sagen hast . Ich will dir aber noch allerlei mehr sagen , und dann magst du selber entscheiden , ob ich treu und redlich oder doch wenigstens aufrichtig bin , was so ziemlich dasselbe bedeutet . « » Corinna ... « » Nein , jetzt will ich sprechen , in aller Freundschaft , aber auch in allem Ernst . Treu und redlich . Nun , ich weiß wohl , daß du treu und redlich bist , was beiläufig nicht viel sagen will ; ich für meine Person kann dir nur wiederholen , ich bin es auch . « » Und spielst doch beständig eine Komödie . « » Nein , das tu ich nicht . Und wenn ich es tue , so doch so , daß jeder es merken kann . Ich habe mir , nach reiflicher Überlegung , ein bestimmtes Ziel gesteckt , und wenn ich nicht mit dürren Worten sage dies ist mein Ziel , so unterbleibt das nur , weil es einem Mädchen nicht kleidet , mit solchen Plänen aus sich herauszutreten . Ich erfreue mich , dank meiner Erziehung , eines guten Teils von Freiheit , einige werden vielleicht sagen von Emanzipation , aber trotzdem bin ich durchaus kein emanzipiertes Frauenzimmer . Im Gegenteil , ich habe gar keine Lust , das alte Herkommen umzustoßen , alte , gute Sätze , zu denen auch der gehört : ein Mädchen wirbt nicht , um ein Mädchen wird geworben . « » Gut , gut ; alles selbstverständlich ... « » ... Aber freilich , das ist unser altes Evarecht , die großen Wasser spielen zu lassen und unsere Kräfte zu gebrauchen , bis das geschieht , um dessentwillen wir da sind , mit anderen Worten , bis man um uns wirbt . Alles gilt diesem Zweck . Du nennst das , je nachdem dir der Sinn steht , Raketensteigenlassen oder Komödie , mitunter auch Intrige , und immer Koketterie . « Marcell schüttelte den Kopf . » Ach , Corinna , du darfst mir darüber keine Vorlesung halten wollen und zu mir sprechen , als ob ich erst gestern auf die Welt gekommen wäre . Natürlich hab ich oft von Komödie gesprochen und noch öfter von Koketterie . Wovon spricht man nicht alles . Und wenn man dergleichen hinspricht , so widerspricht man sich auch wohl , und was man eben noch getadelt hat , das lobt man im nächsten Augenblick . Um ' s rundheraus zu sagen , spiele soviel Komödie , wie du willst , sei so kokett , wie du willst , ich werde doch nicht so dumm sein , die Weiberwelt und die Welt überhaupt ändern zu wollen , ich will sie wirklich nicht ändern , auch dann nicht , wenn ich ' s könnte ; nur um eines muß ich dich angehen , du mußt , wie du dich vorhin ausdrücktest , die großen Wasser an der rechten Stelle , das heißt also vor den rechten Leuten springen lassen , vor solchen , wo ' s paßt , wo ' s hingehört , wo sich ' s lohnt . Du gehst aber mit deinen Künsten nicht an die richtige Adresse , denn du kannst doch nicht ernsthaft daran denken , diesen Leopold Treibel heiraten zu wollen ? « » Warum nicht ? Ist er zu jung für mich ? Nein . Er stammt aus dem Januar und ich aus dem September ; er hat also noch einen Vorsprung von acht Monaten . « » Corinna , du weißt ja recht gut , wie ' s liegt und daß er einfach für dich nicht paßt , weil er zu unbedeutend für dich ist . Du bist eine aparte Person , vielleicht ein bißchen zu sehr , und er ist kaum Durchschnitt . Ein sehr guter Mensch , das muß ich zugehen , hat ein gutes , weiches Herz , nichts von dem Kiesel , den die Geldleute sonst hier links haben , hat auch leidlich weltmännische Manieren und kann vielleicht einen Dürerschen Stich von einem Ruppiner Bilderbogen unterscheiden , aber du würdest dich doch totlangweilen an seiner Seite . Du , deines Vaters Tochter , und eigentlich noch klüger als der Alte , du wirst doch nicht dein eigentliches Lebensglück wegwerfen wollen , bloß um in einer Villa zu wohnen und einen Landauer zu haben , der dann und wann ein paar alte Hofdamen abholt , oder um Adolar Krolas ramponierten Tenor alle vierzehn Tage den Erlkönig singen zu hören . Es ist nicht möglich , Corinna ; du wirst dich doch , wegen solches Bettels von Mammon , nicht einem unbedeutenden Menschen an den Hals werfen wollen . « » Nein , Marcell , das letztere gewiß nicht ; ich bin nicht für Zudringlichkeiten . Aber wenn Leopold morgen bei meinem Vater antritt - denn ich fürchte beinah , daß er noch zu denen gehört , die sich , statt der Hauptperson , erst der Nebenpersonen versichern - , wenn er also morgen antritt und um diese rechte Hand deiner Cousine Corinna anhält , so nimmt ihn Corinna und fühlt sich als Corinne au Capitole . « » Das ist nicht möglich ; du täuschest dich , du spielst mit der Sache . Es ist eine Phantasterei , der du nach deiner Art nachhängst . « » Nein , Marcell , du täuschest dich , nicht ich ; es ist mein vollkommener Ernst , so sehr , daß ich ein ganz klein wenig davor erschrecke . « » Das ist dein Gewissen . « » Vielleicht . Vielleicht auch nicht . Aber soviel will ich dir ohne weiteres zugeben , das , wozu der liebe Gott mich so recht eigentlich schuf , das hat nichts zu tun mit einem Treibelschen Fabrikgeschäft oder mit einem Holzhof und vielleicht am wenigsten mit einer Hamburger Schwägerin . Aber ein Hang nach Wohlleben , der jetzt alle Welt beherrscht , hat mich auch in der Gewalt , ganz so wie alle anderen , und so lächerlich