seines langen Fahnendienstes bei dem nämlichen Regiment und mit demselben in der nämlichen Garnison . Wir hatten in unserem Landstädtchen heimatlich Wurzel geschlagen und achteten es als Gewinn für die häusliche Gemächlichkeit , daß ein Nebenzweig des Kurhauses , der bisher im Orte residiert hatte , seit kurzem erloschen war , obligatorische Standespflichten nach obenhin unseren Tageslauf sonach nicht regulierten . Dahingegen erfreuten wir uns mancher glanzvollen Erinnerung an jene herzogliche Zeit . Auf der Höhe ragte , wenn auch unbewohnt , das reich ausgestattete Schloß , dessen Terrassen , Weinberge und Gärten sich bis in die Bürgerhöfe hinabzogen und angenehme Erholungsplätze boten . Wir besaßen noch eine verwitwete Frau Hofmarschallin , einen pensionierten Hofjunker , einen Titular-Hofjägermeister , Hofschneider , Hofprediger und eine Hofkellerei . Die letztere sogar in unmittelbarer Nachbarschaft . Ein Faßbinder , namens Müller , hatte sie samt der Schankgerechtigkeit in und außer dem Schloßpavillon erpachtet , und so konnten wir uns in Haus und Garten an den Bacchanalien unserer Mitbürger ergötzen oder über sie entrüsten , je nach Stimmung und Gelegenheit . Auch das Haus , in welchem meine Eltern vom Traualtar bis zum Grabesrande geheimst haben , rühmte sich eines fürstlichen Ursprungs . Ein weiland Herzog hatte es für seinen Leibbader , vulgo Barbier , anlegen lassen , war aber des Todes verblichen , bevor er über den Unterstock hinausgelangte . Der Posten eines Leibbaders wurde von dem neuen Hofhalte und die Beletage von dem Bauplane gestrichen . Der Dachstuhl senkte sich unmittelbar auf das Erdgeschoß , wurde aber , nach Bedürfnis späterer Geschlechter , Stockwerk um Stockwerk erhöht , bis schließlich die Haube dreimal so hoch war wie das Gestell . Wie freut es mich heute , meine Freunde , Euch just in diese naturwüchsige Heimstätte einführen zu können . Denn nichts erfrischt so die Eintönigkeit des Alters wie eine Kuriosität aus unserer frühesten Zeit . » Der Mops mit der Zipfelmütze « steht vor meinen Augen gleich einem lebendigen Geschöpf ; was aber würde ich Euch aus einer glatten , residenzlichen Zimmerflucht zu beschreiben haben ? Man nannte das Haus die Baderei oder auch die Faberei , denn es war samt der Kunst des Erbauers in dessen Nachkommenschaft fortgeerbt , und » Faber « , so hieß jener vom Hofstaat gestrichene Leibbarbier , an dessen allerhöchstes Amt noch das Pförtchen erinnerte , das von unserer Gartenterrasse auf das Schloßplateau führte . Dieses Haus nebst Pertinenzien war nun gegen dreißig Laubtaler Jahresmiete der Familie von Reckenburg so gut wie ein selbstherrliches Bereich . Meister Faber , ein Witmann , rastete wenig daheim . Seine Scherstube , im bewohnbaren oberen Dachgeschoß , grenzte an das Zimmerchen , das mir von früh ab privatim eingeräumt worden war , und die drei anlockenden Messingbecken klapperten im Winde und funkelten im Sonnenschein zwischen der uns trennenden Fensterwand . In den Kammern über unseren Häuptern nächtigte Reckenburgs Dienerschaft : will sagen die Magd und der Soldatenbursche , der ein für allemal » Purzel « hieß . Höher hinauf türmten sich Vorrats-und Futterspeicher , Trockenboden , Rauchkammer und so weiter und so weiter . Nun aber der fürstliche Grundbau im Parterre . De plein pied aus der Torfahrt , welche die Hälfte einnahm , trat man in das geräumige , gelb getünchte Familienzimmer ; aus diesem in die Schlaf- und vertrauliche Ratskammer des ehelichen Konsortiums . Hinter beiden lagen die Küche und das Bureau der Schwadron . Das waren die freiherrlichen Appartements ! Zwischen dem Raum und seiner Füllung aber welche stilvolle Harmonie ! Das hochbeinige Kanapee mit dem blaugewürfelten Leinenbezug , eigenhändig von Frau Adelheid gesponnen , die dito Gardinen , der große eichene Ausziehtisch und der lederne Ohrenstuhl , in welchem der Hausherr sein Mittagsschläfchen hielt , das mütterliche Spinnrad und die roh gezimmerte Hütsche ; in der Hölle , hinter dem Ungeheuer von grünen Kacheln , der Waschtisch , an welchem die Familie nach dem Essen sich die Hände spülte , darüber , als Draperie , die selbstgesponnene , blitzblanke Quehle - Kinder , seht sie mit Ehren an , die alten Stücke in Reckenburgs neuem Turm : es waren gute Menschen , welche sich zwischen ihnen glücklich fühlten ! Und nun das Kleinzeug der Haushaltung : das braune Kaffeegeschirr und das Tafelservice von Zinn ; die Messingleuchter mit der tiefschnuppigen Unschlittkerze , die kupferne Feuerkieke , welche Ehren-Purzel seiner gnädigen Frau Sonntags auf dem Kirchgange nachtrug ; - Euch , Menschen von heute , dünken diese Gerätschaften wohl wie Rudera aus einem Hünengrabe ; aber fragt einen ergrauten Junggesellen , eine arme alte Jungfer , die für kein Tändelwerk in einer Kinderstube zu sorgen haben , fragt sie , wie es tut , wenn solch rücklaufendes Fädchen aus dem Netze ihrer Gewohnheiten gerissen wird ? Was würden jedoch diese einfachen Umgebungen bedeuten ohne die gelassene Grandezza , mit welcher die Bewohner sich in denselben bewegten ? Nichts für ungut , meine jungen Freunde , aber das Bewußtsein reinen Bluts verlieh einen Duktus , welchen die Matadore der Comptoirs und Bureaus größtenteils noch erlernen müssen , und welchen die der zweiunddreißig Quartiere erst verlernten , wenn die Manier des Höflingslebens sie beleckt hatte . Bei Eberhard und Adelheid von Reckenburg mögt Ihr in die Schule gehen , wollt Ihr gehobenen Hauptes und ohne Schwanken , wie jeder brave Mensch es soll , vor hoch und gering im Takte schreiten . Wenn die Freifrau von Reckenburg sich nach der Post begab , um ein durchreisendes Mitglied ihres Fürstenhauses zu begrüßen , in der nämlichen Robe , in welcher sie als blutjunges Fräulein demselben hohen Haupte präsentiert worden war , so schritt sie , beugte sich und redete , bei aller Ehrfurcht , selber wie eine Kurfürstin , denn sie wußte ihre Ahnenreihe so alt und rein wie die des Hauses Wettin . Wenn die Gemahlin des vielschröpfenden Herrn Amtmanns oder die des reichsalarierten Oberforstmeisters in eigener Karosse , Kammerdiener oder Jäger auf dem Trittbrett , zur Visite vorfuhren , so ging sie denselben in ihrer getünchten Wohnstube