mehr bei uns sehen zu lassen ? Was soll denn das bedeuten , hm ? « » Es gab so viel zu thun « , murmelte Lotte verlegen , ihren Gast ins Zimmer nötigend . » Ach was , gute Nachbarschaft kann man deswegen doch halten . Da wird wohl noch was andres dahinter stecken . Kann mir ' s schon denken , der Junge hat sie weggegrault mit seinem modernen Firlefanz . Habe ihm auch schon meine Meinung gesagt . Nee , nee , Sie brauchen nicht zu widersprechen , Fräulein Lottchen . Glauben Sie , ich hätte es nicht gemerkt , dass die Geschichte neulich Ihnen nicht gefallen hat , wenn Sie mit Ihrem lieben Gesicht auch nicht so spöttisch dazu ausgesehen haben , wie Ihre Schwester Lena . Und wer weiss , vielleicht hat er Ihnen in irgend einer stillen Stunde auch noch seine Gedichte verzapft . Sehen Sie , Sie werden dunkelrot . Ich kenne die Verse zwar nicht , aber sie werden danach sein . Das Talent in Ehren , allemal , da reicht sobald keiner ' ran , - aber die moderne Puschel - puh ! Sie haben ganz recht , dass Sie uns aus dem Wege gehen . Na , ich werde schon dafür sorgen , dass er Sie ungeschoren lässt . Er soll seine moderne Kunst wo anders auskramen als vor Ihnen . Es giebt ja genug verdrehte Leute , die Gefallen daran finden , eben blos , weil ' s Mode ist und sozusagen in der Luft liegt . Blos wir beide , wir sind nicht reif dafür . Na , ich werd ' s ja nun auch wohl nicht mehr werden , und Ihnen , Lottchen , wünsch ' ich es nicht einmal . Aber nun endlich zur Hauptsache . Sie kommen doch Heiligabend zu uns ' rum ? Ihrer Schwester sag ' ich ' s nicht , der hat ' s bei uns nicht gefallen . Nee , reden Sie nichts dagegen , Lottchen , das hat man ihr an der Nase angesehen . Die Wohlgebrecht ist ihr zu simpel , die will höher hinaus . Recht hat sie . Aber Lottchen , Sie hab ' ich nun ' mal in mein Herz geschlossen , Sie würde ich ungern entbehren . Ganz einfache Berliner Weihnachten : Karpfen und Mohnpiehlen und ' ne nette Tanne und nur uns drei drum ' rum . « Lotte hätte für ihr Leben gern zugesagt . In Frau Wohlgebrechts Schutz fühlte sie sich mit Gerhart Schmittlein ganz sicher , und an dem kleinen , behaglichen , altmodischen Zimmer , das Lena so » spiessig « fand , hing sie schon wie an einer Art Heimat . Aber wie durfte sie ohne Lena ? Unmöglich konnte sie die Schwester am ersten Weihnachtsfest in der Fremde allein lassen . In eben diesem Augenblick steckte Lena den lustigen Kopf mit dem kleinen schwarzen Pelzbarett durch die Thür . » Nur näher Lena , es ist Frau Wohlgebrecht . « » N ' Abend , Fräulein . « In gerechter Selbsterkenntnis ihres neulichen unliebenswürdigen Betragens , war Lena ausnahmsweise zuvorkommend gegen Lottes Besuch . Bei der Erwähnung der Einladung stimmte sie lebhaft dafür , dass Lotte ja annehmen möchte . Sie könnten einander ja zeitig bescheeren und dann möge Lotte getrost zu Frau Wohlgebrecht herumgehen . Sie selbst habe für sie beide heut eine Aufforderung von Marie Weber bekommen , den Heiligabend mit ihr bei ihrer Tante zu verbringen . Da würde sie dann auf ein Stündchen allein hingehen . Und ihre Arme von hinten um Lottes Hals schlingend , fuhr Lena lustig fort : » Beichte nur gleich , Lottchen , dass Du am ersten Feiertag Strohwitwe bist ..... Frau Wohlgebrecht wird sich Deiner gewiss mit Freuden annehmen . » Ich « - fügte sie mit trocken humoristischer Herausforderung gegen Frau Wohlgebrecht gewandt , hinzu - » bin nämlich für den ersten Feiertag bei Oberstleutnants von Strehsen eingeladen . « Lena war auf eine gereizte Antwort gefasst gewesen , aber Frau Wohlgebrecht that das gerade Gegenteil . Sie tätschelte Lena freundlich auf den Arm . » Ei , das freut mich « , sagte sie . » Das ist was für Sie , Fräulein . Da wird ' s Ihnen besser gefallen als bei mir simplen Frau . « Lena war ehrlich beschämt und unterliess es , noch weiter mit der Strehsenschen Einladung zu protzen . Bei der ersten schicklichen Gelegenheit räumte sie das Feld . Auch Frau Wohlgebrecht brach bald auf , nachdem sie Lotte eindringlich ans Herz gelegt hatte , ja nicht später als acht Uhr zu kommen . - Am Heiligabend früh traf ein Kistchen von zu Haus bei den Schwestern ein . Zwei Briefe lagen obenauf . Der eine vom Vater , der bisher kaum mehr als ein paar flüchtige Postkarten an seine Kinder geschrieben hatte ; der andere Brief war von Franz Krieger . Lotte legte beide bei Seite . Sie sollten gemeinsam unter dem Weihnachtsbaum gelesen werden . Den Inhalt des Kistchens packte sie mit wehmütigen Empfindungen aus . Welch ein Unterschied zwischen dem Vorjahr , da Mütterchen noch zwischen ihnen geweilt hatte , und heute . Und was alles lag zwischen jenem letzten Weihnachten und dem heut ! Allein die letzten beiden Wochen seit dem Abend in der Konditorei erschienen ihr ein ganzes Leben voller Zweifel und Fragen zu enthalten . Der Vater hatte selbstgeschüttelte Nüsse aus Karstens Garten , ausserdem für jede von ihnen einen kleinen , gut gemeinten , aber recht überflüssigen billigen Schmuckgegenstand gesandt . Franz Krieger war ganz aufs praktische bedacht gewesen . Den Hauptinhalt der Kiste machte sein Geschenk , eine Fülle von Kolonialwaaren aus seinem Geschäft , aus , welche die Wirtschaftsausgaben in der That auf lange Zeit hinaus wesentlich erleichtern mussten . Um halb drei Uhr kam Lena nach Haus . Dann wurde schnell gegessen und bei einbrechender Dunkelheit das kleine Bäumchen angezündet . Als die Schwestern dann Hand in Hand in Lottes