vor , daß sie alle ihre Kräfte anstrengen mußte , die äußere Ruhe zu behaupten , mit der sie jetzt sagte : » Ihr scheint auch darin Eurem edlen Lehrer Agricola zu gleichen , daß Ihr Euch durch kein Amt wollt binden lassen , weil Ihr eine unüberwindliche Abneigung habt gegen Fesseln jeder Art , sonst könntet ihr nicht überlegen und gar um Rath fragen ! ob Ihr diesem Rufe folgen sollt oder nicht . « » So schickt Ihr mich fort ? « fragte er betroffen , » und so ruhig - das hatte ich nicht erwartet ! « Sie sah ihn mit stolzen Blicken an und fuhr fort : » Ihr sagtet ja immer selbst , daß Ihr ein unstetes Leben geführt und es wohl so fortführen würdet , bis es zu Ende sei - ich glaube , der Bischof von Worms wird Euch das nicht verwehren , wenn Ihr Euch auch zu ihm begebt , so wenig , wie er es Agricola verwehrte . Hier seid Ihr ja auch nicht gebunden . « » Ja , « rief er heftig und aufspringend , » Ihr habt Recht ! es hält mich ja hier Niemand « - er griff nach seinem Hut und wollte gehen . Sie stand auch auf , riß den Hut aus seiner Hand und schleuderte ihn in eine Ecke des Gemaches . » So werdet Ihr nicht von Euerer Freundin scheiden , « sagte sie plötzlich mit dem zartesten Schmelz einer weiblichen Stimme . » Ich habe den Lorbeerkranz auf Euer hohes Dichterhaupt gesetzt , wenn auch nur auf Befehl unseres Herrn und Kaisers , und ich bitte Euch jetzt , dies Haupt ein wenig zu neigen , damit ich dies goldene Kettlein um den Hals werfe , der niemals eine Kette tragen will - und nur diese tragen soll zum Angedenken an Elisabeth Behaim . « Es war nicht Zerstreuung einer kürzlich Vermählten , es war Absicht , daß sie ihren Mädchennamen sagte , denn seit sie verheirathet war , hatte sie noch nicht wieder mit Konrad Celtes gesprochen . Vor ziemlich zwei Jahren war er nach Nürnberg gekommen , der Ruf seiner Dichtkunst und Beredtsamkeit war vor ihm hergezogen ; alle Gelehrten und Doctoren Nürnbergs kamen ihm achtungsvoll entgegen , und Anton Koberger , der damals schon eine große Druckerei besaß , in der vierundzwanzig Pressen arbeiteten , druckte seine Werke . Konrad Celtes war der Sohn eines fränkischen Bauern Pickel , zu Wipfelde nahe bei Würzburg 1459 geboren . Er sollte seinem Vater in der Landwirthschaft und im Weinbau beistehen und sie später selbst übernehmen . Allein sein Wissensdrang ließ ihm keine Ruhe . Heimlich entfloh er aus der väterlichen Besitzung auf einem Floß den Main und Rhein hinab und ging auf die Universität nach Cöln . Darauf studirte er in Heidelberg und ward Agricola ' s Lieblingsjünger . Dann besuchte er die Universitäten zu Erfurt , Leipzig und Rostock , aber nicht mehr als Lernender sondern als Lehrender , dem Humanismus und den humanistischen Studien immer mehr Eingang verschaffend . Durch seine Vorlesungen sammelte er sich so viel , daß er darauf nach Italien gehen konnte , was für die Gelehrten seines Faches damals als Nothwendigkeit erschien . Zu Bologna hörte er Philipp Beroaldus den Aelteren , zu Florenz Marsilius Ficinus , zu Rom Pomponius Lätus . Von Venedig aus ging er nach Ungarn und Polen , und von da nach Deutschland zurück , wo er in Nürnberg sich niederließ . Damals - es war im Jahr 1487 - hielt Kaiser Friedrich III. daselbst einen Reichstag und blieb fast ein ganzes Jahr daselbst auf der Veste wohnen . Der alte Kaiser , obwohl er damals nur den Reichstag berufen , um von ihm ein Heer zu erbitten , seinen eigenen Geburtsort Neustadt zu schützen , den der sieghafte Ungarnkönig Mathias bedrängte und den Friedrich fürchten mußte fallen zu sehen gleich Wien , und obwohl er aus seinen eigenen österreichischen Erblanden vertrieben , vom Geschick hätte gebeugt sein können , vertrieb er sich doch in Nürnberg die Zeit , als sei er der glückgekrönteste Herrscher . Um den Nürnbergern zu zeigen , daß er auch ein Freund der Wissenschaften und Künste sei - nur die Rechtswissenschaft haßte er und nannte deren Doctoren : Seductores ( Verführer ) - berief er deren Vertreter selbst um sich und ließ sich von den Meistersängern und Poeten ihre Werke vortragen . Bei einem öffentlichen Aufzug , der auf dem Marktplatz stattfand , bei dem er einige Nürnberger Patrizier , darunter Hans Tucher , zum Ritter schlug , um ihn damit für seine Reise in das heilige Land und die von ihm selbst verfaßte Beschreibung derselben zu ehren , nahm er auch einen grünen Lorbeerkranz , den er sich auf sammtenem Kissen hatte nachtragen lassen , und ließ Konrad Celtes vor sich führen , um ihm so vor allen Hohen des Reichs und allem Volk öffentlich die Ruhmeskrone des Dichters auf das Haupt zu setzen . Aber als Celtes schon vor ihm kniete , zögerte der Kaiser plötzlich und sandte einen seiner Ritter zu der Erhöhung , auf der Nürnbergs edle Frauen und Jungfrauen Platz genommen . Unter ihnen strahlte vor Allen Elisabeth Behaim durch Schönheit und Anmuth ihres Wesens , wie durch die Pracht ihrer Kleidung hervor - und mit stolzer Haltung folgte sie dem Ritter , der ihr die Botschaft des Kaisers brachte : daß sie als die schönste Jungfrau Nürnbergs den Dichter krönen möge . Bisher hatte sie ihn nur von fern gesehen - nun stand sie dicht vor dem Knieenden und setzte zitternd den Kranz , den sie aus der Hand des Kaisers empfing , auf das edle Lockenhaupt , das sich vor ihr neigte . Wie hätte nicht das leichterregbare Herz des Dichters erfaßt werden sollen von diesem Augenblick und ihn als den schönsten seines Lebens preisen ? Wer , dem jemals für das Ringen und Streben seines Genius eine ähnliche Anerkennung , so überraschend plötzlich und vor allem Volk zu