! Wenn Ihr Männer so versessen darauf sein könnt , muß das Spiel doch etwas ... Anziehendes , etwas Pikantes haben ... « » Gewiß hat es das ! « versicherte Herr Oettinger eilfertig . » Vielleicht dürfen wir Sie , gnädige Frau , schon heute Abend in unsere köstlichen Geheimnisse einweihen - ? « » Na ! na ! « wehrte Herr Quöck erschreckt ab . Der Herr Referendar war doch etwas zu galant ! Sie hatten kaum angefangen zu spielen - und nun womöglich erst wieder das umständliche Dociren - die langwierige Erklärung - und nachher dann noch die ersten stümperhaften Spielversuche Lydias mitaushalten müssen - nein ! nein ! - ganz undenkbar - ! Aber Lydia war schon aufgesprungen . » In der That - eine ganz prächtige Idee , Herr Referendar - ich danke Ihnen ! Ich muß Ihnen nämlich gestehen , Herr Doctor , daß Sie nicht so ganz Unrecht hatten mit Ihrer Vermuthung , daß ich mich ... langweilte ... Wir Frauen sind ja alle so ... so gedankenarm ... « Adam erhielt einen herausfordernden Blick . Lydia war zu ihm hingetreten . » Auch die Verfasserin der modernen Bibel - wenigstens die bessere Hälfte der Firma - ? « fragte die schlechtere Hälfte boshaft-galant . » Man braucht doch nicht immer Gedanken zu haben ! « schmollte Lydia neckisch . » Aber , liebe Cousine - « versuchte Herr Quöck das drohende Scatverderben noch einmal zu beschwören , einen zärtlich abrathenden Ton in der Stimme - » Die Grundgesetze des Seats , gnädige Frau - « hub Oettinger an . Adam klappte mit pathetischer Resignation sein zierliches , goldschnittgeziertes Rechnungsbüchlein zu . Frau Möbius trat über die Schwelle . » Wo steckst Du nur in aller Welt , Tante - ? « mußte sie sich von ihrem Herrn Neffen etwas barsch anfahren lassen . » In der Küche , lieber Traugott - Du weißt ja : auf Marien ist kein Verlaß ... Und die Herren wollten ja auch spielen - - « Herr Quöck leerte sein Glas . » Ist denn noch genug Wein oben - ? « fragte er ärgerlich . » Ich denke - « antwortete Frau Möbius mit sanfter Gelassenheit . Man sprach nun viel und trank im Ganzen recht tapfer . Herr Quöck hatte sich einigermaßen gefügt . Er wanderte im Zimmer auf und ab , die Hände auf dem Rücken , stellte sich gelegentlich an den Ofen , blies dicke , blauschwarze Rauchwolken aus Nase und Mund . Ab und zu warf er eine humoristischkaustische Bemerkung in den Spielunterricht , welchen Frau Lydia zu ertheilen , der Herr Referendar Oettinger auf sich genommen . Frau Möbius lachte mit ängstlicher Aufrichtigkeit zu den Bemerkungen ihres Neffen . Oettinger führte seine Schülerin sehr geschickt in die schwierigen Scatprobleme ein . Und Lydia war eine gelehrige Schülerin . Es ärgerte sie nur ein Wenig , daß Adam jetzt im Ganzen so zurückhaltend gegen sie war . Wollte er demonstrativ merken lassen , daß dieser erste beste Herr Referendar gerade gut genug war für die Rolle des Scatpräceptors - ? Plötzlich hatte sich Adam erhoben und war in das Nebenzimmer verschwunden . Man plauderte im Salon gerade sehr eifrig durcheinander . Herrn Quöck schien der genossene Wein schon recht tüchtig angefranst zu haben . Auch Oettinger sprach schärfer und lauter als gewöhnlich , betonte unregelmäßig und falsch . Lydia war nicht minder unruhig . Ihre Gedanken waren zerstückt , ihr Blut kochte auf . Alkohol und Nicotin hatten sie aus den Geleisen der normalen Selbstbeherrschung geschleudert . Adam war zu Hedwig getreten . Diese hatte ihren rechten Oberarm weit , nachlässig , unkritisch , über den aufgeschlagenen Band , in dem sie geblättert , gelegt und den Kopf in die Handhöhlung gestützt . Der linke Arm hing schlaff herunter . Der Blick gedankengebannt oder phantasieverloren . Da fiel der Schatten einer fremden Gestalt in ihren Kreis . Sie schrak zusammen . Adam trat ganz dicht an sie heran . Er athmete schwerer . Hedwig zog den zurückgeglittenen Aermel bis zum Gelenk herunter und sah zu Adam empor , erschreckt und doch zugleich fragend , erwartend - abweisend und doch zugleich normal verwundert , unwillkürlich aufreizend . Aus dem Salon klang buntes , sich gegenseitig verhakendes Stimmengewirr . Aber wie ferne , dumpfe , monotone Brandung dünkte es Adam . Die Situation nahm ihn ganz hin . Jetzt allerdings schnellte die Stimme Oettingers scharf , zackig , hart in die Höhe . Dann sprach Lydia auch lauter , auch artikulirter . Adam hatte nach der rechten Hand Hedwigs gehascht , sie hatte sie ihm mit zufahrender Heftigkeit entzogen . Und doch neigte sie jetzt den Kopf ein Wenig . Ein schmales Stück des weißen , glänzenden Halses wurde sichtbar . Da packte es Adam . Es rüttelte und schüttelte an ihm , schlug ihm die Zähne in die Nerven . Er wußte nicht , wie es so jäh , so bezwingend über ihn kam . Der Wein hatte sein Blut aufgejagt , hatte zuckende , von unten herauf bohrende Flammen hineingeschmissen . Er war seiner nicht mehr mächtig . Es flimmerte ihm roth vor den Augen . Er beugte sich nieder , sog sich eine Sekunde lang fest an diesem weißen , glänzenden Halse und lallte Fräulein Irmer im nächsten Augenblicke ein heißes , leidenschaftliches » - Hedwig ! « in ' s Ohr . Jetzt fuhr die Dame auf . Ihr Gesicht war weiß , die Augen starr , groß aufgerissen , ohne Pol . Durch den Salon kugelte sich gerade ein lautes Lachen . Herr Quöck schien so etwas wie eine Anekdote , wie einen guten Witz erzählt zu haben . » Hedwig - ! « wiederholte Adam dringend , bebend vor Erregung . » Weib ! ich liebe Dich ja - ! « fuhr er wie im Taumel fort . Hedwig schoß mit einem jähen Rucke in die Höhe . » Ich muß Dich sprechen , Hedwig - laß mich