. « » Herrgott , das ist doch etwas anderes . « » O nein , ganz dasselbe . Aber zu jedem Beruf gehören ausgesprochene Fähigkeiten und Glück , wenn es etwas Richtiges werden soll . « » Nun , was das Glück betrifft ... « » Nein , ich habe nur in der Liebe Glück , im Spiel versagt es . « » Was versteht man eigentlich unter Glück in der Liebe ? « » O ... ich denke , daß man oft geliebt wird und immer den bekommt , den man haben will . « » Haben Sie nie eine unglückliche Liebe gehabt ? « » Nein . Sie liegt mir auch nicht , und ich kann sie mir beim besten Willen nicht vorstellen . « » Lieber Gott , Sie müssen doch ungeheuer zufrieden mit Ihrem Schicksal sein . « » Sicher , ich bin ganz verliebt in mein Schicksal . In dieser Beziehung benahm es sich tadellos , aber dafür habe ich in anderen Dingen unerhörtes Pech . « » Wieso ? « » Ich empfinde es beispielsweise als Schikane , daß ich nicht in Geld und Luxus schwimme . « » Aber , teure Frau , dafür haben Sie doch in Ihrem Empfindungsleben den unerhörtesten Luxus getrieben ... « » Ach , Sie sind und bleiben ein Dichter - es war auch alles sehr schön , aber ich fange an , mich nach Seelenschmerzen und einem Bankkonto zu sehnen . « » Und der Rasta macht Ihnen keine Seelenschmerzen ? « » Nein , das ist es ja gerade - deshalb bin ich auch so besorgt um das Bankkonto . Man wird abergläubisch . « » Wissen Sie , ich glaube , Sie haben zuviel Persönlichkeit , um auf diesem Wege ... « » Lieber einziger Dichter , mit Persönlichkeit können Sie mich die Wände hinaufjagen . Ich breche jeden Verkehr mit Ihnen ab , wenn Sie das noch einmal sagen . « » Aber warum denn ? « » Weil es die ärgste Geschmacklosigkeit ist , die man einer Frau sagen kann - eine Redensart , die nur Reformmänner in den Mund nehmen . Merken Sie sich das . « » Ich will ' s gewiß nicht wieder tun , aber dann nennen Sie mich , bitte , auch nicht mehr Dichter , das ist sicher ebenso kränkend . « » Schön , also Bobby - oder ist das Sir Johns Privilegium ? Bobby klingt ganz hübsch - verzogen und aus guter Familie ... « Der Dichter küßt mir die Hand . - Pause . » Darf ich noch etwas fragen ? « » Bitte ... « » Warum sind Sie nicht irgend etwas anderes geworden ? Sie haben doch so viele Fähigkeiten ? « » Ich hab ' s versucht , Bobby , aber es ist immer dieselbe Geschichte . Theater zum Beispiel - der bloße Gedanke , daß ich irgendwohin gehen muß , wenn ich gerade keine Lust habe , macht mich krank . Beruf ist etwas , woran man stirbt . « Bobby denkt nach . » Warum schreiben Sie nicht ? Sie haben doch so viel erlebt und können gut erzählen . « » Daran habe ich auch schon gedacht , aber es hat so viel peinlichen Beigeschmack - eine schreibende Frau - schrecklich . Denken Sie nur , alle Leute , die man nicht kennt , taxieren einen auf geistige Interessen und dergleichen . Sonst hätte es vielleicht etwas für sich : man brauchte nur eine Füllfeder und einen guten Diwan - nein , ich müßte auch einen Kompagnon haben , sonst wäre es doch wieder langweilig und anstrengend . « » Der Kompagnon steht zur Verfügung . « » Wenn alle Stränge reißen , werde ich Sie beim Wort nehmen , Bobby . Aber jetzt müssen Sie mich heimbegleiten . Pedro wartet . « » Immer Pedro ! Und wann sehe ich Sie wieder ? « » Wenn Pedro nicht auf mich wartet . « Und darauf muß ich auch Sie heute vertrösten , lieber Doktor . Pedro wartet immer - es ist , weiß Gott , auch das ein hartes Brot ! Das war Montag - erst heute komme ich dazu weiterzuschreiben . Ich hoffe , Sie gewöhnen sich allmählich daran . Eben habe ich die ganze Gesellschaft spazieren geschickt . Die ganze Gesellschaft ? - Ja , wir sind neuerdings zum Ensemble geworden . Es ist ein ganz wohltuender Zustand . Wie ich Ihnen schon einmal sagte - ich fing in der letzten Zeit an , mich mit meinem Vesuv beträchtlich zu langweilen . Er war eben zu glücklich , und solch ein wolkenloses Glück in beständigem tete-a-tete , das geht nicht auf die Länge . Durch meine Seitensprünge zu den beiden anderen wurde es denn auch vorübergehend verdüstert . Der Vesuv grollte über meine häufigen Abwesenheiten und wurde mißtrauisch , als ich neulich schon wieder für einen Nachmittag Urlaub nahm - diesmal um alte Bekannte zu treffen . Die bisherigen Vorwände waren schon etwas zu fadenscheinig . Er grollte , und der Chauffeur beglückte mein Herz zum erstenmal durch einen wohlwollenden Blick . Bei Sir John war eine kleine Gesellschaft , und der Nachmittag dehnte sich ziemlich aus - bis zwei Uhr nachts . Als ich in mein Hotel zurückkam , wanderte der Sizilianer vor der Tür auf und ab - allein - zu Fuß - zornig und dramatisch . Es erfolgte eine animierte Zwiesprache , und ich benutzte den nächsten Tag , um beleidigt von der Bildfläche zu verschwinden und mit Johns Gesellschaft , die noch vollzählig beisammen war , in die Campagna zu flüchten . Als ich diesmal nach Hause kam , fand ich ihn wieder vor , aber blaß und melancholisch . Der Chauffeur dagegen stand mit gütiger Miene an der Haustür . Beide hatten wohl gedacht , ich sei endgültig verschwunden . Wir versöhnten uns wieder , und ich habe alles , was sich für seine Ohren eignete , gestanden .