? was hast du geredet ? « » Zu wenig , zu wenig , « sage ich . » Das wird dich verderben , Andreas ; kehre sogleich um und leiste den Herren Abbitte . « Da lache ich dem Freunde in das Gesicht . Er faßt mich jedoch bewegt an der Hand und sagt : » Wahr ist es , bei Gott , es ist wahr , was du gesprochen . Wir empfinden es alle , aber just deswegen werden dir die Herren das Wort nimmer verzeihen . « » Das sollen sie auch nicht , « entgegne ich in meinem Trotze . Heinrich schweigt eine Weile und geht neben mir her . Endlich sagt er : » Ein wenig klüger mußt du werden , Andreas ; und jetzt geh ' und fasse dich . « Meine Hand zittert , da sie das schreibt ; es ist aber alles schon vorbei . Ein Jahr vor dieser obigen Begebenheit hat mir mein Freund Heinrich die Unterrichtsstelle vermittelt , und zwar in dem vornehmen Hause des Freiherrn von Schrankenheim . Meine Aufgabe ist nicht groß , einen Knaben habe ich zu unterrichten und für die Lehrgegenstände der Hochschule vorzubereiten . In diesem Hause ist es mir gut ergangen und ich habe nicht mehr nötig gehabt , mein Mittagsbrot an verschiedenen Tischen zu erbetteln . Mein Schüler Hermann , ein prächtiger , lernbegieriger Jüngling hat mich lieb gehabt . So auch seine Schwester , ein außerordentlich schönes Mädchen - ich bin von Herzen ihr Freund gewesen . Aber , wie die Zeit so hingeht , da wird mir zuweilen kindisch zumute , wird mir fortweg schwüler und unbehaglicher in dem reichen Hause . Ein wenig ungeschickt und linkisch bin ich immer gewesen - jetzund wird ' s noch ärger . Ich habe keinen festen Boden unter den Füßen und zuweilen kein rechtes Vertrauen zu mir selber . Die Leute im Hause wissen es alle , daß ich ein blutarmer Junge bin , und sie vergessen es keinen Augenblick ; sie zeigen sich gar mitleidig und selbst die Dienerschaft will mir oftmals Geschenke zustecken . Gerade mein Zögling hat Feingefühl , ist lustig und zutraulich zu mir ; und das Mädchen - o Gott , o mein Gott , das ist ein schönes , schönes Kind gewesen . Wenn ich des Abends gewandelt bin außer der Stadt und über entlegene Wiesen , oder an buschigen Lehnen hin , und es hat mir ein Blütenblatt um das Haupt getanzt , oder es ist mir eine Heuschrecke über den Fuß gehüpft , da hab ' ich oftmals bei mir gedacht , was es doch eine Glückseligkeit wäre , schön und reich zu sein . Die Zwerge von dem nahen Untersberg und den Kaiser Karl habe ich angerufen in meiner Einfalt . Heiß ist mir geworden in der Brust ; geschwärmt habe ich von » Blumen und Sternen und ihren Augen « . - Von wessen Augen ? Da schrecke ich auf - Jesus , was ist das ? Andreas , Andreas , was soll daraus werden ? - Dazumal bin ich achtzehn Jahre alt gewesen . Aus Rand und Band bin ich eines Tages zu meinem Freunde Heinrich gelaufen - hab ' ihm alles anvertraut . Heinrich hat mich sonst am besten verstanden von allen Menschen . Aber diesmal hat er mir den Rat gegeben , ich möge mich bezwingen ; es ginge fast allen jungen Leuten so wie mir , aber es ginge vorüber . - Kaum um fünf Jahre älter als ich , hat er so gesprochen . So bin ich ganz allein . Da denke ich bei mir : Gleichwohl jung an Jahren , kann ich die Sache doch auch ruhig überlegen - trutz altkluger Leute . Daß ich arm bin , das verspürt keiner so , als ich selber ; daß ich bescheidener Herkunft bin , das treibt mich , aus mir selber etwas zu machen . Recht hat er , ich werde mich bezwingen ; aber nur , wenn ich vor meinen Lehrern stehe . Ich werde meine eigenmächtig strebenden Neigungen der Weile bezähmen und mich mit Fleiß und Ausdauer der Anstalt unterwerfen . Trotz all des Unsinnes und der Ungerechtigkeit , so durchlaufen werden muß , man in ein paar Jahren Doktor , hochweiser Magister . Und hochweise Magister dürfen um Freiherrntöchter freien . Ein Mann , werde ich hintreten und um sie werben . - Noch habe ich meine Absicht in mir verschlossen ; habe mich aber mit festem Willen meinem Studium ergeben , bin unter meinen Genossen einer der ersten gewesen . Prächtig ist es vorwärts gegangen und meinem Ziele näher und näher . Schon sehe ich den Tag , an welchem ich , ein Mann von Stand und Würde , die Jungfrau freien werde . Im Hause haben sie mich alle lieb ; der Freiherr ist nicht adelsstolz und mag vielleicht gerne einen Gelehrten zum Tochtermann haben . Bin wohl in Freude und Glück gewesen . Da haben mich meine Lehrer bei der Hauptprüfung - niedergeworfen . Schnurgerade bin ich nach Hause gegangen an demselbigen Tag , bin hingetreten vor den Vater meines Zöglings : » Herr , ich habe großen Dank für Ihre Güte zu mir . Länger kann ich in Ihrem Hause nicht bleiben . « Er sieht mich sehr verwundert an und entgegnet nach einer Weile : » Was wollen Sie denn beginnen ? « » Ich muß fortgehen von dieser Stadt . « » Und wo werden Sie hingehen ? « » Das weiß ich nicht . « Der gute Mann hat mir mit ruhigen Worten gesagt , daß ich überspannt und wohl krank sein müsse . Was mir geschehen , könne auch anderen geschehen ; er wolle mich pflegen lassen , und im Frieden seines Hauses würde ich mich wieder erholen und übers Jahr die Prüfung gewiß mit Glück bestehen . Hierauf habe ich meine Absicht , fortzugehen , noch bestimmter dargetan ; ich habe es wohl gewußt , die Ursache