die Unterrichtsstunden beendet waren , kam er wirklich auf sie zugeeilt . Er war elegant gekleidet und überreichte ihr drei rote Rosen . Sie freute sich , plauderte ein wenig mit ihm und dachte so oft sie ihn ansah : Gott wie häßlich . Aber mit der Zeit würde sie es vielleicht übersehen . Sie blühte wie die Rosen in ihren Händen ; nur um ihre Augen lag ein ganz feiner träumerischer Ausdruck . Tage blickte sie sehr verliebt an . Sie machten einen Umweg nach ihrem Hause . Heute sprach er auch von seinen Gedichten . » Wissen Sie « meinte er unter anderem , » ich verkehre nur selten mit meinen Kollegen . Es sind alles rohe und was mehr ist : unfähige Burschen . Im Litteraturverein trifft man sich ja zuweilen ; aber ich schneide sie , wo ich kann . Man wird gleich um Protektion angepumpt und haste nicht gesehen rufen sie einen als ihren Freund und Genossen aus . Meine Einzelstellung in der Litteratur verbietet mir solche Verbrüderung « . » Ja , ich lachte und weinte damals über Ihre Strophen « sagte Johanne , » ich fühlte mich erhoben , wenn ich in Ihren Gedichten las « . » Das höre ich oft und es freut mich , sind sie doch - « er seufzte tief auf , » mit Herzblut geschrieben . Manches junge Mädchen hat mir schon bekannt : seit ich Ihre Poesien kenne , glaube ich wieder an das Gute und Schöne im Leben « . Von diesem Tag an begleitete er sie sehr häufig nach Hause . Eines Herbstabends , es dunkelte schon früh , zog er sie in den Flur ihres Hauses und stammelte : » Johanne , Johanne , ich vergeh vor Sehnsucht « . Und er brachte sein Gesicht dem ihren nah . Sie wollte etwas erwidern ; da hatte er beide Lippen auf die ihren gepreßt , als wollte er ihre Seele schlürfen und war davongeeilt . Sie stand einen Augenblick an die Mauer des dunklen Eingangs gelehnt und vermochte sich nicht zu rühren . Dann ging sie hinauf und weinte . Am andern Tag wollte sie ihm einen empörten Brief schreiben , aber sie kannte seine Adresse nicht . Zum Glück erschien er heute nicht . Sie würde vor Scham und Aerger wahrscheinlich auf der Straße eine Szene gemacht haben . Nachmittags ging sie zu Schülers . Sie wollte dort seine Straße erfahren . Auf dem Wege dahin überlegte sie , ob er vielleicht vorhabe , sie zu heiraten . Aber selbst dann , schien es ihr , durfte er sich nicht so betragen . Sie war mit sich unzufrieden , obzwar sie nicht wußte , wie sie sich hätte anders benehmen sollen . Er hatte sie überrascht . - - Bei Schülers öffnete Alice die Thüre . Sie hatte rotgeweinte Augen und war sehr aufgeregt . » Denk Dir , Madame ist krank , oder behauptet mindestens es zu sein . Sie arbeitet nichts und liegt auf der faulen Haut . Glaubst du , er ließe mich einen andern Dienstboten mieten ? Keine Spur . Ich , meint er , soll so lange das Nötige besorgen , bis sie wieder flott ist . Wie findest du das ? Ich finde es unerhört « . - Die kleine Frau trippelte nervös in ihrem Zimmer auf und ab . » Unsere alte Wirtschafterin in St. Estephe ließ mich nie in die Küche . O , ich bin sehr unglücklich « . Sie warf sich in einen Sessel . » Weißt du , was er jetzt thut ? Er macht sich sein Bett selbst und läßt Essen aus dem Gasthaus kommen . Alles wegen der Alten . Welch gutes Herz , wie ? « Johanne suchte die Freundin so gut sie konnte zu beruhigen . Dann bat sie um Tages Adresse . » Ich weiß sie nicht « sagte Alice , » aber Mink kennt sie . Er soll sie dir mitteilen . Liebst du etwa das Scheusal Hans Tage ? « Johanne errötete . » Muß man alle gleich lieben , mit denen man auf der Straße geht ? « » Na ich , ich schaff mir jetzt um jeden Preis einen Verehrer an , mir ist dies Leben unausstehlich « . Johanne faßte ihre Hände . » Alice , mach nicht so böse Scherze . Du bist eine verheiratete Frau « . » Wer hat denn angefangen ? « rief die junge Frau erregt , » er oder ich ? Wer hat mich schändlich hintergangen . Und ich hielt so viel von ihm ! « Sie brach in Thränen aus . » Nun thue ich ihm , was er mir gethan hat « . » Harre doch aus . Es muß sich ja ändern , wenn sie stirbt - « » Ach was , die stirbt nicht « . Johanne ging traurig fort . Nichts als Elend , wohin man blickte . Und in ihrer eignen Brust ein Sturm widersprechender Gefühle . Ach , wenn sie doch wirklich Einen besessen hätte , der ihr gehörte mit Leib und Seele . Es war zu trostlos , so allein dahinzutreiben . Wenn Tage ihr Halt und Stütze sein könnte ? Aber durfte sie das hoffen ? Berechtigte sein Benehmen dazu ? Faßte er etwa einen Kuß ebenso ernsthaft auf wie sie ? Vielleicht . Die Thränen traten ihr in die Augen , als sie das Glück erwog , jemanden zu haben , an dessen Brust sie ihr Haupt lehnen könnte . Wenn sie ihn jetzt hier gehabt hätte , sie würde ihm weich und hingebend begegnet sein ..... Am andern Tag , als sie aus der Schule kam - er hatte sie wieder nicht erwartet - klopfte es und ihr Hausherr trat herein . Die hundert Falten in seinem Gesicht waren alle lebendig und zuckten . » Ich bringe Ihnen die gewünschte Adresse « sagte er sich niederlassend , » Mink begegnete mir vorhin und teilte sie