deine Mutter so gesprochen hat . Und es hat sich ja auch gestraft . Aber ich finde doch , Asta , daß deine Mutter in all dem zu streng ist , und der Großpapa , der sie doch so sehr liebt und sie getraut hat - was übrigens der Arnewieker Pastor damals sehr übelgenommen haben soll - und der nichts Besseres kennt als seine liebe Christine , wie er sie noch immer nennt , und deinen Papa nennt er ja auch noch du von alten Zeiten her ... der sagt doch auch , sie sei zu sicher auf ihrem Wege und zu streng gegen andre ... « » Ja , das sagen alle , dein Großpapa sagt es , und Direktor Schwarzkoppen sagt es , und Onkel Arne sagt es . Und wenn Axel und ich es auch nicht hören sollen , wir hören es doch und machen so unsre Betrachtungen drüber ... « » Und wem kommen denn eure Betrachtungen zugute ? « » Immer der Mama . « » Das wundert mich eigentlich . Ich dachte , du wärest deines Vaters Verzug und Liebling . Und liebtest ihn am meisten . « » Oh , gewiß hab ich ihn lieb ; er ist so gut und erfüllt uns jeden Wunsch . Aber die Mama meint es doch viel besser mit uns , und deshalb ist sie strenger . Alles bloß aus Liebe . « » Ich habe dich nicht immer so sprechen hören , Asta . Es ist noch keine Woche , daß du voller Klagen und fast voll Bitterkeit warst und daß du sagtest , es sei mit der Mama kaum noch zu leben und alles schlüge sie dir ab und alles sei so wichtig , als ob Leben und Seligkeit daran hinge ... « » Ja , das werd ich wohl gesagt haben . Aber wer klagte nicht mal ! Und dann ist es oft so still hier , und dabei wird man traurig und will es anders haben ... Sieh , ich denk es mir so , die Mama bedrückt uns oft , aber sie sorgt doch auch für uns , und der Papa erfreut uns jeden Augenblick , aber im ganzen kümmert er sich nicht recht um uns . Er ist mit seinen Gedanken immer woanders und die Mama immer bei uns . Wenn es nach dem Papa ginge , so ginge alles so ruhig weiter , bis jemand käme und mich haben wollte . Comtesse Holk , rotblond und gerade gewachsen und etwas Vermögen - ich glaube , das ist alles , was ihm vorschwebt , und davon verspricht er sich das Beste . Daß ich auch eine Seele habe , daran denkt er nicht , vielleicht glaubt er nicht mal daran . « » Wie du nur sprichst . Er wird doch glauben , daß du eine Seele hast ? « » Vielleicht . Ich weiß es nicht . Und das ist der Unterschied von der Mama . Die glaubt bestimmt daran und will , daß ich etwas lernen und einen festen Glauben gewinnen soll , einen Anker für die Stürme des Lebens , wie sie sagt , und ich wäre glücklich darüber , wenn ich nicht von dir fortmüßte . Solche Freundin wie du , die find ich in der Welt nicht wieder . « » Aber du wirst doch nicht fortwollen , Asta ? Und um was denn ? Ist denn nicht die Dobschütz eine kluge Dame und lieb und gut dazu ? Und du kannst ja französisch parlieren , daß es eine Lust ist , und Strehlke hat ja zwei Preise gewonnen , einen in Kopenhagen über die Strandvegetation in Nordschleswig und einen in Kiel über Quallen und Seesterne . Und daß er Geographie weiß , das weiß ich , er wußte ja neulich das Lustschloß vom König von Neapel , so daß ihm selbst dein Onkel Arne gratulierte . Was willst du denn noch mehr lernen ? Das nehm ich dir übel , wenn du soviel mehr lernen willst als ich , und wenn du dann wiederkommst , ist kein Verkehr mehr mit mir . Und ich will doch mit dir verkehren , denn ich liebe dich ja so sehr . Und deine Mama , wenn sie dich fortgibt , wird dich gewiß in eine große Schweizerpension geben wollen . « » Nein , in eine kleine Herrnhuterpension . « » Nun , darüber läßt sich reden , Asta . Herrnhuter kenn ich , das sind gute Leute . « » Das mein ich . Die Mama war ja auch in einer Herrnhuterpension . « » Ist es denn schon gewiß ? « » So gut wie gewiß . Der Papa hat nachgegeben . Und außerdem reist er morgen nach Kopenhagen zur Prinzessin , worauf gar nicht gerechnet war , und das wird Mama wohl benutzen , um alles schnell ins rechte Geleise zu bringen . Ich denke mir , in vierzehn Tagen oder noch früher ... « » Ach , Asta , wäre nicht der Großpapa , ich bäte deine Mama , daß sie mich mitgäbe . Was soll ich hier anfangen , wenn du fort bist ? « » Es muß schon so gehen , Elisabeth , und wird auch . Schwer wird es mir auch . Und meine Mama wird auch allein sein und niemanden um sich haben als die Dobschütz , und sie schickt uns doch fort . Denn Axel geht auch . Es ist doch recht , was sie mir gestern abend sagte : Man lebt nicht um Vergnügen und Freude willen , sondern man lebt , um seine Pflicht zu tun . Und sie beschwor mich , dessen stets eingedenk zu sein , denn daran hinge Glück und Seligkeit . « » Das ist schon alles ganz wahr , aber es hilft mir nichts . « Und in Elisabeths Auge war ein Flimmern , als sie das sagte . » Ich kann doch nicht immer am Strand spazierengehen und Bernstein suchen und