und immer tiefer in den Morast . Kehr ihm entschlossen den Rücken zu ! Noch einmal sage ich Dir : der Kaiser kommt nicht , und es ist ein Glück für Dich , daß er nicht kommt . Kennen Sie denn Se . Majestät so genau ? stotterte der junge Mann . Sehr genau , sagte Berger , und ein eigenthümliches Lächeln spielte auf seinem Gesicht ; sehr genau , nur zu genau . Auch mich hat Se . Majestät lange genasführt . Ihnen verspricht er Geld und Gut , mir versprach er - es bleibt sich gleich , was ; und so verspricht er Jedem etwas Anderes , um Jeden zu narren und zu äffen . Die Einsicht , daß es mit Sr. Majestät Versprechungen eitel Wind ist , das ist der Weisheit Anfang - wie es denn auch ihr letzter Schluß ist . Diese Worte sprach Berger mit plötzlich abfallender Stimme , wie zu sich selbst . Er achtete des jungen Mannes nicht weiter , der mit einem unbeschreiblich traurigen Gesicht , den Hut in der Hand , dastand ; auch Oswalds nicht , der schweigend und durch die eben erlebte Scene auf ' s peinlichste berührt , neben ihm her weiter schritt . Berger mußte ahnen , was in der Seele seines Begleiters vorging , denn als sie durch die Pforte , die ihnen ohne Weiteres geöffnet wurde , getreten waren und nun auf der Landstraße , die erst an dem Fluß entlang , dann über eine Brücke auf das jenseitige Ufer und von dort höher und immer höher in die Berge führte , dahinschritten , unterbrach er plötzlich das Schweigen und sagte : Du wunderst Dich , daß ich mit dem armen Schelm nicht glimpflicher verfuhr , daß ich ihm seine wahnwitzigen Illusionen so grausam zerstörte . Diese scheinbare Grausamkeit ist im Grunde Wohlthat . Wer ist der Unglückliche ? Ein Graf Maltan aus unserer Gegend . Er hat binnen wenigen Jahren ein Vermögen von einer halben Million in sinnlosen Ausschweifungen durchgebracht . Jetzt hofft und harrt er auf den fabelhaften Kaiser , der ihm wiederbringen soll , was er verlor . Aber wenn der junge Mann dadurch , daß Sie ihm diesen einzigen letzten Trost rauben , den schwachen Rest seines Verstandes vollends verliert - Du sprichst , wie Doctor Birkenhain . Ich muß lachen , wenn ich sehe , wie dieser Mann in seinem blinden Optimismus sich gegen die Kraft , die den Menschen unaufhaltsam zur Vernichtung treibt , stemmt , dem Kinde gleich , das einen Strom mit seinen Händchen aufzuhalten versucht . Mein Studium hier besteht in der Beobachtung dieses eigenthümlichen Kampfes , der erhaben sein würde , wenn er nicht lächerlich wäre . Diese Aerzte tappen im Dunkeln , wie bei einem Blindekuhspiel , und glauben die Krankheit zu curiren , wenn sie die Symptome fortschaffen . Sie wissen nicht , sie ahnen nicht , daß eben das Leben selbst der Schuh ist , der uns drückt , das Nessuskleid , das uns bei lebendigem Leibe verbrennt ; und daß diesen Schuh auszuziehen , dieses Kleid von sich zu streifen , nicht nur das beste , sondern auch das einzige Mittel ist , der öden Qual des Daseins zu entrinnen . Sie waren , von der Landstraße abbiegend , auf eine Lichtung im Wald gelangt , die mit Moos und Haidekraut dicht übersponnen war . Vor ihnen sah man über die Wipfel der Tannen weg in die Ebene , aus der sie emporgestiegen waren und weit in das Hügelland hinein ; hinter ihnen zog sich der Wald bergauf höher und höher . - Es war still , lautlos still um sie her . Lange weiße Fäden wehten durch die dünne klare Luft . Die Blumen waren verschwunden ; die Vögel hatten ihre Lieder , die Cicaden ihr Schwirren verlernt ; der Sommer war todt und die Natur saß in stummen Schmerz an seiner Leiche . Selbst der herbstliche Sonnenschein war wehmüthig , wie einer Wittwe Lächeln ; das Blau des Himmels matt und krankhaft , wie einer Trauernden verweintes Auge . Berger hatte sich auf einen niedrigen Baumstumpf gesetzt , Oswald sich neben ihn in das dichte Haidekraut gelagert . In dieser Waldesstille , die ihn so lebhaft an die Forsten von Grenwitz und Berkow und an die schmerzlich süßen Tage , die er dort verlebt , erinnerte , überkam ihn jener Drang , sich mitzutheilen , der uns in manchen Momenten mit unwiderstehlicher Heftigkeit befällt . Wie es den katholischen Christen treibt , die tiefverborgenen Geheimnisse seiner Brust dem Priester , seinem personificirten Gewissen , in ' s Ohr zu murmeln , so trieb es Oswald , dem unglücklichen Mann an seiner Seite , in welchem er von Anfang an sein zweites Ich erkannt hatte , Alles zu beichten , was er erlebt , erstrebt , gefehlt und gesündigt hatte in dieser letzten , für ihn so ereignißreichen , verhängnißvollen Zeit . Er dachte nicht an Doctor Birkenhains Weisung , Berger auf jede Art für sein Schicksal zu interessiren und dem Kranken gegenüber die Rolle eines Arztes zu spielen . War er doch selbst so krank ! Aber , wie es auch in seinem Herzen wühlte , - der Mann an seiner Seite hatte Schlimmeres erduldet ; was er sich selbst kaum zu gestehen wagte - ihm , dem Manne , der gesenkten Hauptes in dem dunklen Labyrinth der Seele umherwanderte und keinen Weg zum Licht des Tages zu finden wußte - ihm durfte er Alles , Alles sagen . Und , stockend im Anfang , und dann immer lebhafter , leidenschaftlicher erzählte er ihm , was er zu erzählen hatte : seine Liebe zu Melitta , seine Liebe zu Helenen , seine Freundschaft für Bruno ; und wie ihm die Eifersucht und der Wankelmuth des Herzens jene , und die Verkettung der Umstände diese und der Tod den herrlichen Knaben geraubt hatten . Berger hatte , das Kinn in die Hand stützend und mit großen Augen unablässig in die