wie dieses Lachen sie selber beglückt . Sie war wohl eigentlich , ihrer ganzen Natur nach , auf Reifenwerfen und Federballspiel gestellt und dazu angetan , so leicht und graziös in die Luft zu steigen wie selber ein Federball . Aber es wird ihr von Jugend an nicht daran gefehlt haben , was sie wieder herabzog . Vielleicht weil sie so schön war . Übrigens glaube nicht , daß ich an eine St. Arnaudsche Mesalliance denke . Nichts in und an ihr , das an eine Tochter Thaliens oder gar Terpsichorens erinnerte . Noch weniger hat sie den kecken Ton unserer Offiziersdamen oder den unmotiviert selbstbewußten unseres Kleinadels auf seinen Herrensitzen . Ihr Ton ist vornehmer , ihre Sphäre liegt höher hinauf . Ob von Natur oder durch zufällige Lebensgänge , laß ich dahingestellt sein . Sie hascht nach keinem Witzwort , am wenigsten müht sie sich um ein zugespitztes Repartie , sie läßt andre sich mühen und zeigt auch darin , daß sie ganz daran gewöhnt ist , Huldigungen entgegenzunehmen . Alles erinnert an kleinen Hof . Und nun tue das Deine . Deiner Antwort sehe ich noch hier entgegen , und zwar binnen einer Woche . Wird es später , so nach Berlin poste restante . Zu postlagernd hab ich mich noch nicht bekehren können . Und nun Dir und meiner teuren Elsy Gruß und Kuß . Wie immer Dein Dich herzlich liebender Robert v. G. L. « Zehntes Kapitel Gordon überflog den Brief noch einmal und war mit seiner Charakteristik Céciles zufrieden , aber nicht so mit dem , was er über St. Arnaud geschrieben hatte . Der war offenbar zu kurz gekommen , was ihn bestimmte , noch ein paar Worte hinzuzufügen . » Eben , meine liebe Clotho « ( so kritzelte er an den Rand ) , » hab ich mein langes Skriptum noch einmal durchgelesen und finde , daß St. Arnauds Bild der Retouche bedarf . Es wird dadurch freilich mehr an Richtigkeit als an Liebenswürdigkeit gewinnen . Wenn ich ihn Dir als Gardeoberst comme il faut vorstellte , was zutrifft , so gibt dies doch immer nur eine Seite ; mindestens mit gleichem Rechte darf ich ihn als den Typus eines alten Garçons aus der Oberschicht der Gesellschaft bezeichnen . Es ist unmöglich , sich etwas Unverheirateteres vorzustellen als ihn , trotzdem er voll Courtoisie gegen die junge Frau , ja gelegentlich selbst voll anscheinend großer Aufmerksamkeiten ist . Aber sie wirken äußerlich , und wenn sie nicht bloß in chevaleresker Gewohnheit ihren Grund haben , so doch jedenfalls zur größeren Hälfte . Zu dem allem hat er ( in diesem Punkte mit Cécile verwandt ) einen genierten Blick ; aber was ihr kleidet , ja , rundheraus , ihren Reiz noch steigert , ist an ihm einfach unheimlich . In manchen Momenten , ich zögere fast , es auszusprechen , wirkt er nicht viel anders , als ob er ein Jeu-Oberst wäre , der hier in Thale den Gemütlichen spielt und seine Kräfte für eine neue Kampagne sammelt . Jedenfalls wirst Du nach dem allen meine Neugier begreifen . Und nun noch einmal Gott befohlen . Dein Roby . « Und nun schob er den Brief ins Couvert und ging in das Lesezimmer , um sich in die » Times « zu vertiefen , die zu lesen ihm , seit seinen indisch-persischen Tagen , ein Bedürfnis war . Um dieselbe Stunde , wo Gordon den Brief schrieb , machte das St. Arnaudsche Paar , wie täglich nach dem Frühstück , seinen Morgenspaziergang . Als sie die große Parkwiese zweimal umschritten hatten , war Cécile müde geworden und nahm auf einer von Flieder und Goldregen überwachsenen Bank Platz , die zum großen Teil im Schatten lag . Es war eine lauschige Stelle , vormittags die schönste der ganzen Anlage , von der aus man nicht bloß die vorgelegene bewaldete Gebirgswand , sondern auch den Hexentanzplatz und die Roßkappe mit ihren in der Sonne blitzenden Hotels übersehen konnte . Die Luft stand , und nur dann und wann fuhr ein Windstoß durch die Stille . Cécile , die den schattigsten Platz hatte , zog den Sonnenschirm ein und sagte : » Gewiß , ich finde das Fräulein sehr unterhaltlich , aber doch etwas emanzipiert oder , wenn dies nicht das richtige Wort ist , etwas zu sicher und selbstbewußt . Künstlerin , sagst du . Gut . Aber was heißt Künstlerin ? Sie schlägt gelegentlich einen Weisheits- und Überlegenheitston an , als ob sie Gordons Großtante wäre . « » Wohl ihr . « » Ja « , beharrte Cécile . » Wohl ihr . Wenn nur nicht das Gerede der Leute wäre . « » Das Gerede der Leute « , wiederholte St. Arnaud spöttisch das ihn allemal nervös machende Wort . Aber Cécile , die sonst ein scharfes Ohr für diesen Ton hatte , hörte heute darüber hin , und mit ihrem Sonnenschirm auf einen Hausgiebel zeigend , der in geringer Entfernung aus einer Baumgruppe hervorragte , sagte sie : » Das ist das Hubertusbad , nicht wahr ? Wie verlief eigentlich das gestrige Konzert ? Ich hatte das Fenster auf und hörte noch die Schlußpiece Komm in mein Schloß mit mir . Wenn ich mir Rosa als Zerline denke . « » Und Cécile als Donna Elvira . « Sie lachte herzlich , denn der Ton , in dem St. Arnaud dies sagte , klang durchaus liebenswürdig und jedenfalls ebenso frei von Gereiztheit wie Tadel . » Donna Elvira « , wiederholte sie . » Die Rolle der Verschmähten ! Wirklich , es wäre die letzte meiner Passionen , und wenn ich mich da hineindenke , so muß ich dir offen gestehen , es gibt doch allerlei Dinge ... « » Die noch schwerer zu tragen sind als die , die wir tragen müssen . Ja , Cécile , sprich es nur aus . Und du solltest dich jeden Tag daran erinnern . Freilich ist es leichter , die Wahrheit