scharf über die Kirchhofmauer hinüber . Und siehe da , er bemerkte ein Geschehnis , welches ihn so erregte , daß sich seine Stirne rötete . Er hielt inne mit seinem Gesange , und alle , die um ihn standen , drängten sich näher heran und schauten . In dem grünen Rasen , unter welchem das Heidenkind verscharrt war , steckte ein roh gezimmertes Kreuz , und daran hing ein kleiner Kranz . Der Pfarrer glaubte nicht , daß dies etwa durch ein Wunder geschehen war , und er hatte recht hierin . Denn das Kreuz war vom Knechte des Schuller in aller Eile verfertigt worden , und die Bäuerin hatte es den Abend vor Allerseelen auf das Grab des kleinen Heiden gesteckt . Niemand wußte darum ; die Schullerin hatte das Kreuz unter ihre Schürze versteckt und war auf Umwegen in den Friedhof gegangen . An dem Tage , wo man aller Verstorbenen gedachte , erinnerte sie sich des kleinen Kindes , das sie unter dem Herzen getragen und doch kaum mit Augen gesehen hatte . Es war Fleisch von ihrem Fleische , wenn es auch abseits lag von den katholischen Christen , und sie meinte , irgend etwas müsse an sein Dasein erinnern . Sie wählte das Zeichen des Kreuzes und dachte in ihrer Einfalt nicht , daß sie damit den lieben Gott beleidigte . Es erging ihr wie dem Könige Ozias , von dem geschrieben steht , daß er Weihrauch vor dem Herrn anzünden wollte . Und die Priester zürnten ihm darum und sagten : » Es ist nicht deines Amtes , Ozias , sondern der Priester , welche geweiht sind zu diesem Dienste . Hebe dich hinweg , denn dies wird dir nicht zur Ehre gerechnet vor Gott dem Herrn ! « Auch Pfarrer Baustätter ergrimmte , als er sah , wie man hier in sein heiliges Amt eingegriffen hatte . Er eilte mit raschen Schritten hinweg , und Sitzberger folgte ihm . Wie sie voll Eifers und Rachedurstes dahingingen , daß ihre Chorröcke flogen und im Winde flatterten , sahen sie aus wie die zürnenden Priester , welche vorzeiten den König Ozias zum Tempel hinausgeworfen hatten . Sie liefen um die Mauer herum und traten auf das Grab des Heidenkindes . Baustätter faßte das Kreuz und riß es heraus , dann zerbrach er es über dem Knie und warf die Stücke weg . Die Menge stand Kopf an Kopf und schaute zu . Den Weibern ging es an die Herzen . Sie bekreuzten sich und blickten scheu zu der Schullerin hinüber , die sich keinen Rat wußte und jämmerlich weinte . Von den Männern fühlten wohl einige , daß dieser Priester widerlich war , der sich so aufgeregt gebärdete , und dem dabei der weibische Rock an die Waden schlug . Als Baustätter wieder im Friedhofe stand , entblößte er sein Haupt und sprach : » Andächtige Christenversammlung ! Ich war es denen , die in Christo dem Herrn verstarben und welche hier unter dem Zeichen des heiligen Kreuzes ruhen , schuldig , daß ich die frevelhafte Nachbildung dieses Zeichens aus dem geweihten Boden entfernte . Es ist schmerzlich , eine solche Pflicht zu erfüllen , aber es ist notwendig . Amen . « Der Schuller stand nicht unter den Leuten , als das geistliche Gericht erging , und seine Bäuerin wollte ihm nichts sagen . Aber den Frauenzimmern kann man ein Geheimnis leicht abschauen . Sie zeigen nichts auffälliger als das , was sie verbergen wollen . Wie die Schullerin die Stubentüre öffnete und den Bauern auf der Ofenbank sitzen sah , fuhr sie zurück und hob im Hausgange ein verdächtiges Wispern mit ihrer Tochter an . Alle zwei flüchteten in die Küche . Der Schuller ging ihnen nach . » Was geit ' s denn ? « fragte er . » Nix . Was soll ' s denn geb ' n ? « » Für was bischt denn so z ' ruck ' sprunga vo da Tür ? « - » I ? « » Ja ! Hat ' s wieder was geben in da Kircha ? « Die Schullerin wurde kleinmütig und erzählte alles . Aber ihre Angst war überflüssig . Der Bauer hörte sie ruhig an , und er sagte bloß : » Dir is g ' rad recht g ' schehg ' n. « » I bin do gar nix vermoant g ' wen ! « » Weil du nia nix denkst . « » A ganz a kloans Kreuzel , dös ko do neamd im Weg umgeh ' ! I ho do gar nix g ' moant . « » Geh zua ! « » Da tat ' st du sag ' n , es g ' schiecht mir g ' rad recht . Es is do nix Schlecht ' s , bal ma woaß , daß net grad a Hund dort liegt ! « » Geh zua , sag i ! Laaf du an Pfaffen it nach ! Nacha ko er dir nix toa . « Der Schuller drehte sich um und ging . Er war nicht so ruhig , wie er sich gab , aber die Bäuerin brauchte das nicht zu wissen . Wenn er dabei gewesen wäre , wie sie herumtrampelten auf dem Grabe , vielleicht hätte er den Menschen gepackt , und hätt ' er ihn gehabt , es wär ' ihm nicht gut gegangen . Und dann wär ' er selber unglücklich geworden , vielleicht für sein ganzes Leben . Das war der wert ! » Geh ' zua ! « Einige Tage nach Allerseelen kamen die Lehrer der benachbarten Gemeinden in Aufhausen zusammen ; es war ein alter Brauch , sich in jedem Monate einmal zu sehen , und über Beruf und andere Dinge zu reden . Diesmal war es ziemlich lebhaft geworden , und Herr Stegmüller hatte über vieles nachzudenken , als er den Weblinger Feldweg entlang schritt . » Welche Haltung sollen wir bei den Gemeindewahlen beobachten ? « Über diese