Hinaus mit ihm und den Lichtern , die seinen Begleitern verraten , daß sein Vorhaben schlecht abgelaufen ist ! « Aber noch ehe man dieser Weisung nachgekommen war , traten die Folgen dieser plötzlichen Erleuchtung der Halle ein : Auf dem Vorplatze ließen sich laute Schritte hören , hierauf einige unterdrückte Rufe . Nun wurde es wieder still . Dann kam einer der dortigen Dschamikun die Stufen herauf und meldete : » Sie sind ergriffen worden . Als sie die Lichter sahen , wollten sie schnell fort . Da nahmen wir sie fest ! « » Bringt sie uns ! « sagte ich . » Ihr findet uns im Gange dort hinter der Thür . « » Dürfen wir nicht hier bleiben , da wir sie nun doch haben ? « fragte der Pedehr . » Nein , « antwortete ich . » Die plötzliche Helligkeit dieses Raumes , auf den es abgesehen war , muß dem Perser , der sich bei den Pferden befindet , auffallen und ihn warnen . Schicke schnell deine Leute hinab , um auch ihn festnehmen zu lassen ! Der junge Dschamiki , welcher weiß , wo der Ort liegt , mag sie führen ! « Während der Pedehr dieser Weisung folgte , wurde der Gefesselte hinausgetragen und die Thür hinter uns allen zugemacht , so daß es in der Halle nun wieder finster war . Erst jetzt fand ich Zeit , das Gesicht des Gefangenen zu betrachten . Wir hatten den Richtigen - - Ghulam el Multasim . Er lag mit geschlossenen Augen da . War er besinnungslos , oder stellte er sich nur so ? Es giebt Menschen , welche zwar den Mut des gehässigen Angriffes besitzen , weil sie zu thöricht sind , die Folgen zu bedenken , und dann , wenn diese eintreten , die Augen zumachen , als ob das genüge , die wohlverdiente und unvermeidliche Strafe von sich abzuwenden . Was äußerlich dem Mute ähnlich war , ist dann in seiner eigentlichen Gestalt als Feigheit zu erkennen . Jetzt brachte man seine beiden Genossen zu uns ; auch sie waren gebunden . Sie hatten die abgelegten Kleider des Bluträchers bei sich gehabt , auch seine Pistolen . Er war nur mit dem Messer versehen gewesen . Dieses war ihm aus der Hand entfallen , als er von Kara beim Halse genommen worden war . Der Pedehr hatte es aufgehoben und zeigte es mir . » Das ist die Klinge , mit welcher die Rose aufgebrochen werden sollte , « sagte er . » Was soll mit diesen drei Menschen geschehen , Effendi ? « » Wer hat darüber zu bestimmen ? « erkundigte ich mich . » Natürlich du . Der Angriff war ja gegen dich geplant . « » Wird man das auch wirklich ausführen , was ich bestimme ? « » Gewiß ! « Als ich auch dem Ustad einen fragenden Blick zuwarf , erklärte dieser , seinem Scheike beistimmend : » Es ist uns jeder verfallen , der sich ohne unsere Erlaubnis hier mit der Waffe treffen läßt . Aber wir pflegen nicht zu töten . Es ist zwischen uns und dem Multasim ausgemacht worden , daß die Frage der Rache , welche ihn hiehergeführt hat , durch das Wettrennen beantwortet werden soll . Hast du mit ihm ein heimliches Abkommen getroffen , so geht das uns nichts an . Er erhalte die Folgen davon aus deiner Hand . Ich könnte ihn zwar dafür bestrafen , daß er sich mit dem Messer trotz unserer Vereinbarung in mein Haus geschlichen hat , trete aber dieses Recht hiermit an dich ab , Effendi . Thue mit ihm und seinen Helfershelfern , was dir beliebt . Er sei ganz nur in deine Hand gegeben ! « » So schafft diese drei Menschen einstweilen so , wie sie hier sind , zu den andern Gefangenen hinüber in das Gewölbe , und laßt sie dort bewachen ! Morgen , wenn es Tag geworden ist , werden sie erfahren , was ich über sie beschlossen habe . Sie kamen bei Nacht ; ich aber erwarte den Tag , denn ich will auf heimliche Anschläge keine lichtscheuen Antworten geben ! « Man kam dieser Weisung unverweilt nach . Als die Perser hinausgebracht worden waren , lagen die Kleider des Multasim noch am Boden . Der Pedehr forderte Tifl auf , nachzusehen , was sich in den Taschen befinde . Sie enthielten , wie es schien , nur die gewöhnlichen Gebrauchsgegenstände , und nur zuletzt entdeckte » das Kind « an einer verborgenen Stelle noch ein kleines Täschchen , aus dem er einen noch kleineren Lederumschlag hervorzog , in welchem einige beschriebene Papierblätter festgeheftet waren . Er gab das Büchelchen dem Pedehr , der es aufmerksam betrachtete und dann dem Ustad kopfschüttelnd mit den Worten hinreichte : » Sonderbar ! Das scheinen nur einzelne Buchstaben zu sein . Worte sind es nicht . Schau du zu , was es ist ! « Der Ustad nahm es in die Hand , sah es durch und sagte : » Das ist das Täliq-Alphabet mit einer vorwärts gerückten Wiederholung . Ich würde glauben , es sei eine sogenannte Eselsbrücke für irgend einen Anfänger im Schreiben . Aber da auf der ersten Seite steht in derselben runden , stark nach links hängenden Schrift zu lesen : Für Ghulam , den Dschellad7 . Es ist also für Ghulam ganz besonders bestimmt . Er wird Henker genannt . Weshalb ? War es vielleicht ein Scherz ? Dann hätte er es nicht so sorgfältig aufgehoben . Hat er es vielleicht selbst geschrieben ? Was sagst du dazu , Effendi ? « » Ich kann nicht eher etwas sagen , als bis ich es gesehen habe , « antwortete ich ihm . » Ist es nur das Alphabet ? « » Dieses und die Ueberschrift , die ich vorgelesen habe . Denn die paar Buchstaben , die dann noch unter ihr stehen , können wohl kaum etwas zu bedeuten haben . Es