grotesken Form beherrschte , ein mächtiger Schreibtisch . Zu gigantischen Frauenbrüsten wölbten sich seine geschnitzten Laden , um die Schlangen und Eidechsen sich ringelten und schmiegten , die spitzen Zünglein saugend an der harten Kuppe . Nur die Phantasie eines Wahnsinnigen konnte dieses monströse Werk geschaffen haben . Ein dunkler Blick aus Konrads Augen traf Giovanni , fragend , fast vorwurfsvoll . » Fennrich war Bildhauer , Herr Baron , « sagte der unterwürfig , und mit leisem Kichern und vielsagendem Augenaufschlag : » die Frau sein Modell ; « dann hob er den grünen Teppich : » Das Schlafzimmer . « Hier schien alles weiß und glatt und kühl . » Es ist gut , « nickte Konrad müde , um gleich darauf , als besänne er sich , in hellerem Tone fortzufahren : » Du bist und bleibst ein Hexenmeister , Giovanni . Hab ' Dank . Ich hätte dergleichen nie gefunden . Doch hast du für dich gesorgt ? « Der Alte öffnete eine Tapetentür : » Hier ! « Konrad sah in einen schmalen Raum , dessen Wände mit Kränzen und welken Blumen behängt waren wie eine Totenkammer . » So wirf doch zuerst das Zeug heraus , « sagte er ärgerlich . Giovanni schien nicht hinzuhören . Er fuhr mit der Hand wie kosend über die raschelnden Blätter . » Die Sehnsucht meiner Jugend war ' s , einmal unter solchen Trophäen zu schlafen . Daß es die Zeugen der Triumphe einer toten Tänzerin sind , was tut ' s ? ! « Und er lachte leise . » Das alles - ist auch von ihr ? « frug Konrad , indes seine Augen von irgendeiner dunklen Erinnerung gebannt an den Seidenfetzen hingen , die aus der alten Truhe neben dem Bette hervorquollen . » Das ? ! « Des alten Mannes Stimme überschlug sich , um dann zur Tonlosigkeit herabzusinken . » Das ? ! « Er zog den Anzug ganz hervor : ein Pierrotkostüm , vergilbt vom Alter , die Ärmel zerrissen , mit großen grauen Flecken besäet , an vielen Stellen wie von der ätzenden Farbe zerfressen . » Darin tanzte ich , als Monna Lavinia starb ... Gute Nacht ! « Konrad war , als ob er dem Eindruck entfliehen müsse , in das Zimmer mit den Teppichen und den Fratzen zurückgekehrt . Gedankenlos öffnete er die Schränke und Laden . Da stand und lag in guter Ordnung , was er von Hochseß und Bamberg mitgenommen hatte und vielerlei liebgewonnene heimatliche Dinge daneben , die seine Gedanken dankbar und gerührt zu der alten weißhaarigen Frau wandern ließen , deren Güte und Treue noch immer seines Herzens einziger Reichtum war . Er wollte ihr schreiben - gleich , heute noch , dachte er in überquellender Empfindung . Er suchte sein Briefpapier , das mit dem Wappen , der roten Rose im silbernen Felde , und griff nach der Lade des Sekretärs . Um den aufwärts gerichteten Schlangenleib legten sich seine Finger und berührten das seidenglatte gewölbte Holz darunter . Es war ganz kühl ; seine Hand aber war sehr heiß ; er drückte ihre ganze Fläche dagegen , dann lehnte er sich in den Stuhl zurück , und seine Finger glitten träumerisch streichelnd über das Holz . Und wärmer und weicher wurde es . Seine Gedanken verwirrten sich . Alles Erlebte wirbelte in wüstem Reigen um seinen heißen Kopf : Berlin - das Weib im weißen Wagen - Wanda , die Wirtin - Er riß die Augen auf - krampfhaft , gewaltsam . Daß es ihn stets aufs neue packte ! Daß das heimlich schwelende Feuer seiner Sinne immer wieder auflodernd über ihm zusammenschlug ! Aber er wollte nicht daran verbrennen - wollte nicht ! Nur seine Kraft entzünden und seinen Willen . Er reckte sich gerade auf , um im nächsten Augenblick wieder müde zusammenzusinken ; das » Warum ? « , das » Wofür ? « drückte ihn mit Zentnerschwere nieder . Da , - wer hatte ihm diesen Streich gespielt ? - stand das Bild seines Vaters vor ihm auf dem Schreibtisch , ein Gesicht , kraftstrotzend , lebenslustig , mit dem Siegerlächeln in den lachenden Augen . Noch lagen seine Finger auf der Wölbung der Lade , doch ihm schien , als fasse er Stellen , die rauh , andere , die klebrig waren . Er bückte sich , die elektrische Lampe herunterziehend : die braune Beize war vielfach abgerieben - von allzu vielen Händen gestreichelt - betastet - Ein Frösteln durchlief seinen Körper . Er sah das Zimmer wieder vor sich mit den roten Plüschsofas , den Rokokostühlchen und der Batterie geleerter Flaschen auf dem Tisch - das Zimmer , in das sie ihn , den halb Betrunkenen , gröhlend geschleppt hatten : » Weil er ein Mann werden sollte - « Er sprang auf , von Ekel geschüttelt . So mochte auch sein Vater zum Manne geworden sein ! Er riß das Fenster auf : Die Kuppel der Sternwarte leuchtete noch immer einsam durch die Herbstnacht . An ihren Glaswänden zeichnete sich der Schatten eines großen , dunklen Rohres ab und dann der eines Mannes . Das Licht erlosch : Dort drüben saß nun wohl ein stiller Forscher und erhob sich zu den Sternen . Mit kühler Hand strich die Nacht über Konrads Stirne . Tiefe Ruhe überkam ihn . Auch er wollte neue Welten suchen und im Dunkel dem Lichte nachgehen . Aufatmend wühlte er sich in die weißen Kissen . Und das ferne leise Weinen eines Kindes sang ihn ein . Drittes Kapitel Vom Suchen nach Erkenntnis , und von der kleinen Gina Vollendung Gleich am nächsten Tage - er konnte den Beginn seines Studiums kaum mehr erwarten - besuchte er einen der Professoren , an die er empfohlen worden war , und dessen Rat er einzuholen gedachte . Der alte Herr stellte ihn gleich nach der Begrüßung vor die Frage , auf welchen Beruf er sich vorzubereiten wünsche . » Darauf soll mir