vierte Stunde bewegte sich der Zug der Geladenen , Männer und Frauen , die Lange Straße hinab , zur Burg hinauf . Die kleineren Bürgerfrauen aber , die von der Festlichkeit ausgeschlossen waren , sahen ihnen neidisch und spöttisch nach , und nicht zum wenigsten , als Trud und Emrentz an ihnen vorüberzogen . Denn beide waren absonderlich reich und prächtig gekleidet , in Ketten und hohen Krausen , und Emrentz , aller Julihitze zum Trotz , hatte sich ihr mit Hermelinpelz besetztes Mäntelchen nicht versagen können . Truds Kleid aber stand steif und feierlich um sie her und bewegte sich kaum , als sie , zur Rechten ihrer Muhme , die Straße hinunterschritt . Und nun war alles oben , das Mahl begann , und die gotischen Fenster mit ihren kleinen , buntglasigen und vielhundertfältig in Blei gefaßten Scheibchen standen nach Floß und Hof hin weit offen , und die Gäste , solang es drin ein Schweigen gab , hörten von den Zweigen des draußenstehenden Nußbaums her das Jubilieren der Vögel . Aber nicht immer schwieg es drinnen , Trinkspruch reihte sich an