Firma trägt . Heißenstein biegt um die Ecke des schmalen Ganges , der zu Rosas Zimmer führt , und staunt , die Tür nur angelehnt zu finden . Er tritt ein ; Rosa ist nicht da - das Bett ist unberührt - die Lade des Pultes , in dem sie ihre kleinen Reichtümer aufzubewahren pflegt , geöffnet , doch scheint nichts darin zu fehlen , und der Schlüssel steckt . Heißenstein schließt die Lade und zieht den Schlüssel ab . » Nachlässig und vergeßlich wie immer ! « brummt er , dabei jedoch erfaßt ihn eine unerklärliche Angst . Er eilte zu seiner Frau hinüber ; sie saß am Klavier und gab ihrer Tochter Unterricht . » Hast du Rosa schon gesehen ? « fragte er und bemühte sich , seinem Ausdruck den Anschein der Gleichgültigkeit zu geben . » Heute noch nicht « , antwortete Frau Nannette obenhin , ergrünte wie der Freiherr von Münchhausen und wandte sich sofort wieder zu Regula , sie beschwörend , dis und es , trotz ihrer scheinbaren Ähnlichkeit , niemals zu verwechseln . Heißenstein murmelte einen Fluch und schritt hinaus . Er ist wohl verrückt , sich Gedanken zu machen . Wohin anders sollte Rosa gegangen sein als in die Kirche , die Frühmesse zu hören , zu beten um Ergebung , Sanftmut , Geduld , die ihr nottun , wahrlich ! - Das ist ' s. Wie kam er nicht gleich darauf ? ... Daß man doch immer die einfachste , natürlichste Erklärung zuletzt findet . Jetzt wird sie wohl zurückgekehrt sein , und wenn auch nicht , er will sie erwarten in ihrem Zimmer und sie ohne Härte empfangen . Er nimmt sich überhaupt vor , in Zukunft milder gegen sie zu sein . Ihr Vorwurf gestern , so ungerecht er war , hat ihm weh getan und fordert zum mindesten eine Widerlegung , eine Zurechtweisung . Auf dem Gange rennt Bozena ihrem Herrn in den Weg ; verstört - bleich wie der Tod . » Fort ! « keucht sie - » das Kind ist fort ! « » Schweig , Närrin ! « ruft er ihr zu , » Rosa ist daheim - in ihrem Zimmer , muß daheim sein « - und zum zweiten Male tritt er in das Gemach . Bozena weiß : es ist nicht - er irrt ! und dennoch weckt die Zuversicht , die ihr Herr zur Schau trägt , in ihr einen Schimmer von Hoffnung ; er ist trügerisch ; wie bald , und er erlischt . Sie stehen in dem Gemache des Kindes und finden es leer . Von neuem jammert Bozena : » Sie ist fort ! « Und den alten Mann überfällt plötzlich und mit Entsetzen die Gewißheit , daß er seine Tochter verloren hat . Augenblicklich fordert seine Qual ein Opfer , an dem sie sich rächen kann . Schäumend , mit der blinden Wut eines Tieres dringt er auf Bozena ein und schmettert sie zu Boden . Sie fällt hin wie ein Baum , sie wehrt sich nicht . » So hast du sie gehütet ? « schreit er halb von Sinnen und wiederholt ohne Aufhören : » So hast du sie gehütet ? « Sie zuckt nicht unter seiner ehernen Faust , sie erhebt sich nicht , sie fühlt nichts , sie weiß nichts zu sagen als : » So hab ich sie gehütet ! « Er faßt ihre gerungenen Hände und reißt sie empor auf ihre Knie . » Sie mußte durch dein Zimmer - mußte sie nicht ? ... Und du liegst auf dem Ohr - und hörst nichts , siehst nichts - hast geschlafen wie ein Klotz ! ... Hast geschlafen , während sie davonging - du ! du ! Die sich ihre Pflegemutter nannte ... Eine saubere Pflegemutter ! Eine saubere Wärterin ! Eine brave Magd ! « Bozena lag gebrochen und ohnmächtig vor ihm auf den Knien . Als er die Worte sprach : » Hast geschlafen ... « hatten ihre Augen ihn mit der Scheu des Wahnsinns angeblickt und sich dann gesenkt in verzweiflungsvoller Scham . Ein klägliches Wimmern und Stöhnen entrang sich ihrer Brust . - Geschlafen ? das glaubte er ? ... O der harte , rauhe Gebieter - der schonungslose Herr , vor dem alle zittern , den sie unbarmherzig nennen , der das geringste Versehen wie einen unverzeihlichen Fehler bestraft ... Nicht mit dem leisesten Verdacht streift er ihre Schuld ! Was sie getan hat , das traut er ihr nicht zu . Er klagt sie an , doch er verunehrt sie nicht , wie er ' s sollte - wie sie es verdient , wie sie selbst sich verunehrt hat ! Was sie getan , er kann es nicht einmal im höchsten Zorn denken - sie ist schlechter , als ein Mensch denken kann ! ... Sorglosigkeit wirft er ihr vor . Einen Schlaf , den sie nicht mehr hat - den Schlaf der Unschuld , der Ehrlichkeit und eines ruhigen Gewissens ! Weh über Bozena - sie hat sich selbst gerichtet - den Augenblick verschmerzt sie nie ! Angesichts ihrer maßlosen Verzweiflung gewann Heißenstein einige Fassung . Er öffnete Rosas Pult , er suchte nach einem Briefe , nach einem Abschiedswort , das sie vielleicht für ihn hinterlassen hatte . Er fand nur einen kleinen Zettel , den er vorhin übersehen , und darauf stand : » Ich gehe zu ihm ohne einen Heller . « Das war ihre Antwort auf des Vaters : » Glaubst du , er nähme dich ohne einen Heller ? « Er knitterte das Blatt zusammen und warf es zur Erde . Bozena stürzte sich darauf - und las - und raffte sich empor , riß den Schrank auf und durchsuchte ihn mit brennender Hast : » Nichts ! « rief sie schmerzlich , » o du guter Gott - nichts fehlt als die Kleider , die sie auf dem Leibe trug , und ihr leichtes Mäntelchen ... So geht