Lichtschimmer zeigte dort , daß ihn Jemand erwarte . » Wie spät ist es wol ? « fragte er den schwarzen Kutscher ; » es ist zu dunkel , um etwas auf der Uhr zu erkennen . « » Es mag 11 Uhr vorbei sein , Sir ! « war die Antwort . Der Wagen rollte nach kurzer Zeit vor das Haus , und Helmstedt , der umsonst nach einem Zeichen des Lebens darin sich umsah , wollte eben verstimmt aussteigen , als Cäsar aus der Dunkelheit hervoreilte und dienstfertig das Schutzleder am Wagen zurückschlug . » Ist meine Frau schon zu Bett ? « fragte der Angekommene . » Mistreß hat bis nach 10 Uhr gewartet , « erwiderte der Schwarze , » und befahl mir dann , wach zu bleiben . « Helmstedt nickte befriedigter , fertigte den Kutscher mit einem Trinkgelde ab und schritt ins Haus . Er fand das Schlafzimmer offen , wo das niedergebrannte Kaminfeuer nur eine kaum noch bemerkbare Helle verbreitete . Leise trat er ein und zündete ein Licht an . In den schneeigen Kissen des Bettes lag Ellen , das Gesicht ihm zugewandt , und der halbgeöffnete lächelnde Mund schien von einem süßen Traume zu erzählen . Einzelne Theile ihres dunklen Haares waren auf die weiße , zartgebaute Schulter , die sich aus dem Nachtüberwurf gestohlen , herabgefallen , und die kleinen , eleganten Hände ruhten leicht über einandergelegt auf der Decke . Helmstedt stand eine Weile in ihre Betrachtung versunken - er hätte viel darum gegeben , wenn er die Bilder gekannt hätte , welche jetzt vor ihrer Seele vorübergingen . Er bog sich vorsichtig nieder und drückte leise einen Kuß auf ihre Lippen - sie lächelte ; dann aber ward sie unruhig , schlug die Augen auf und sah ihn groß an . » Du bist es ! « sagte sie endlich , die Augen reibend ; » hättest du mir doch meinen Traum gelassen ! « » Und was war es denn so Schönes , was du träumtest ? « » O laß mich , « erwiderte sie , und drehte das Gesicht nach der Wand ; » ich war wieder Kind und bei meinem Vater . « Helmstedt richtete sich mit einem unterdrückten Seufzer auf , kleidete sich aus und löschte dann das Licht . III. In Pearl-Street in New-York , da , wo in spätern Jahren der neue Durchbruch gemacht wurde , stand das Haus des Pfandleihers Abraham Meier . Es war ein niederes , unscheinbares Gebäude , dem man äußerlich die Räumlichkeiten , welche es enthielt , nicht ansah . Unter den drei vergoldeten Kugeln , dem Pfandleiherzeichen , gelangte man durch den Eingang in einen engen , nur spärlich erleuchteten Hausflur , aus welchem eine Thür nach der geräumigen » Office « führte . Ein starkes Gitter , hinter welchem der Pfandleiher seinen Platz hatte und das ihn vor jeder Unbequemlichkeit durch seine Kunden schützte , schied diesen Raum der Länge nach in zwei Hälften . Es hatte zwei durch Schiebgitter geschützte Fenster , welche sich durch einen einfachen Mechanismus im Nu schließen konnten . Hinter dem ersten thronte neben einem hohen Pulte Abraham Meier selbst , und hier war der Ort für den Versatz von Allem , was in das Bereich der edlen Metalle und Juwelen schlug , während Mrs. Meier hinter dem zweiten Fenster sich mit der Prüfung von jeder Art Bekleidungsstücken aus Seide , Sammet , Tuch oder Leinwand , wie sie in das Lokal wanderten , beschäftigte . Abraham Meier war noch wenig über die Vierzig hinaus , trug sein Haar , selbst im Geschäft , wohlfrisirt und seinen Bart glatt geschoren ; er sprach stets Englisch , wenn er nicht durch » grüne « Kunden zum Deutschsprechen gezwungen war , aber auch in diesem letzteren Falle suchte er den anerzogenen jüdischen Accent möglichst zu verbergen . Abraham Meier galt im Allgemeinen für einen vorsichtigen Geschäftsmann seiner Art , denn noch war kein Fall von einiger Bedeutung vorgekommen , in welchem die Polizei bei ihren Nachforschungen nach gestohlenen Gütern ihm etwas hätte zur Last legen können . Er galt aber auch bei der unverheiratheten , jungen Männerwelt für einen der wenigen Pfandleiher , mit welchen ein Mensch von Erziehung zu thun haben konnte , ohne das Demüthigende seiner augenblicklichen Lage zu sehr zu empfinden . Seine Taxirung von Pfandgegenständen geschah ohne geringschätzende Miene und beleidigendes Achselzucken . Mit höflicher Geschäftsmiene gab er die Summe an , zahlte oder wies bedauernd eine höhere Forderung zurück , und so gehörte seine Bekanntschaft unter dieser Klasse von Geldbedürftigen zu den ausgebreitetsten , wenn auch seine Taxirungen , von denen er nie wich , eben nicht zu den höchsten gehörten . Es war Nachmittags zwei Uhr an einem Apriltage . Abraham saß vor seinem Pulte , blätterte in einem seiner Geschäftsbücher und markirte einzelne Posten mit Bleistift . Die Office war leer . Mit dem Ausgange des Winters ist die größte Ernte des Pfandleihers vorüber ; was der Arme entbehren konnte , hat er für Feuerung und Lebensmittel geopfert ; die Masse von jungen Leuten aber , deren Einkommen mit ihren Ansprüchen auf Vergnügungen , an denen die große Stadt im Winter so reich ist , nicht im Einklange stehen , haben » springen « lassen , was einigermaßen entbehrlich war , oder auch zum Versetzen auf die eine oder andere , oft nicht zu rechtliche Weise beschafft wurde , und so versiegt mit den ersten Frühlingstagen eine Quelle des Pfandleihers , welche seinen Hauptgewinn bildet , da selten an eine Wiedereinlösung der versetzten Gegenstände gedacht wird . » Vierundfünfzig Nummern ! « brummte Abraham , als er die letzte beschriebene Seite seines Geschäftsbuchs erreicht hatte . Er stand auf und schloß die beiden Fenster des Gitters ; dann öffnete er einen großen eisernen Geldschrank unweit seines Pultes und begann eine Menge kleiner , in weißes Papier gewickelter und numerirter Päckchen daraus hervorzuholen . Bei jedem derselben verglich er die Nummer mit den Angaben seines