sind die Wilddiebe hinter ihnen her in letzter Zeit , die Racker . Nun denk ' ich , ich werd ' mal nachsehen . Ich steh ' auf und geh ' ins Revier . So nach eins kann es gewesen sein . Gefroren hatte es ein bißchen , das Moos krachte so beim Gehen . Heute werden die Hasen nicht festliegen , denk ' ich . Und wie ich zur Galgenbrücke komme , denk ' ich , ich setz ' mich hin und rauche eine Pfeife . Und wie ich sitz ' und rauch ' , da seh ' ich vor mich hin , und da seh ' ich , über die Brücke geht eine Spur - eine frische Schlittenspur . Die Bretter waren weiß vom Reif und - eine Spur . Da ist einer gefahren , siehst du mal an ! Von der Sielenschen Seit ' nach der Dumalaschen . Das kann nur der Teufel sein . Ich sitz ' und denk ' : der muß Eile gehabt haben , auf dem kürzesten Wege nach Dumala zu kommen . Und richtig , da kommt was von der Dumalaschen Seite , den kleinen Weg hinauf . Kommt still , still , ohne Schellen , ein großes , schwarzes Pferd und ein Schlitten , und drin sitzt der Sielensche Baron , der Bart weht nur so . Neben ihm der kleine Diener , die kleine Kröte , der schläft fest . So kommen sie , gerade auf die Brücke los und rauf und auf das Pferd losgeschlagen und hinüber , wie ein Blitz und fort , den kleinen Weg nach Schloß Sielen . Ist ' s nu der Baron gewesen oder ist ' s der Teufel gewesen . Fährt der über die Galgenbrücke ! « » Betrunkener Kerl « , sagte Werner heiser , » was du gesehen hast ! « » Ganz gut , Herr Pastor « , erzählte Erman weiter . » Das sagt ' ich mir auch den anderen Morgen . Na , und die nächste Nacht geh ' ich um dieselbe Zeit und sitz ' dort und rauch ' und warte . ja , und da kommt es wieder den kleinen Weg nach Dumala herauf . Das schwarze Pferd , und der schwarze Herr sitzt im Schlitten , der Bart weht , und der kleine Diener schläft . Ich sah alles hübsch deutlich . Und wieder über die Galgenbrücke herüber . Der Diener wacht nicht auf , und die Bretter knacken , ganz schwindlig wird mir ' s , nun und da sind sie hinüber und fort . Mit dem ist ' s nicht richtig , mit dem schwarzen Baron . Über die Galgenbrücke - Gottchen ! « » Nach ein Uhr ? « fragte Werner . » Ja , so was wird ' s wohl gewesen sein « , meinte Erman . Werner stand einen Augenblick schweigend da , sehr bleich und nagte an seiner Unterlippe . » So über die verfaulten Bretter « , erzählte Erman weiter , » unten gurgelt das Wasser . Ist das ein Gespenst , denk ' ich ! Du gehst , denk ' ich mir , und schaust dir die Spur an . Gespenster haben keine Spur . Und richtig , eine gute Schlittenspur . Sie geht , - geht , den kleinen Weg nach Dumala runter , bis an die hintere Pforte des Gartengitters - und da hinein . Die Pforte war zu , aber nun wußt ' ich , wo er war . Was er da zu tun hat , das ist nicht meine Sache . Aber der hat Eile . Über die verfaulten Bretter ! « Werner hatte ganz still zugehört . » Über die verfaulten Bretter « , wiederholte Erman unsicher . Es war ihm unheimlich , daß der Pastor so stumm und bleich dasaß . » Du verdammter , besoffener Kerl « , donnerte Werner plötzlich los . Er war aufgesprungen , packte den erschrockenen Erman an die Brust , schüttelte ihn , als sei er ein Bündel Lumpen . » Was schwatzest du hier ? Bin ich dein Narr , daß du mir deine besoffenen Geschichten , deine verdammten Schnapsgeschichten vorerzählst ? « Und er schüttelte ihn , hob ihn in die Höhe , am liebsten hätte er ihn gegen die Wand geworfen , daß ihm alle Knochen brachen ... dann plötzlich ließ er ihn los , wandte sich ab . » Geh ! « - sagte er . Erman wimmerte leise : » Ach Gottchen , Gottchen . Was kann ich dafür ! Meinetwegen kann der schwarze Baron sich auf der Galgenbrücke den Hals brechen . Ein armer Mann trinkt Schnaps . Das ist Sünde , sagt der Herr Pastor . Herrschaften haben wieder ihre Sachen . Na , wenn einer Augen hat , sieht er mal was . Da kann ich nichts dafür . « So vor sich hinbrummend , schob er sich langsam zur Tür hinaus . Werner saß regungslos auf dem Sessel am Schreibtisch die langen Nachmittagsstunden hindurch . Vor ihm lag ein Kontobuch aufgeschlagen . Die Sonne ging unter . Rote Abendlichter zogen über die Wand . Die Blätter des Kontobuches wurden rot . Werners Bart flammte rotgolden auf . Dann verblaßten und erloschen die Lichter . Die Dämmerung fiel wie feiner Aschenregen auf die Gegenstände . Lene ging draußen ab und zu . Es roch nach Kaffee . Lene steckte den Kopf durch die Türe : » Kommst du ? « fragte sie . » Nein , trink nur allein den Kaffee « , erwiderte Werner , » ich will die Arbeit hier beenden . « Und die ganze Zeit über war es ein einziger Gedanke , der in ihm arbeitete , eintönig und eigensinnig sich wiederholte : » Gewißheit - wie kannst du Gewißheit haben ? « Dieser Gedanke schmerzte , als sei die Gewißheit schon da , ein zorniger , dumpfer Schmerz , an dem sein ganzer , großer Körper teil hatte , als sei etwas