das Geschenk der unverdienten , grundlosen Achtung nicht dankend ablehnten ! Ja , das ist ein Traum ! der wird mir noch viele frohe Tage machen ! Unbeschreiblich glücklich ist mir heute , ich möchte laut jubeln : Gefunden ! Gefunden ! 22. Februar . Ein merkwürdig schönes Ding , das Leben ! Was für ein Reichtum in mir und um mich . Man hat kaum Zeit zu schlafen , es ist fast schade darum . Die Nächte sind auch so herrlich jetzt ! Große leuchtende Sterne , treibende Wolken , dann wieder ganz klarer Mondschein , der über den stillen See seine Lichtbrücke wirft . Spiegelglatt scheint er von hier oben , der stille See , wie ein Bild in meinem Fensterrahmen , - die Wolke überm Mond wie ein finsteres Augenlid . Leben ! ich liebe dich ! ich fühle dich so heftig und bewegt in mir . Ich möchte jemand etwas Liebes thun , jetzt , auf der Stelle ! Ich möchte streiten , kämpfen für jemand Bedrängtes , so , mit beiden Armen ! Ich möchte die ganze Welt , die ganze Menschheit küssen mit Dank und Innigkeit ! Freude ! - - - 2. März . Also jetzt giebt ' s Ferien . Das Wort stachelt mich auf . Ich fühle mich wie gejagt , Tag und Nacht . Was hab ' ich gelernt in diesem Semester ? Was ? Um Gotteswillen , was ? Sollte dies Ehrgeiz sein ? dies mich stachelnde , hetzende Gefühl ? Ich hoffe nein ! Nein , es ist etwas andres , deutlich fühle ich , was es ist : ehrgeizig bin ich nicht , aber ich träume von einem Leben mit großem Inhalt ! Ist das verboten ? Ist das schlecht ? Mit großem ! mit großem Inhalt ! Ach Träume und immer nur Träume ! Die Monologe einer Fledermaus ! » Was geht dort für ein Zwerglein in einer Königstracht ? « So ist es ! so ist es ! ein kümmerliches , ein lächerliches Zwerglein ! Es ist zum Lachen . Und mehr noch zum Weinen ! Ja ja ja zum Weinen ! 7. März . Die Sache ist - ich ängstige mich ! Ich bange mich um das Geld . Um das Geld von Mama . Pfui , ist das erniedrigend , sich nach schmutzigem Geld zu sehnen . Und doch sehne ich mich danach . Ich fürchte mich so sehr , zum Mittagessen zu gehen , weil ich noch nicht bezahlt habe . Und heut ist schon der siebente ! Mir kommt es vor , als würde ich sehr erstaunt und erwartungsvoll angeguckt . Heute ist es ganz bestimmt so gewesen . Ich werde dann so rot , so verwirrt , so heiß - es ist entsetzlich . Ach , ich bin ja in der Fremde . Und daheim ? Wo bin ich daheim ? Nirgend . - - - Wenn das Geld auch morgen nicht kommt , geh ich vorläufig nicht zu Tisch . Ich getraue mich nicht . Man muß sich ja fürchterlich schämen ! Für aufgegessenes Essen ! 11. März . Es ist gekommen ! Wie gut ! » Immer schwerer wird es mir , « schreibt Mama , aber sie schickt doch . Und so wird sie fortfahren zu schicken , gewiß ! Sie läßt mich nicht im Stich . Drei Tage bin ich nicht zum Essen gegangen . Ich hatte auch wirklich keinen Appetit . Gestern ging ich auf die Gemüsebrücke . Es sah seltsam aus . Eisig kalt fuhr der Wind herum , und in der hochgestiegenen Limmat besahen sich die Häuser mit weißen Dächern ! Es hatte ordentlich geschneit . Und dann hörte ich das schrille , wilde Kreischen der Möwen , die zahm wie Tauben und dicht wie Schneeflocken um die Leute herumwirbelten . Man streute ihnen Brot aus den Fenstern an der Schipfe , und sie fingen es im Fluge , indeß eine es der andern wegschnappte . So schreit der Hunger ! Ich sah und sah , bis mir schwindelig wurde , dies Quirlen und Schreien und Flügelschlagen und Schnappen , all die gierig aufgerissenen gelben Schnäbel und die kleinen blitzenden , hungrigen Augen - es war fast beängstigend . Ja , nun verstehe ich den Hungerschrei , mußte ich denken , ich habe also doch etwas gelernt in diesem Semester . Und es ist wohl auch was wert , daß ich ihn jetzt verstehe ! Jede Kenntnis ist gut und notwendig , dachte ich , und ich konnte ganz ruhig dabei sein und lachen . Als ich nach Hause kam , war der Geldbriefträger dagewesen . Nun , so ernsthaft war die Hungersnot noch nicht ! - Nun habe ich also wieder mein Stückchen Brot aufgeschnappt . Grade wie so eine Möwe . Gekreischt habe ich jedoch nicht . Weder vor Hunger noch vor Freude über die Erlösung . Ich hasse das Geld . Ich halte es für die Quelle alles Uebels . Und es ist gradezu abscheulich , daß man sich über die Ankunft von etwas so Schmierigem , Schmutzigem freuen muß . Nein , ich freue mich nicht . Die Begleitbriefe machen es auch immer schwerer , sich zu freuen . Immerhin - für zwei Monate bin ich wieder gerettet . Dann fängt von neuem die Sorge an . 18. März . Oh , der tiefe Friede des strahlenden Frühlingstages ! Auf einmal Frühling ! Die steile Straße hinab rinnen in glänzenden Adern viele neue Bächlein - das ist der geschmolzene Schnee ! Die Welt erneut sich . Wenn ich in Einklang kommen könnte mit der hoffnungsvollen Heiterkeit ringsum ! Einzelne schöne Frühlingstage der Vergangenheit tauchen auf , und die Erinnerung beleuchtet sie , daß sie schimmern , wie die neuen Bächlein auf der steilen Straße . - - Aber so schön es ist - mein Ohr ist zu scharf geworden für die widerwärtigen Geräusche der Welt , und das Peitschenknallen und Steineabladen und der zornige Zuruf an die gequälten Zugpferde