. Aber bitte zugleich verzeihen zu wollen , wenn ich schon an der Friedrichstraßenecke mich verabschiede . Eine Verabredung ... zwei Kameraden von meinem alten Regiment . Ich würde versuchen « , und er wandte sich an die jungen Damen , » Ihnen auch Ihren Herrn Bruder abtrünnig zu machen ( wenn man mal in Berlin ist , will man auch Berliner Luft genießen ) , aber ich zweifle , daß seine ritterlichen Gesinnungen ihm diese Fahnenflucht gestatten . « » Es wird sich leider verbieten , Herr von Klessentin « , sagte Therese mit einem bedeutungsvollen Lächeln . » Und was die Berliner Luft angeht , ich glaube , wir haben sie in der Großgörschenstraße reiner als in der Friedrichstraße ... « » Reiner , aber nicht echter ... mein gnädigstes Fräulein . « Leo , der inzwischen die Rechnung beglichen hatte , gesellte sich ihnen wieder , und so brach man denn in corpore auf : der General mit Therese , Leo mit Manon , Herr von Klessentin mit Sophie , die weniger gesprochen , aber durch ihre Mienen all die Zeit über ein besonderes Interesse gezeigt hatte . Sie fragte während ihres jetzt beginnenden Geplauders mit ihrem Partner auch nach Fräulein Conrad , von deren Verlobung sie ganz vor kurzem gehört habe . » Der Verlobte « , so bemerkte sie , » soll ein sehr scharfer Kritiker sein . Ich denke es mir schwer , einen Kritiker immer zur Seite zu haben . Es bedrückt und lähmt den höheren Flug . « » Nicht immer . Wer fliegen kann , fliegt doch . « » Ich freue mich , das aus Ihrem Munde zu hören ... « Und bei diesen Worten hatte man die Ecke der Leipziger und Friedrichstraße erreicht , und Herr von Klessentin empfahl sich ; die Poggenpuhls aber gingen weiter auf das Potsdamer Tor zu , wo man sich am » Fürstenhofe « - nachdem Leo nicht bloß eine exakte Rechnungsablegung , sondern zu des Onkels großer Erheiterung auch eine Behändigung des verbliebenen Restes versucht hatte - mit einem » Bis auf morgen « voneinander verabschiedete . Achtes Kapitel Mitternacht war dicht heran , als die Geschwister vor ihrer Wohnung eintrafen . Sophie hatte den Schlüssel und schloß auf . In einer gewissen Erregung , in der sie sich mehr oder weniger befanden , sprachen sie ziemlich laut auf der Treppe , was das Gute hatte , daß ihnen die über das lange Ausbleiben schon etwas unruhig gewordene Friederike bis in den zweiten Stock entgegenkam und leuchtete . » Mama noch auf ? « fragte Leo . » Nein , junger Herr . Die gnädige Frau hat sich schon gleich nach neun zu Bett gelegt ; es war ihr so kalt . Aber sie liegt bloß ; sie schläft noch nicht . « Unter diesem kurzen Gespräche hatten die jungen Damen ihre Mäntel , Leo seinen Paletot abgelegt , und alle traten gemeinschaftlich in das große Schlafzimmer , um die Mama noch zu begrüßen , während sich Friederike in ihre Küche zurückzog . Die Majorin saß mehr im Bett , als sie lag , und schien in besserer Stimmung als gewöhnlich . » Aber , Kinder , so spät ; nachtschlafende Zeit ; ich dachte schon , es wäre was passiert ... « » Ist auch , Mutter . « » Na , das mag was Schönes sein . Vielleicht hast du dein Vermögen verloren . Aber davon hör ich noch immer früh genug . Komm , Manon , gib mir deine Hand und sich mich an . Und nun rückt euch Stühle ran und erzählt . Und du , Leo , kannst dich unten auf die Bettkante setzen . Es ist immer noch nicht so hart wie Lattenstrafe ; die gab es noch , als ich jung war . Ihr seid ja runde sechs Stunden weg gewesen , und ein wahres Glück , daß ich Friederike habe , mit der ich mich aussprechen kann . « » Was du wohl auch redlich getan hast « , sagte Therese . » Du machst dich immer so vertraulich mit ihr , mehr als eine Herrschaft wohl eigentlich sollte . « » Meinst du ? « sagte die Majorin , während sie sich in ihrem Bett noch etwas höher hinaufrückte . » Was meine vornehme Therese nicht alles weiß und meint . Aber nun will ich dir auch sagen , was ich meine . Ich meine , daß solche schlichte Treue das Allerschönste ist , das Schönste für den , der sie gibt , und das Schönste für den , der sie empfängt . Die Liebe der Kinder , auch wenn es gute Kinder sind , die hat keine Dauer ; die denken an sich , und ich will ' s auch nicht tadeln und nicht anders haben ; aber solch altes Hausinventar wie die Friederike , die will nichts als helfen und beistehn und fordert weiter nichts , als daß man mal danke sagt . Und ich sage dir , Therese , da steckt ein gut Teil Christentum drin . « » Ja , das glaubst du immer , Mutter . « » Nein , das glaube ich nicht , das weiß ich . Aber wir wollen das lassen ; Leo soll lieber erzählen , wie alles war . « » Ja , Mama , wenn ich davon erzählen soll , so kann ich es nur nach einer Disposition , dreigeteilt , also wie ' ne Predigt . « » Bitte , Leo ... « » Dreigeteilt also schlechtweg , ohne Zubemerkung oder Vergleich . Erster Teil : Onkel und die Quitzows ; zweiter Teil : Onkel und Herr Manfred ( Manfred ist nämlich mein Kadettenfreund Klessentin ) und dritter Teil : Onkel und ... Aber davon erst nachher ; ich will meinen besten Trumpf nicht gleich in einer großen Überschrift ausspielen . « » Ach , Leo , das sind ja wieder Flausen ; hinterher ist es gar nichts . « » Fehlgeschossen