? Der dritte war unser Freund Opitz ... « Die Alte nickte und kicherte vor sich hin . Siebenhaar aber wiederholte : » Ja , unser Freund Opitz . Und sehn Sie , liebe Frau Menz , wenn ich hörte , daß er diese Nacht ein großes Alpdrücken gehabt und seine Frau mit seinem Tode geängstigt habe , so würd ich mich nicht wundern . Aber , wie gesagt , es haut eben jeder mal über die Schnur , Sie und ich und natürlich auch ein Förster . Und ist auch nicht so schlimm , wenn einer nur sonst brav und tüchtig ist . Und das ist Opitz und auch gar nicht so hart , wie die Leute glauben , und wenn man ihn nur zu nehmen weiß und ihm seine Ehre gibt , darauf hält er , und darauf muß er halten , so läßt sich ganz gut mit ihm leben , und ist auch nicht so gehässig und unversöhnlich , wie mancher meint , wovon ich mich erst gestern wieder überzeugen konnte ... « » Hörst du , Lehnert , hörst du ? Das ist es ja , was ich auch immer sage . Der Förster ist doch eine Obrigkeit , und die Obrigkeit ist von Gott . Ja , das haben Sie gepredigt , Herr Prediger , und das vergeß ich nicht wieder . Opitz ist Obrigkeit und ein guter Mann und steht eigentlich in Gottes Namen da ... « » Ach , Mutter , rede doch nicht solchen Unsinn . Er ist bei dem Grafen in Dienst , und für den steht er da . So was darfst du nicht sagen , und am wenigsten , wenn der Herr Pastor da ist , das ist ja die reine Gotteslästerung . Und du sagst es auch alles bloß so hin und weißt recht gut , daß er nicht anders ist als du und ich und vielleicht noch ein bißchen schlechter . « Siebenhaar nahm Lehnerts Hand und lächelte : » Mußt dich nicht so ereifern , Lehnert . Die Mutter sagt es bloß , weil sie den ewigen Streit nicht will und sich ängstigt und Ruh und Frieden und gute Nachbarschaft haben möchte . Treff ich ' s ? Sage selbst ... « » Und weil ihr alles gleich ist , Herr Pastor , wenn sie nur ihren Vorteil hat . Das ist es . Und wenn sie drüben ein ranzig Stück Speck haben oder mit einem Rehviertel nicht mehr wissen , wo sie mit hin sollen , dann ist sie gleich bei der Hand und will sich ' s schenken lassen . Ich will aber nichts Geschenktes haben aus dem Haus da , und wenn es denn durchaus ein Reh oder ein Rehviertel sein soll ... « » Dann weißt du , wo du ' s hernimmst ... Ja , Lehnert , das ist es eben , und darüber klagt Opitz und über deinen Trotz , der das Verbotene nicht bloß tut , sondern sich ' s auch noch berühmt . Wie viele Male hab ich dir das schon vorhalten müssen . Erst neulich wieder . Ist es nicht so ? Du schweigst ... Sieh , ich bin gestern mit ihm eine halbe Stunde lang um die Brückenberger Waldwiese herumgegangen und hab ihn beschworen , nicht alles sehen und nicht alles hören zu wollen , und hab ihm Vorstellungen gemacht und ihm ins Gewissen geredet . Und ich kann dir sagen , wörtlich sagen , oder doch so gut wie wörtlich , was ich ihm bei der Gelegenheit alles gesagt habe . Sehen Sie , Opitz , so hab ich ihm gesagt , Sie reden immer von Recht und Ordnung , aber was heißt Recht und Ordnung ? Das sind alles sehr schöne Sachen , und doch ist es mit Recht und Ordnung geradeso wie mit Zucht und Sitte . « Lehnert nickte . » Wie mit Zucht und Sitte . Die sollen sein . Gewiß , Zucht und Sitte sollen sein ; wer will das bestreiten ? Und wenn ich dann im Unterricht und zuletzt noch mal am Einsegnungstage den jungen Dingern zurede , daß sie sie gut halten sollen , dann tu ich das nicht bloß , um was zu sagen , dann tu ich es auch , weil mir ' s mein Herz so vorschreibt und weil ich weiß , was ein guter Wandel nicht bloß vor Gott , sondern auch vor den Menschen bedeutet und daß Glück und Unglück daran hängt . Ja , Opitz , so hab ich ihm gesagt , ich bin für Zucht und Sitte . Aber wenn ' s dann nachher anders geht und wenn eine Braut vor den Altar tritt mit einem Myrtenkranz , der ihr eigentlich nicht zukommt , dann nehm ich ihr den Kranz nicht aus dem Haar und fahre nicht mit Feuer und Schwefel drein und sprech auch nicht von ewiger Verdammnis und verzichte darauf , aus der Altarstufe , darauf das arme Ding kniet , eine Armensünderbank zu machen . Ich verzichte darauf , sag ich , und tue sie beide zusammen und empfehle sie in meinen Worten und vor allem auch in meinem Herzen der Gnade Gottes . Ich will nicht wissen , was ich weiß , und will die Kirchenzucht nicht üben , trotz dem ich sie wohl üben dürfte , ja , wie die Strengen meinen , auch wohl üben sollte . Und sehen Sie , Opitz , wie ' s in der Kirche ist , so ist es auch im Wald . Sie müssen der Armut war nachsehen und nicht bloß dem Gesetze nichts vergeben , sondern auch der Liebe nichts vergeben . Es ist eine Täuschung , wenn wir uns immer und ewig auf unser Amt und unsere Pflicht oder gar auf unseren Schwur und unser Gewissen berufen . Das meiste , was wir tun , tun wir doch aus unserer Natur heraus , aus Neigung und Willen . « Die Alte , während der Prediger so sprach