wieder drinsteckt . Un denn kannst du hier so lang in die Sonne kucken , bis sie morgens bei Polzins oder bei der Frau Privatsekretär wieder rauskommt , er kommt doch nich , er sitzt erster Klasse mit Plüsch un hat noch ein Luftkissen bei sich , un sie hat ' nen blauen Schleier an ' n Hut , und so geht es heidi ! nach Italien . Un das is denn , was sie Hochzeitsreise nennen . « » Ach , Pauline , so kommt es nich . « » Ja , so kommt es , mein armes Stineken . Un wenn es nich so kommt , na , denn kommt es noch schlimmer , denn is er ein Eigensinn un will partout mit ' n Kopp durch die Wand , un da hast du denn den Kladderadatsch erst recht . Glaube mir , Kind , von ' ne unglückliche Liebe kann sich einer noch wieder erholen un ganz gut rausmausern , aber von ' s unglückliche Leben nich . « Elftes Kapitel Baron Papageno ( niemanden über sich ) wohnte von alter Zeit her drei Treppen hoch , teils , weil er das seiner Meinung nach erst in etwa Dachhöhe beginnende Ozon auch in seiner Berliner Abschwächung nicht missen wollte , teils , weil er einen Widerwillen hatte , bei jeder über ihm stattfindenden Mahlzeit ein halbes Dutzend Menschen und Stühle herumpoltern zu hören . Namentlich war ihm das Hinundherschrammen in den Tod verhaßt , das seiner in früheren Wohnungen gemachten Erfahrung nach überall da blühte , wo Kinder mit zu Tische saßen , Kinder , die noch nicht alt genug waren , ihren Stuhl manierlich heranzustellen , und sich deshalb aushilfeweise zum Schieben gezwungen sahen . Neben dem Griffelgequietsch auf Schiefertafeln gab es nichts , was ihn so nervös gemacht hätte wie solche Stuhl- und Rutschfahrten ihm zu Häupten . Aber freilich , seine der gesamten Wohnungsfrage geltenden Sorglichkeiten beschränkten sich nicht auf Luftschicht und Hausruhe , sondern zeigten sich beinah mehr noch in dem Raffinement , mit dem er bei der Wahl der Stadtgegend verfahren war und Zietenplatz und Mohrenstraße-Ecke gewählt hatte . Wie sich denken läßt , hielt er diese seine Kastellecke für nicht mehr und nicht weniger als den schönsten Punkt der Stadt und lag darüber mit dem alten Grafen in einer beständigen Fehde . Dieser seinerseits zog die Behrenstraße weit vor , unterlag aber bei den sich darüber entspinnenden Streitigkeiten jedesmal , weil er in der üblen Lage war , mit bloßen legitimistischen Sentiments gegen Tatsachen fechten zu müssen . » Ich bitte Sie , Graf « , sagte dann Papageno mit einer von vornherein überlegenen Miene , » was haben Sie , Hand aufs Herz , in der Behrenstraße ? Sie sehen nun schon sieben Jahre lang in das Portal der kleinen Mauerstraße hinein , ohne je was anderes herauskommen zu sehen als eine Kutsche mit einer alten Prinzessin oder einer noch älteren Hofdame . Das ist mir aber , offen gestanden , trotzdem die Kutschen zu sind , als Point de vue nicht anziehend genug . Und nun vergleichen Sie damit meine Mohrenstraße-Ecke ? Sag ich zuviel , wenn ich behaupte , daß mir , von meinem Ausguck aus , ganz Berlin , soweit es mitspricht , zu Füßen liegt ? Was ich jeden Morgen zuerst zu begrüßen in der Lage bin , ist der alte Zieten auf seinem Postament . Als er noch weiß war , war er mir freilich noch lieber , und wenn ich ihn damals so marmorblank in der Morgensonne dastehen und leuchten sah , dacht ich mitunter , er werde reden wie der selige Memnon aus seiner Säule . Nun , das hat er schon damals unterlassen , und seitdem er erz- und olivenfarben geworden ist , ist es vollends damit vorbei - die besseren Tage liegen ihm und anderen zurück . Aber besser oder nicht , der alte Zieten ist überhaupt nur Vorposten an dieser Stelle , hinter dem ich - die Menge muß es bringen - an jedem neuen Tage nach links hin die Gamaschen des Alten Dessauers und nach rechts hin die Fahnenspitze des alten Schwerin blinken sehe . Vielleicht ist es auch sein Degen . Und en arrière meiner Generäle türmen sich die Ministerien auf und Pleß und Borsig , und wenn ich mich noch weiter vorbeuge , seh ich sogar das Gitter von Radziwill , jetzt Bismarck , und durchdringe mich mit dem patriotischen Hochgefühle : hier Preußen unter dem Alten Fritzen , dort Preußen unter dem eisernen Kanzler . « So liebte Baron Papageno zu perorieren und schloß dann in der Regel mit Zitaten aus der ersten Strophe des » Ring des Polykrates « , womit sich seine Kenntnis der Ballade , wie bei vielen andern , erschöpfte . Der Baron lag auch heute wieder im Fenster , aber nicht nach dem Zietenplatze , sondern nach der Mohrenstraße hinaus , und beobachtete die Sperlinge , die gerad gegenüber in der Dachrinne saßen und sich unter beständigem Gepiep und Gehupf , dem dann ein abschüttelndes Flügelschlagen folgte , den Extravaganzen eines geordneten oder vielleicht auch ungeordneten Familienlebens hingaben . Er sann eben darüber nach , ob er sich nicht aus moralpädagogischen Gründen ein kleines Pustrohr anschaffen und durch Hinüberschießen kleiner Lehmkugeln etwas mehr Askese heranbilden solle , als er draußen auf dem Flur die Klingel gehen hörte . Seine Wirtin mußte , der Tagesstunde nach , eigentlich noch zu Hause sein , und so hielt er vorläufig ruhig auf seinem Beobachtungsposten aus , bis das mehrfach wiederholte Klingeln ihn veranlaßte , nachzusehen , was es sei . Baron Papageno hatte draußen den Postboten erwartet und war nicht wenig überrascht , statt seiner den jungen Grafen vor sich zu sehen . » Ah , Waldemar ! Herzlich willkommen . Wie Zeit und Jugend sich ändern ! Ich schlief immer noch um elf , und Sie sind schon auf und gestiefelt und gespornt und machen Ihre Visiten . Aber bitte , geben Sie