nicht gern , wenn man ihn dabei nennt , das ärgere , so meint er , die richtigen Doktors bloß , und darin wird er wohl recht haben . Nun , ich denke , du wirst ihn kennenlernen , und zwar bald : er ist unsere beste Nummer hier , Schöngeist und Original und vor allem Seele von Mensch , was doch immer die Hauptsache bleibt . Aber lassen wir das alles und setzen uns und nehmen unsern Tee . Wo soll es sein ? Hier bei dir oder drin bei mir ? Denn eine weitere Wahl gibt es nicht . Eng und klein ist meine Hütte . « Sie setzte sich ohne Besinnen auf ein kleines Ecksofa . » Heute bleiben wir hier , heute bist du bei mir zu Gast . Oder lieber so : den Tee regelmäßig bei mir , das Frühstück bei dir ; dann kommt jeder zu seinem Recht , und ich bin neugierig , wo mir ' s am besten gefallen wird . « » Das ist eine Morgen- und Abendfrage . « » Gewiß . Aber wie sie sich stellt oder , richtiger , wie wir uns dazu stellen , das ist es eben . « Und sie lachte und schmiegte sich an ihn und wollte ihm die Hand küssen . » Nein , Effi , um Himmels willen nicht , nicht so . Mir liegt nicht daran , die Respektsperson zu sein , das bin ich für die Kessiner . Für dich bin ich ... « » Nun was ? « » Ach laß . Ich werde mich hüten , es zu sagen . « Siebentes Kapitel Es war schon heller Tag , als Effi am andern Morgen erwachte . Sie hatte Mühe , sich zurechtzufinden . Wo war sie ? Richtig , in Kessin , im Hause des Landrats von Innstetten , und sie war seine Frau , Baronin Innstetten . Und sich aufrichtend , sah sie sich neugierig um ; am Abend vorher war sie zu müde gewesen , um alles , was sie da halb fremdartig , halb altmodisch umgab , genauer in Augenschein zu nehmen . Zwei Säulen stützten den Deckenbalken , und grüne Vorhänge schlossen den alkovenartigen Schlafraum , in welchem die Betten standen , von dem Rest des Zimmers ab ; nur in der Mitte fehlte der Vorhang oder war zurückgeschlagen , was ihr von ihrem Bette aus eine bequeme Orientierung gestattete . Da , zwischen den zwei Fenstern , stand der schmale , bis hoch hinauf reichende Trumeau , während rechts daneben , und schon an der Flurwand hin , der große schwarze Kachelofen aufragte , der noch ( soviel hatte sie schon am Abend vorher bemerkt ) nach alter Sitte von außen her geheizt wurde . Sie fühlte jetzt , wie seine Wärme herüberströmte . Wie schön es doch war , im eigenen Hause zu sein ; soviel Behagen hatte sie während der ganzen Reise nicht empfunden , nicht einmal in Sorrent . Aber wo war Innstetten ? Alles still um sie her , niemand da . Sie hörte nur den Ticktackschlag einer kleinen Pendule und dann und wann einen dumpfen Ton im Ofen , woraus sie schloß , daß vom Flur her ein paar neue Scheite nachgeschoben würden . Allmählich entsann sie sich auch , daß Geert , am Abend vorher , von einer elektrischen Klingel gesprochen hatte , nach der sie denn auch nicht lange mehr zu suchen brauchte ; dicht neben ihrem Kissen war der kleine weiße Elfenbeinknopf , auf den sie nun leise drückte . Gleich danach erschien Johanna . » Gnädige Frau haben befohlen . « » Ach , Johanna , ich glaube , ich habe mich verschlafen . Es muß schon spät sein . « » Eben neun . « » Und der Herr ... « , es wollt ihr nicht glücken , so ohne weiteres von ihrem » Manne « zu sprechen , » ... der Herr , er muß sehr leise gemacht haben ; ich habe nichts gehört . « » Das hat er gewiß . Und gnäd ' ge Frau werden fest geschlafen haben . Nach der langen Reise ... « » Ja , das hab ich . Und der Herr , ist er immer so früh auf ? « » Immer , gnäd ' ge Frau . Darin ist er streng : er kann das lange Schlafen nicht leiden , und wenn er drüben in sein Zimmer tritt , da muß der Ofen warm sein , und der Kaffee darf auch nicht auf sich warten lassen . « » Da hat er also schon gefrühstückt ? « » O nicht doch , gnäd ' ge Frau ... der gnäd ' ge Herr ... « Effi fühlte , daß sie die Frage nicht hätte tun und die Vermutung , Innstetten könne nicht auf sie gewartet haben , lieber nicht hätte aussprechen sollen . Es lag ihr denn auch daran , diesen ihren Fehler , so gut es ging , wieder auszugleichen , und als sie sich erhoben und vor dem Trumeau Platz genommen hatte , nahm sie das Gespräch wieder auf und sagte : » Der Herr hat übrigens ganz recht . Immer früh auf , das war auch Regel in meiner Eltern Hause . Wo die Leute den Morgen verschlafen , da gibt es den ganzen Tag keine Ordnung mehr . Aber der Herr wird es so streng mit mir nicht nehmen ; eine ganze Weile hab ich diese Nacht nicht schlafen können und habe mich sogar ein wenig geängstigt . « » Was ich hören muß , gnäd ' ge Frau ! Was war es denn ? « » Es war über mir ein ganz sonderbarer Ton , nicht laut , aber doch sehr eindringlich . Erst klang es , wie wenn lange Schleppenkleider über die Diele hinschleiften , und in meiner Erregung war es mir ein paarmal , als ob ich kleine weiße Atlasschuhe sähe . Es war , als tanze man