unter den Bauern . Da waren in ihrer Heimat reiche gewaltige Bauernfamilien , welche alte Heidenbücher besaßen , mittelst deren sie den schlimmsten Unfug trieben . Daß sie mit offener Flamme Löcher durch Strohbunde brennen konnten , ohne diese zu zerstören , oder das Wasser bannen oder den Rauch aus den Schornsteinen in beliebiger Richtung aufsteigen und possierliche Figuren bilden zu lassen verstanden , gehörte nur zu den unschuldigen Scherzen . Aber greulich war es , wenn sie ihre Feinde langsam töteten , indem sie für dieselben drei Nägel in einen Weidenbaum schlugen unter den gehörigen Sprüchen ( Margrets Vater siechte lange Zeit infolge dieser freundschaftlichen Manipulation , bis sie entdeckt und er durch Kapuziner gerettet wurde ) , oder wenn sie den armen Leuten das Korn in der Ähre verbrannten , um sie nachher zu verhöhnen , wenn sie hungerten und Not litten . Man hatte zwar die Genugtuung , daß der Teufel den einen oder andern mit großem Aufwand abholte , wenn er reif war ; allein das geriet den gerechten Leuten selbst wieder zum Schrecken , und es war eben nicht angenehm , den blutigen Schnee und die gelassenen Haare auf dem Platze zu sehen , wie es der Erzählerin selbst begegnet war . Solche Bauern hatten Geld genug und maßen es bei Hochzeiten und Leichenfeiern einander in Scheffeln und Wannen zu . Die Hochzeiten waren dazumal noch sehr großartig . Sie hatte selbst noch eine solche gesehen , wo sämtliche Gäste , Männer und Weiber , beritten waren und nahe an hundert Pferde beisammen . Die Weiber trugen Kronen von Flittergold und seidene Kleider mit drei bis vierfach umgewundenen Ketten von zusammengerollten Dukaten ; aber der Teufel ritt unsichtbar mit , und es ging nach dem Nachtessen nicht am ehrbarsten zu . Diese Bauern hatten während einer großen Hungersnot in den siebziger Jahren ihren Hauptspaß daran , mit zwölf Dreschern in weitgeöffneten Scheunen zu dreschen , dazu einen blinden Geiger aufspielen zu lassen , welcher auf einem großen Brote sitzen mußte , und nachher , wenn genug hungrige Bettler vor der Scheune versammelt waren , die grimmigen Hunde in den wehrlosen Haufen zu hetzen . Bemerkenswert war es , daß der Volksglaube diese reichen Dorftyrannen vielfach die verbauerten Nachkommen der alten Zwingherren sein ließ , unter welchen man alle ehemaligen Bewohner der vielen Burgen und Türme verstand , die im Lande zerstreut waren . Ein anderes ergiebiges Feld für abenteuerliche Kunden war der Katholizismus mit seinen hinterlassenen leeren Klosterräumen und den noch lebendigen Klöstern , welche etwa in der katholisch gebliebenen Nachbarschaft sich befanden . Dazu trugen die Ordensgeistlichen der letztern vieles bei , besonders die Kapuziner , welche sich heute noch mit den Scharfrichtern freundschaftlich in die Arbeit teilen , bei den abergläubischen reformierten Bauern Teufelsbannerei und Sympathiekünste zu treiben . In einigen abgelegenen Landesgegenden herrschte damals ein bewußtloser verkommener Protestantismus ; die Landleute standen nicht etwa über den katholischen , als hinwegsehend über verdummte Menschen , sondern sie glaubten alle Märchen derselben getreulich mit , nur hielten sie den Inhalt für übel und verwerflich , und sie lachten nicht über den Katholizismus , sondern sie fürchteten sich vor demselben als vor einer unheimlichen heidnischen Sache . Ebensowenig als es ihnen möglich war , sich unter einem Freigeiste einen Menschen vorzustellen , welcher wirklich in seinem Innern nichts glaube , sowenig waren sie imstande , von jemandem anzunehmen , daß er zu vieles glaube ; ihr Maß bestand einzig darin , sich nur zu denjenigen geglaubten Dingen zu bekennen , welche vom Guten und nicht vom Bösen seien . Der Mann der Frau Margret , Vater Jakoblein genannt , von ihr schlechthin Vater , war funfzehn Jahre älter als sie und näherte sich den Achtzigen . Er besaß eine fast ebenso lebhafte Einbildungskraft wie seine Frau , dabei reichten seine Erinnerungen noch tiefer in die Sagenwelt der Vergangenheit zurück ; doch faßte er alles von einer spaßhaften Seite auf , da er von jeher ein spaßhaftes und ziemlich unnützes Männlein gewesen war , und so wußte er ebensoviel lächerlichen Spuk und verdrehte Menschengeschichten zu erzählen als seine Frau ernsthafte und schreckliche . In seine frühste Jugend waren noch die letzten Hexenprozesse gefallen , und er beschrieb mit Humor aus der mündlichen Überlieferung geschöpfte Hexensabbate und Bankette ganz genauso , wie man sie noch in den aktenmäßigen Geschichten jener Prozesse , in den weitläufigen Anklagen und erzwungenen Geständnissen liest . Dieses Gebiet sagte ihm besonders zu , und er versicherte feierlich von einigen seltsamen Personen , daß sie sehr wohl auf dem Besenstiele zu reiten verständen , versprach auch von einem Tage zum andern , solange er lebte , von einem Hexenmeister seiner Bekanntschaft die Salbe herbeizuschaffen , mit welcher die Besen bestrichen würden , um darauf aus dem Schornsteine fahren zu können . Dieses gedieh mir immer zum größten Jubel , besonders wenn er mir die projektierte Fahrt bei schönem Wetter , wo ich dann vorn auf dem Stiele sitzen sollte , von ihm festgehalten , mit lustigen Aussichten ausmalte . Er nannte mir manchen schönen Kirschbaum auf einer Höhe oder einen trefflichen Pflaumenbaum aus seiner Bekanntschaft , bei welchem haltgemacht und genascht , oder einen delikaten Erdbeerschlag in diesem oder jenem Walde , wo tapfer geschmaust werden solle , indessen der Besen an eine Tanne gebunden würde . Auch benachbarte Jahrmärkte wollten wir besuchen und in die verschiedenen Schaubuden , ohne Eintrittsgeld , durch das Dach eindringen Bei einem befreundeten Pfarrherrn auf einem Dorfe müßten wir freilich , wenn wir anders von seinen berühmten Würsten etwas zu beißen bekommen wollten , den Besen im Holze verstecken und vorgeben , wir seien zu Fuß gekommen , um bei dem herrlichen Wetter den Herrn Pfarrer ein bißchen heimzusuchen ; hingegen bei einer reichen Hexenwirtin in einem andern Dorfe müßten wir keck zum Schornstein hineinfahren , damit sie , in der törichten Meinung , ein Paar angehender hoffnungsvoller Hexer bei sich zu sehen , uns mit ihren vortrefflichen Pfannkuchen mit Speck und mit frischem Honig ohne Rückhalt