ich war ein Verirrter , doch nun kenne ich meinen Pfad wieder . Was Trauer und Verdruß , was Grübeln und Grämen , was Zerschlagenheit und Apathie ; wenn du mir hilfst , Mädchen , bin ich von neuem Herr in meinem Reich ! Das Leben war mir zerbrochen , wie einem der rechte Arm zerbricht ; ich habe ihn lange , lange in der Schlinge getragen , und jetzt prüfe ich von neuem seine Stärke . Mädchen , ich weiß wieder , in welchem Sinne ich mein Leben begann und wie ich es fortsetzen mag , ohne dem Wahnsinn zu verfallen gesegnet sei die Tante Schnödler , der deutsche Mond und du - du schöne , schöne Nikola von Einstein ! So oder ähnlich wäre es dem Afrikaner erlaubt gewesen , sich zu äußern : er hätte auch , wie folgt , sprechen können : Gnädiges Fräulein , Sie haben gleich bei unserer ersten Begegnung einen merkwürdigen Eindruck auf mich gemacht ; denn Sie bedingen für mich einen merkwürdigen Gegensatz zu meiner bisherigen Existenz . Gnädiges Fräulein , einem Manne , welcher zehn Jahre in Abu Telfan im täglichen Verkehr mit Madam Kulla Gulla , ihren Freundinnen , Töchtern , Nichten und so weiter zubrachte , geht der Begriff des Vaterlandes in wundervoller Klarheit und Anmut auf , wenn es ihm auch nur vierzehn Tage hindurch vergönnt ist , täglich einige Male in Ihre Augen zu blicken . Fräulein von Einstein , die schönsten Illusionen der Jugend müssen sich mir notwendig in Ihnen verkörpern . Und was die Tante Schnödler anbetrifft , so bilden Sie auch zu dieser einen angenehmen Gegensatz , gnädiges Fräulein ; und wenn einmal im deutschen Mondenschein , während dem letzten Maikäfergesumme des Jahres einem Menschen in meiner Situation das Tumurkieland und das Vaterland durcheinanderquirlen und das Lachen dem Elend das Beste abgewinnt , so wird jeder Einsichtige dieses der Gelegenheit des Orts , der Zeit und der Umstände vollkommen angemessen finden . Herr Leonhard Hagebucher äußerte sich weder auf die eine noch die andere Art , er rief : » Der Vetter Wassertreter ! Wahrhaftig , es ist der Vetter Wassertreter ! « Der Mond lächelte gar vergnüglich herab , und von der Landstraße her erklang es etwas rauh und unsicher , aber jedenfalls sehr heiter : Wir hatten gebauet Ein stattliches Haus - Der Herr Wegebauinspektor und Vetter hatte die Gastfreiheit der Muhme Hagebucher nicht verachtet ; aber er verachtete auch den Krug zum Goldenen Rad nicht . Er hatte tapfer auf dem Familientage standgehalten und ebenso tapfer den Notabeln des Dorfes in der Schenke . Er hatte jedem , der ihn trocken oder naß anging , Bescheid getan . Gestärkt , friedlich und wohlwollend zog er jetzt auf seiner Landstraße heim und seinen Gaul am Zügel hinter sich her . Seine Schuld war es nicht , daß weder das Gebäude der deutschen Burschenschaft noch der Hagebuchersche Familienfriede unter Dach kamen ; er hatte das Seine redlich getan und kümmerte sich um üble Nachreden nicht im mindesten . Als ihn Lina anrief und ihm mit den beiden andern in den Weg trat , betätigte er durchaus keine ungewöhnliche Verwunderung , sondern nahm auch diesen guten Augenblick , wie er ihm gegeben wurde , schob die Mütze noch ein wenig mehr auf den Hinterkopf , drückte den Tabak in der kurzen Pfeife fest und sagte : » Guten Abend ! Ich wünsche der Jugend alles nur mögliche Pläsier miteinander . « » Danke , Herr Vetter « , erwiderte das Hoffräulein , » ich habe bereits wie gewöhnlich Ihr Loblied gesungen , und wir wissen , wie wir es meinen . Wir hielten soeben auch eine Ratssitzung zwischen den Büschen in Sachen Herrn Leonhard Hagebuchers und vermißten Sie sehr dabei , Wegebauinspektorchen . Sie haben so gut zwischen vier Wänden gesprochen , wollen Sie uns nicht auch noch ein Wörtchen hier im Mondenschein und im Grünen sagen ? « » Im Grünen und im Mondenschein , ihr Narren « , brummte der Alte , » das ist wahrlich die rechte Zeit und Gelegenheit für uns , Rat zu geben und zu nehmen . Ei freilich , die Vögel , die zueinandergehören , finden einander , und lockt der eine im Zaun , so antworten zwanzig seinesgleichen aus dem Roggenfeld , dem Walde oder von der Wiese . Mondschein und Grünkraut , unsereiner , der aus dem Jahre siebenzehnhundertachtundneunzig stammt , weiß freilich davon zu sagen . Es war eine schöne Zeit , als man neunzehn Frühlinge durchlebt hatte und in Kompanie mit den tapfern und treuen deutschen Fürsten und ihren frommen Ministern das neue heilige Reich baute . Vor dem Krachen des groben Geschützes bis zum Jahre fünfzehn hatte sich das Gewölk zerteilt , und ganz Deutschland lag in der silbernsten Beleuchtung unter unsern Berggipfeln . Junges Volk , Kreuzhimmeltausenddonnerwetter , das war eine liebliche Zeit , eine schöne Zeit , die Zeit der Halluzinationen und die Zeit für die Halunken ! O Freiheit , die ich meine - sämtliche Zuchthäuser und Kasernen von Gottes Gnaden verwandelten sich in gotische Dome , und für jeden schwarzen Sammetrock erzog eine deutsche Mutter eine deutsche Jungfrau mit blondem Haar und blauen Augen . O verflucht - das war über alle Beschreibung ; aber ein Glück war ' s , daß die Tante Klementine damals erst die Wände beschrie , sie hätte mich sonst ganz gewiß bei meinen süßesten Gefühlen gepackt . Mondschein und Maikäfer ! Fräulein von Einstein , sehen Sie es mir noch an , daß ich einstmalen an den Kaiser im Kyffhäuser geglaubt und die Gitarre dazu geschlagen habe ? Jaja , wir waren alle auf dem Marsche nach Utopia , gleich dem Afrikaner dort , als er von der Universität durchbrannte ; und als wir uns wie er im Tumurkielande wiederfanden , in dem guten Land , wo Lieb und Treu den Schmerz des Erdenlebens stillt - nämlich auf der Festung , da hatten wir diesen Karlsbader Beschluß des Schicksals dankbarlichst zu akzeptieren