, der sich jetzt ansah , als ob er beweglich wäre , als ob sich da unten ein geräuschloses Wasser ganz sachte heben und senken täte . Der Hund spreizte alle vier Beine steif von sich , zog den Schweif ein und heulte hinauf zu der gelbblassen Halbscheibe , und als ihn der Leopold am Ohre nachziehen wollte , winselte er jämmerlich und schmiegte sich eng an die Füße des Mannes . Der Mond kam immer höher herauf , und der Leopold ertappte sich dabei , daß er wohl eine Viertelstunde dagestanden war und so wie der Schuftl hinaufgestarrt hatte , jetzt aber schritt er rascher aus , und der Hund lief leise klagend neben ihm her . Da waren sie endlich ; der Leopold stieß die feuchte Wirtshaustür weit auf , Tabakrauch , Wein- und Bierdunst qualmte ihm entgegen , so daß er wie betäubt in das Gewühl glotzte und wieder umkehren wollte , aber da johlten sie ihm schon zu : » Du bist da ? « » Servus ! « » Grüß Gott ! « » Wo kommst her ? « » Setz dich nieder . « » Daher ! « grölte der Laternanzünder und wies auf einen klebrigen Stuhl . » Wie schaust aber aus ? « » Seid ' s ja ganz naß , du und der Schuftl . « » Schufterl , hupf , da herauf ! « rief die Marie . » Das ist gescheit , daß du endlich da bist ! « sagte sie seitwärts zu dem Manne . » Trink , Leopold ! « » Da auch . « » Zu uns setz dich ! « » Daher ! daher ! daher ! « Etwa zwanzig drängten sich mit jener angeheiterten Zärtlichkeit an ihn , die bei dem nächsten Glas Wein schon so derb wird , daß sie jedem kurz die Wahl läßt : weiter und weiter trinken oder tüchtig geprügelt werden . » Wenn so ein hübscher junger Ehemann zu uns kommt , müssen wir ihm was Besonderes vorsingen , daß er das Wiederkommen nicht vergißt « , flüsterte ihm die Marie zu und sah mit zwinkernden Augen zu ihm auf . » Probier ' s « , warf der Leopold leicht hin . » Hat das neue Kleid geholfen ? « frug der Laternanzünder und kam mit verglasten Augen , aber mit militärisch strammer Haltung kerzengerade auf ihn zu . » Und wie es geholfen hat « , erwiderte der Leopold , er lachte dabei und ließ sich von der Marie an einen Tisch ziehen , der in einer Ecke stand . Das Mädchen sang ihm zuerst ganz laut eines ihrer vierzeiligen Lieder vor , einen Gassenhauer , doch als er vor sich hin stierte und sich um ihren Gesang nicht kümmerte , preßte sie ihre Schulter an seinen Arm , nahm seine Finger spielend in die ihren und summte mit gedämpfter , weicher Stimme : » Geh , sei nicht so traurig , Schau nicht so trüb drein . Tust mir bitterlich weh , Denn mein Herz g ' hört noch dein . « » Wem ? « frug der Leopold spitz , rückte ganz in die Ecke und goß ein großes Glas Wein hinab . » Rück nicht von mir weg , Rück näher noch her , Hast bis jetzt noch kein ' Fleck , So war ' s Bravsein nicht schwer « , sang die Marie mit fieberhaftem Flüsterton , und der Mann schaute halb neugierig , halb verachtungsvoll in das blasse Gesicht des Mädchens . » Eh , Faxen ! Ich weiß schon , daß du dir deine Liedeln selbst zusammendichtst , bist flink mit deinem Kopf , darum singst auch einem jeden , was er gern hört « , spottete der Leopold ; » bei mir aber kommst nicht gut an , überleg es dir , so ein Dreiviertelmann , der um einen Flügel zu wenig hat , der will anders betrogen werden als die ganzen Männer . « Die Marie öffnete den Mund , sprach aber kein Wort , sie zeigte nur ihre blanken Zähne , warf einen flüchtigen Blick auf den leeren Ärmel , und dann schaute sie stumm vor sich hin auf die Tischplatte . Über den Augenbrauenenden , gegen die Nase herab , traten zwei scharfe Buckeln hervor , und ihr feiner , weißer Hals wurde allmählich rosig gefärbt , rasch schlang sie ihren Arm um den Hals des Leopold , legte ihre Lippen an sein Ohr und sang , als ob sie ihn küßte : » Red nicht von Betrug , Hast zwei Augen wie Stern , Hast zwei schnurg ' rade Füß , Und ich hab dich halt gern ! Hast ein butterweich ' s Herz Und zum Küssen ein ' Mund Und zum Halsen ein ' Arm , Das ist g ' nug für ein ' Stund . « » Aus dir könnt auch was Besseres werden als so ein ausgeschrienes Bierhäuselgewächs « , sagte der Besungene nachdenklich und schüttelte ihren Arm von seinem Halse . » Meinst ? - Na so such halt einen , der mich jetzt auf den rechten Weg bringt . Aber von denen dort « , sie schlenkerte die Finger gegen die Nachtschwärmer , » darf er nicht sein . « » Brauchst denn just ein Mannsbild auf den rechten Weg ? « » Ich kenn einen , der sich vor Jahren sogar auf mein ' unrechten Weg g ' stellt hat , so lang , bis ich wirklich g ' stolpert bin - und g ' falln . Hat er mich aufgehoben ? - Frag ihn ! - Und der weiß es doch ganz genau , wie er mich gefunden hat . « Der Leopold zog rechts und links an seinem Schnurrbart und murmelte befangen : » Nicht reden - du warst damals lieber alle Tag unter dem G ' sindel als woanders . « » Eine gute Ausred ist einen Taler wert « , spottete die Sängerin , » der